Kirche In Der Ns Zeit
Herzlich Willkommen in Deutschland! Wenn Sie planen, Deutschland zu besuchen oder hier neu sind, tauchen Sie wahrscheinlich in die reiche Geschichte und Kultur des Landes ein. Ein dunkles Kapitel dieser Geschichte ist die Zeit des Nationalsozialismus (NS-Zeit). Die Rolle der Kirche während dieser Zeit ist ein komplexes und oft kontrovers diskutiertes Thema. Dieser Artikel soll Ihnen einen informativen und verständlichen Überblick darüber geben, wie die Kirchen in Deutschland unter der NS-Herrschaft agierten und welche Konsequenzen sich daraus ergaben.
Einleitung: Die Kirchen in der Weimarer Republik
Um die Situation der Kirchen während der NS-Zeit zu verstehen, ist es wichtig, den Kontext der Weimarer Republik (1918-1933) zu betrachten. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Fall des Kaiserreichs erlebte Deutschland eine Phase politischer und gesellschaftlicher Umbrüche. Die Weimarer Verfassung garantierte Religionsfreiheit und trennte Kirche und Staat. Dennoch blieben die Kirchen, insbesondere die evangelische und katholische Kirche, wichtige soziale und moralische Instanzen in der Gesellschaft. Sie unterhielten Schulen, Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen und beeinflussten das öffentliche Leben maßgeblich.
Allerdings standen die Kirchen auch vor Herausforderungen. Die Säkularisierung nahm zu, und viele Menschen wandten sich von der Religion ab. Gleichzeitig gab es innerhalb der Kirchen unterschiedliche theologische und politische Strömungen, was zu internen Konflikten führte.
Der Aufstieg des Nationalsozialismus und die anfängliche Reaktion der Kirchen
Der Aufstieg der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) unter Adolf Hitler in den 1920er und frühen 1930er Jahren stellte die Kirchen vor eine neue und beispiellose Herausforderung. Die NS-Ideologie, die auf Rassenlehre, Nationalismus und Antisemitismus basierte, stand in fundamentalem Widerspruch zu den christlichen Werten von Nächstenliebe, Gleichheit und Menschenwürde. Trotz dieser offensichtlichen Widersprüche gab es zunächst keine einheitliche Reaktion der Kirchen auf den Nationalsozialismus.
Die Katholische Kirche
Die Katholische Kirche unter Papst Pius XI. stand dem Nationalsozialismus zunächst skeptisch gegenüber. In einigen Hirtenbriefen und Erklärungen wurden die rassistischen und antidemokratischen Tendenzen der NSDAP kritisiert. Allerdings gab es auch katholische Würdenträger, die sich aus politischen oder opportunistischen Gründen für eine Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten aussprachen. 1933 unterzeichnete der Vatikan das Reichskonkordat mit der NS-Regierung. Dieses Abkommen garantierte der Katholischen Kirche bestimmte Rechte und Freiheiten, im Gegenzug verpflichtete sich die Kirche zur politischen Neutralität. Das Konkordat sollte der Kirche Handlungsspielraum sichern, wurde aber von den Nationalsozialisten oft missachtet.
Die Evangelische Kirche
Die Situation in der Evangelischen Kirche war komplizierter. Sie war in verschiedene Landeskirchen unterteilt, was zu einer Zersplitterung führte. Innerhalb der evangelischen Kirche gab es unterschiedliche Strömungen: Einige unterstützten den Nationalsozialismus offen (Deutsche Christen), während andere Widerstand leisteten (Bekennende Kirche). Die Deutschen Christen versuchten, die christliche Lehre mit der NS-Ideologie zu vermischen und das Alte Testament wegen seiner jüdischen Wurzeln abzulehnen. Sie befürworteten eine "arische" Kirche und unterstützten die antisemitische Politik der Nationalsozialisten. Die Bekennende Kirche hingegen verteidigte die traditionelle christliche Lehre und lehnte die Vereinnahmung durch den Staat ab. Sie wurde von prominenten Theologen wie Martin Niemöller und Dietrich Bonhoeffer angeführt, die beide für ihren Widerstand gegen das NS-Regime verhaftet und ermordet wurden.
Konflikte und Widerstand
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 verschärfte sich der Konflikt zwischen Kirche und Staat. Die NS-Regierung versuchte, die Kirchen zu kontrollieren und zu instrumentalisieren. Kirchliche Schulen wurden geschlossen, kirchliche Organisationen verboten, und Geistliche, die sich gegen das Regime aussprachen, wurden verfolgt und inhaftiert.
Der Widerstand gegen das NS-Regime war in den Kirchen unterschiedlich stark ausgeprägt. Einige Geistliche und Laien leisteten aktiven Widerstand, indem sie Juden halfen, Verfolgten Unterschlupf gewährten oder regimekritische Predigten hielten. Andere beschränkten sich auf passiven Widerstand, indem sie an ihren christlichen Überzeugungen festhielten und sich der Vereinnahmung durch den Staat widersetzten.
Dietrich Bonhoeffer, ein bekannter Theologe der Bekennenden Kirche, sagte: "Nicht wer viel redet, sondern wer viel tut, ist der Gerechte." Sein Engagement im Widerstand gegen das NS-Regime kostete ihn das Leben. Er wurde 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet.
Viele Mitglieder der Bekennenden Kirche wurden verhaftet und in Konzentrationslager deportiert. Trotz der Verfolgung blieben sie ihrem Glauben treu und setzten ein Zeichen gegen die Unmenschlichkeit des NS-Regimes.
Die Rolle der Kirchen während des Holocaust
Ein besonders dunkles Kapitel in der Geschichte der Kirchen während der NS-Zeit ist ihre Rolle während des Holocaust. Die systematische Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten war ein beispielloser Völkermord. Viele Kirchenvertreter schwiegen zu diesem Verbrechen oder leisteten nur unzureichenden Widerstand. Es gab zwar einzelne Geistliche und Laien, die Juden halfen und sie vor der Verfolgung retteten, aber eine klare und öffentliche Verurteilung des Holocaust durch die Kirchenleitung erfolgte nicht.
Dieses Versagen der Kirchen, sich deutlich gegen den Holocaust zu positionieren, ist bis heute ein Thema der Auseinandersetzung und der Selbstkritik. Es wirft die Frage auf, wie sich religiöse Institutionen in Zeiten extremer politischer und moralischer Herausforderungen verhalten sollen.
Nach dem Krieg: Aufarbeitung und Versöhnung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Zusammenbruch des NS-Regimes standen die Kirchen vor der Aufgabe, ihre Rolle in der NS-Zeit aufzuarbeiten und sich mit ihrer Schuld auseinanderzusetzen. Es begann ein Prozess der Selbstkritik und der Versöhnung. Die Kirchen bekannten sich zu ihrer Mitschuld und engagierten sich in der Wiedergutmachung und der Erinnerungsarbeit.
Die Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Jahr 1945, das Stuttgarter Schuldbekenntnis, war ein wichtiger Schritt in diesem Prozess. Darin bekannten die Kirchen ihre Mitschuld an den Verbrechen des NS-Regimes und baten um Vergebung. Auch die Katholische Kirche setzte sich mit ihrer Rolle während des Holocaust auseinander und suchte den Dialog mit jüdischen Organisationen.
Was können Sie heute sehen und erleben?
Wenn Sie Deutschland besuchen, gibt es viele Orte und Gedenkstätten, die Ihnen helfen können, die Geschichte der Kirchen während der NS-Zeit besser zu verstehen:
Berlin
* Gedenkstätte Deutscher Widerstand: Diese Gedenkstätte erinnert an die Menschen, die sich gegen das NS-Regime zur Wehr gesetzt haben, darunter auch viele Mitglieder der Bekennenden Kirche. * Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche: Die Ruine dieser Kirche ist ein Mahnmal gegen den Krieg und die Zerstörung. Sie erinnert auch an die Zerstörung des jüdischen Lebens in Berlin. * Haus der Wannsee-Konferenz: Hier fand 1942 die Wannsee-Konferenz statt, bei der die "Endlösung der Judenfrage" geplant wurde. Die Gedenkstätte dokumentiert die Geschichte des Holocaust.Dachau
* KZ-Gedenkstätte Dachau: In diesem ehemaligen Konzentrationslager wurden viele Geistliche und Laien inhaftiert und ermordet. Die Gedenkstätte erinnert an die Opfer des NS-Regimes.Buchenwald
* Gedenkstätte Buchenwald: Ähnlich wie Dachau, war Buchenwald ein Ort der unvorstellbaren Grausamkeit. Hier wurden ebenfalls viele religiös motivierte Widerstandskämpfer inhaftiert.Weitere Orte
* Martin Niemöller Haus (Berlin-Dahlem): Das ehemalige Pfarrhaus, in dem Martin Niemöller lebte, ist heute ein Gedenkort und ein Ort der Begegnung. * Gedenkstätten in kleineren Städten und Gemeinden: Viele lokale Kirchen und Gemeinden haben Gedenkstätten eingerichtet, die an die Opfer des NS-Regimes erinnern und die Geschichte des Widerstands dokumentieren.Fazit
Die Geschichte der Kirchen während der NS-Zeit ist ein komplexes und vielschichtiges Thema. Es gibt keine einfachen Antworten oder Bewertungen. Die Kirchen waren in dieser Zeit weder ausschließlich Täter noch ausschließlich Opfer. Sie waren Teil der deutschen Gesellschaft und spiegelten die Vielfalt der Meinungen und Haltungen wider.
Ein Besuch in Deutschland bietet Ihnen die Möglichkeit, sich mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen und die Lehren daraus zu ziehen. Die Gedenkstätten und Museen, die an die Opfer des NS-Regimes erinnern, sind wichtige Orte der Erinnerung und der Mahnung. Sie helfen uns, die Vergangenheit zu verstehen und aus ihr für die Zukunft zu lernen.
Wir hoffen, dieser Artikel hat Ihnen einen hilfreichen Einblick in dieses wichtige Thema gegeben. Genießen Sie Ihre Zeit in Deutschland und entdecken Sie die vielfältige Geschichte und Kultur des Landes! Denken Sie daran: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Daher ist es wichtig, aus ihr zu lernen, um eine bessere Zukunft zu gestalten.
