Kleine Aster Von Gottfried Benn
Hallo liebe Reisefreunde! Heute möchte ich euch an einen Ort entführen, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, aber eine unglaublich tiefe und bewegende Geschichte erzählt. Ich spreche von Gottfried Benns Gedicht "Kleine Aster" und dem, was es für mich bedeutet, dieses Gedicht an verschiedenen Orten zu lesen und zu erleben. Es ist keine typische Sehenswürdigkeit, kein prunkvolles Schloss, sondern ein stilles, inneres Reiseziel. Aber lasst euch überraschen, denn auch Gedichte können uns auf eine unvergessliche Reise mitnehmen!
Vielleicht kennt ihr das Gedicht schon: "Ein ersoffener Bierfahrer / wurde auf die Bahre gehievt. / Vier Mann trugen ihn. / Einer sagte: ich rieche Kaffee; / der andre sagte: ich rieche auch Kaffee. / Die kleine Aster / hatte alles das nicht gewußt."
Auf den ersten Blick mag es schockierend, vielleicht sogar abstoßend wirken. Ein toter Bierfahrer, der Geruch von Kaffee, und dann... eine kleine Aster. Was hat diese Blume damit zu tun? Genau das ist es, was Benn so meisterhaft macht: die Konfrontation von Schönheit und Hässlichkeit, von Leben und Tod, die nebeneinander existieren und sich doch scheinbar nicht berühren.
Meine erste Begegnung mit der kleinen Aster
Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als ich "Kleine Aster" zum ersten Mal gelesen habe. Ich war jung, wahrscheinlich in der Oberstufe, und Literatur war für mich oft eher eine Pflichtübung. Aber dieses Gedicht... es hat mich getroffen. Es war anders als alles, was ich bis dahin gelesen hatte. Die Direktheit, die Schonungslosigkeit, aber auch die Fragilität der kleinen Aster – das hat mich nicht mehr losgelassen.
Ich las das Gedicht damals in meinem kleinen Zimmer in der Studenten-WG. Die Wände waren kahl, die Möbel zusammengewürfelt, aber auf der Fensterbank stand ein kleiner Topf mit einer Aster. Eine lila Aster. Sie blühte gerade, als ich die Zeilen las. Plötzlich wurde die Aster zu etwas Besonderem. Sie war nicht mehr nur eine Blume, sondern ein Symbol für Unschuld, für die Ignoranz des Schönen gegenüber dem Grauen der Welt.
Die kleine Aster auf Reisen
Seitdem hat mich "Kleine Aster" auf meinen Reisen begleitet. Ich habe es in vielen verschiedenen Kontexten gelesen und immer wieder neue Facetten entdeckt. Hier sind einige meiner denkwürdigsten Momente:
Am Ufer der Spree, Berlin
Berlin, die Stadt, in der Benn einen Großteil seines Lebens verbrachte, ist natürlich ein Muss. Ich saß am Ufer der Spree, die Sonne ging unter, und las das Gedicht. Die Spree, die schon so viel gesehen hat, die Kriege, die Teilung der Stadt, die Wiedervereinigung. Die Spree, die Zeuge von Leben und Tod ist. Und dann die Zeilen über den toten Bierfahrer. In diesem Moment fühlte ich eine tiefe Verbundenheit mit der Stadt, mit ihrer Geschichte, mit ihrer Melancholie.
Ich stellte mir vor, wie der Bierfahrer vielleicht in einer der Kneipen entlang des Flusses sein Bier getrunken hatte, bevor er verunglückte. Das Gedicht wurde zu einem Teil der Berliner Realität, zu einer Momentaufnahme aus dem Leben der Stadt.
Auf einem Friedhof in Hamburg
Ein Friedhof ist vielleicht kein typisches Touristenziel, aber für mich sind sie oft Orte der Besinnung und Ruhe. Auf einem alten Hamburger Friedhof, zwischen moosbewachsenen Grabsteinen, las ich "Kleine Aster". Die Stille, die nur vom Zwitschern der Vögel unterbrochen wurde, verstärkte die Wirkung des Gedichts noch. Die Vorstellung, dass unter meinen Füßen Menschen ruhen, die einst gelebt, geliebt und gelitten haben, machte die Vergänglichkeit des Lebens noch deutlicher.
Ich suchte nach einer Aster zwischen den Gräbern. Und tatsächlich, ich fand eine, fast versteckt unter einem Strauch. Sie war klein und zart, aber sie blühte. Ein stiller Gruß an das Leben, inmitten des Todes.
In einem Café in Paris
Paris, die Stadt der Liebe und der Kunst! Klingt vielleicht erstmal unpassend für ein Gedicht über den Tod, aber gerade der Kontrast hat mich gereizt. Ich saß in einem kleinen Café im Marais, trank einen Café au Lait und las "Kleine Aster". Um mich herum das lebhafte Treiben der Stadt, das Klappern von Geschirr, das Lachen der Menschen. Und dann die Zeilen über den toten Bierfahrer.
Es war, als würde ich einen Moment der Stille in die Hektik der Stadt hineinprojizieren. Das Gedicht erinnerte mich daran, dass auch in den schönsten und lebendigsten Orten der Welt Leid und Tod existieren. Aber es erinnerte mich auch daran, dass das Leben weitergeht, dass die Schönheit der kleinen Aster trotzdem existiert, auch wenn sie nichts von dem Grauen um sie herum weiß.
Wichtiger Hinweis: Die kleine Aster muss nicht gefunden werden
Manchmal habe ich Aster gesehen, manchmal nicht. Es geht auch nicht darum, die "echte" Kleine Aster zu finden, sondern darum, das Gedicht in sich wirken zu lassen und es mit dem jeweiligen Ort zu verbinden. Es ist eine innere Reise, eine Auseinandersetzung mit den großen Fragen des Lebens.
Warum "Kleine Aster" eine Reise wert ist
Warum solltet ihr euch also auf diese Reise begeben? Weil "Kleine Aster" mehr ist als nur ein Gedicht. Es ist eine Einladung, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Es ist eine Erinnerung daran, dass Schönheit und Hässlichkeit, Leben und Tod untrennbar miteinander verbunden sind. Und es ist eine Aufforderung, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen, die kleinen Aster, die uns umgeben.
Nehmt das Gedicht mit auf eure nächste Reise. Lest es am Strand, in den Bergen, in einem Museum, in einem Café. Lasst es auf euch wirken und entdeckt, was es euch zu sagen hat. Ihr werdet überrascht sein, wie viel Tiefe und Bedeutung in diesen wenigen Zeilen steckt.
Ich hoffe, ich konnte euch mit meiner Begeisterung für "Kleine Aster" anstecken. Es ist eine Reise, die sich lohnt, eine Reise zu sich selbst und zu den verborgenen Schönheiten der Welt. Und wer weiß, vielleicht findet ihr ja auch eure eigene kleine Aster unterwegs!
Eure Reisebloggerin,
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