Kleine Tiere Im Mehl Und Zucker
Ach du Schreck! Da steht man in der Küche, freut sich auf einen gemütlichen Backnachmittag, will den Mehlsack öffnen und... entdeckt eine lebhafte WG winziger Krabbeltierchen. Igitt! Kleine Tiere im Mehl und Zucker sind kein schöner Anblick, und wer jemals das Vergnügen hatte, ist verständlicherweise wenig begeistert. Aber keine Panik! Bevor ihr die ganze Vorratskammer in den Müll werft, lasst mich euch erzählen, was das sein könnte, wie ihr sie loswerdet und vor allem, wie ihr zukünftig einem solchen Befall vorbeugen könnt. Denn gerade auf Reisen, wo man vielleicht in Ferienwohnungen mit nicht ganz so optimalen Lagerbedingungen kocht, ist das ein Thema, das einem schnell begegnen kann.
Ich erinnere mich noch gut an meinen Trip durch Andalusien. Eine wunderschöne Region, voller Sonne, Olivenbäume und natürlich fantastischem Essen. Wir hatten uns eine kleine Finca gemietet, um richtig in das spanische Lebensgefühl einzutauchen. Eines Abends wollten wir eine Paella zubereiten, das Rezept hatten wir von einer freundlichen Köchin in Sevilla bekommen. Als ich dann aber den Reis aus der Vorratskammer holte, entdeckte ich sie: winzige, braune Käfer, die sich genüsslich durch die Reiskörner frassen. Mein erster Gedanke war natürlich: Katastrophe! Aber da ich schon öfter mit diesem Problem zu tun hatte (fragt nicht, wie oft meine Studentenbudenküche betroffen war!), wusste ich, dass es Lösungen gibt.
Wer sind diese kleinen Mitbewohner?
Meistens handelt es sich bei den ungebetenen Gästen im Mehl und Zucker um Mehlkäfer, Brotkäfer oder Speckkäfer. Aber auch Motten, genauer gesagt die Larven der Mehlmotte oder Dörrobstmotte, können sich in euren Vorräten breitmachen. Und glaubt mir, die sind genauso wenig willkommen! Die verschiedenen Arten unterscheiden sich leicht in Aussehen und Vorlieben, aber das Grundproblem bleibt das gleiche: Sie verunreinigen eure Lebensmittel und machen sie ungenießbar.
Mehlkäfer: Die Klassiker
Der Mehlkäfer ist wohl der bekannteste Schädling in unseren Vorräten. Er ist bräunlich bis schwarz und etwa 3-4 Millimeter lang. Die Larven, die sogenannten Mehlwürmer, sind gelblich und wurmartig. Mehlkäfer lieben – wie der Name schon sagt – Mehl, aber auch Getreideprodukte, Nüsse und Trockenfrüchte stehen auf ihrem Speiseplan.
Brotkäfer: Nicht nur im Brot
Der Brotkäfer ist etwas kleiner als der Mehlkäfer und eher rötlich-braun. Er ist ein echter Allesfresser und macht sich nicht nur über Brot her, sondern auch über Gewürze, Tee, Schokolade und sogar Bücher!Ja, richtig gelesen, Bücher! Besonders tückisch ist, dass er sich auch durch Verpackungen bohren kann.
Motten: Die fliegenden Plagegeister
Motten sind an sich noch nicht das Problem, aber ihre Larven! Die Larven der Mehlmotte beispielsweise spinnen feine Gespinste in den Vorräten und verunreinigen sie mit ihren Exkrementen. Besonders ärgerlich ist, dass man den Befall oft erst spät bemerkt, wenn die Motten schon durch die Küche flattern.
Was tun, wenn der Befall da ist?
Okay, ihr habt also die kleinen Krabbeltiere entdeckt. Was nun? Zunächst einmal: Ruhe bewahren! Es ist zwar eklig, aber kein Weltuntergang. Hier sind ein paar Schritte, die ihr unternehmen könnt:
- Befallene Lebensmittel entsorgen: Das ist der wichtigste Schritt. Werft alle Lebensmittel weg, in denen ihr die Tiere entdeckt habt. Auch wenn es schwerfällt, das ist die hygienischste Lösung. Am besten verpackt ihr die befallenen Lebensmittel in gut verschlossene Müllbeutel, bevor ihr sie entsorgt.
- Vorratskammer gründlich reinigen: Saugt die Vorratskammer oder den Schrank, in dem die Lebensmittel gelagert wurden, gründlich aus. Achtet dabei besonders auf Ritzen und Ecken, wo sich die Schädlinge verstecken könnten. Wischt anschließend alle Oberflächen mit Essigwasser aus. Essig wirkt desinfizierend und vertreibt die Tiere.
- Leere Behälter reinigen: Auch die leeren Behälter, in denen die befallenen Lebensmittel waren, müssen gründlich gereinigt werden. Spült sie mit heißem Wasser und Spülmittel aus und lasst sie gut trocknen, bevor ihr sie wieder verwendet.
- Fallen aufstellen: Um die restlichen Schädlinge zu fangen, könnt ihr Fallen aufstellen. Es gibt spezielle Klebefallen für Motten oder Fallen mit Lockstoffen für Käfer.
- Natürliche Feinde einsetzen: Schlupfwespen sind natürliche Feinde von Motten und können zur biologischen Bekämpfung eingesetzt werden. Sie sind winzig und ungefährlich für Menschen und Haustiere.
Vorbeugen ist besser als Nachsehen
Wie heißt es so schön? Vorbeugen ist besser als Nachsehen. Und das gilt auch für den Befall von Schädlingen in den Vorräten. Hier sind ein paar Tipps, wie ihr es gar nicht erst so weit kommen lasst:
- Lebensmittel richtig lagern: Bewahrt Mehl, Zucker, Reis und andere trockene Lebensmittel in gut verschlossenen Behältern auf. Am besten eignen sich Glas- oder Kunststoffbehälter mit dicht schließenden Deckeln.
- Kühl und trocken lagern: Schädlinge fühlen sich in warmen und feuchten Umgebungen besonders wohl. Lagert eure Vorräte deshalb an einem kühlen und trockenen Ort.
- Regelmäßig kontrollieren: Kontrolliert eure Vorräte regelmäßig auf Anzeichen von Befall. Achtet auf kleine Löcher in den Verpackungen, Gespinste oder lebende Tiere.
- Neu gekaufte Lebensmittel überprüfen: Bevor ihr neu gekaufte Lebensmittel in eure Vorratskammer stellt, solltet ihr sie kurz auf Anzeichen von Befall überprüfen.
- Lorbeerblätter, Nelken und Co.: Einige natürliche Mittel können helfen, Schädlinge fernzuhalten. Lorbeerblätter, Nelken oder Lavendelblüten in der Vorratskammer sollen abschreckend wirken.
- Pfefferminzöl: Ein paar Tropfen Pfefferminzöl auf einem Wattebausch in der Vorratskammer können ebenfalls helfen, Schädlinge fernzuhalten.
Meine persönlichen Tipps für Reisen
Gerade auf Reisen, wenn man in Ferienwohnungen oder Apartments kocht, ist die Gefahr eines Schädlingsbefalls oft größer. Hier sind meine persönlichen Tipps, um das Risiko zu minimieren:
- Vor der ersten Benutzung die Vorratskammer überprüfen: Bevor ihr eure Lebensmittel einräumt, solltet ihr die Vorratskammer oder den Schrank kurz auf Anzeichen von Befall überprüfen.
- Lebensmittel in eigenen Behältern mitbringen: Wenn ihr empfindliche Lebensmittel wie Mehl oder Zucker mitbringt, solltet ihr sie am besten in eigenen, gut verschlossenen Behältern transportieren.
- Nur kleine Mengen einkaufen: Kauft nur so viel Lebensmittel ein, wie ihr tatsächlich benötigt. So vermeidet ihr, dass Lebensmittel unnötig lange gelagert werden und Schädlinge Zeit haben, sich zu vermehren.
- Auf Sauberkeit achten: Achtet in der Küche auf Sauberkeit. Krümel und Essensreste sind ein gefundenes Fressen für Schädlinge.
Zurück zu meiner Paella in Andalusien. Nach dem anfänglichen Schock habe ich kurzerhand den Reis entsorgt und einen neuen gekauft. Zum Glück gab es einen kleinen Supermarkt in der Nähe. Den neuen Reis habe ich dann in einem mitgebrachten Behälter verstaut, bevor er in die Vorratskammer kam. Und die Paella? Die war köstlich! Und ganz ohne unerwünschte tierische Zutaten.
Also, lasst euch von kleinen Tieren im Mehl und Zucker nicht die Urlaubsstimmung verderben. Mit ein paar einfachen Maßnahmen könnt ihr einem Befall vorbeugen oder ihn schnell in den Griff bekommen. Und denkt daran: Auch wenn es eklig ist, es ist kein Grund zur Panik. Mit ein bisschen Geduld und den richtigen Tricks werdet ihr die kleinen Mitbewohner schnell wieder los. Und dann könnt ihr unbeschwert weiterkochen und eure Reise genießen!
Bon appétit und gute Reise!
