Kohlberg Theorie Der Moralentwicklung
Stell dir vor, du stehst vor einer Eisdiele. Ein kleiner Junge klaut ein Eis. Was denkst du? War das richtig? War das falsch? Und warum denkst du das?
Genau darum geht's bei Kohlbergs Theorie der Moralentwicklung. Klingt kompliziert, ist aber eigentlich total spannend – und oft auch ziemlich witzig, wenn man genauer drüber nachdenkt.
Moralische Superhelden in Babyschuhen
Lawrence Kohlberg, ein amerikanischer Psychologe, hat sich gefragt: Wie entwickeln wir eigentlich unser Gefühl für richtig und falsch? Er hat Menschen jeden Alters moralische Dilemmata vorgelegt – knifflige Situationen, in denen es keine einfache Antwort gibt. Und dann hat er sich angehört, wie sie argumentieren. Daraus hat er seine Theorie entwickelt.
Kohlbergs Theorie besteht aus sechs Stufen, die in drei Hauptphasen unterteilt sind. Denk dran, das ist kein Wettrennen! Es geht nicht darum, wer am schnellsten die höchste Stufe erreicht. Es geht darum, wie wir denken, *warum* wir etwas für richtig oder falsch halten.
Phase 1: "Ich will ein Eis... und keine Strafe!" (Präkonventionelle Moral)
In dieser Phase denken wir sehr egozentrisch. "Wenn ich das tue, kriege ich Ärger? Dann lass ich's lieber!" Das ist, vereinfacht gesagt, die Denkweise kleiner Kinder. Wenn der Junge in der Eisdiele Angst vor einer Tracht Prügel hat, klaut er kein Eis. Das nennt Kohlberg die Stufe der Bestrafung und des Gehorsams. Und er hat wohl recht! Vermutlich ist das der Hauptgrund, warum kleine Kinder nicht ständig Supermärkte plündern.
Die nächste Stufe in dieser Phase ist fast noch witziger: Stufe des instrumentellen Austauschs. Hier geht es um "Wie du mir, so ich dir!". Vielleicht denkt der kleine Eisdieb: "Ich klau dir dein Eis, und dann gibst du mir deins ab! Deal?". Es ist ein sehr praktischer Ansatz, bei dem es vor allem um den eigenen Vorteil geht. Ein bisschen wie auf dem Basar, wo jeder versucht, das beste Geschäft zu machen.
Phase 2: "Ich will dazugehören... und keinen Ärger mit den anderen!" (Konventionelle Moral)
Jetzt wird's sozialer! In der Phase der konventionellen Moral orientieren wir uns an den Erwartungen anderer. "Was würden meine Eltern sagen?", "Was denken meine Freunde?".
Auf der Stufe der interpersonellen Beziehungen wollen wir brav sein und gefallen. Wir wollen der "gute Junge" oder das "liebe Mädchen" sein. Wenn der Eisdieb sich also fragt, was seine Eltern dazu sagen würden, und beschließt, das Eis lieber nicht zu klauen, dann befindet er sich auf dieser Stufe.
Die nächste Stufe ist die Stufe des Gesetzes und der Ordnung. Hier geht es um Regeln und Gesetze. "Klauen ist verboten! Punkt!". Wir akzeptieren die Autorität und halten uns an die Regeln, weil wir glauben, dass sie für ein friedliches Zusammenleben notwendig sind. Man könnte fast sagen, der Eisdieb überdenkt die Situation und erinnert sich, dass es auch noch andere Leute gibt, die auch mal Eis essen wollen.
Phase 3: "Ich will die Welt verbessern... und mein Gewissen beruhigen!" (Postkonventionelle Moral)
Jetzt wird's philosophisch! In der Phase der postkonventionellen Moral denken wir über unsere eigenen Werte nach. Wir hinterfragen Regeln und Gesetze und entscheiden selbst, was richtig und falsch ist.
Auf der Stufe des sozialen Vertrags erkennen wir an, dass Gesetze Vereinbarungen sind, die zum Wohle aller dienen. Aber wir sind auch bereit, sie zu ändern, wenn sie ungerecht sind. Vielleicht denkt der Eisdieb: "Eigentlich ist Klauen falsch, aber wenn der Eisverkäufer Kinder ausbeutet, dann ist es vielleicht okay, ein Eis zu klauen, um auf das Problem aufmerksam zu machen".
Die höchste Stufe ist die Stufe der universellen ethischen Prinzipien. Hier handeln wir nach unseren eigenen, tief verwurzelten Werten, auch wenn das bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen. Wir sind bereit, für unsere Überzeugungen einzustehen, selbst wenn das Konsequenzen hat. Vielleicht klaut der Eisdieb das Eis und stellt sich dann vor den Eisverkäufer, um zu sagen, dass er das nur getan hat, um auf ein viel größeres Problem aufmerksam zu machen.
Warum das Ganze?
Kohlbergs Theorie ist natürlich nur ein Modell. Sie ist nicht perfekt und wurde auch kritisiert. Aber sie hilft uns, besser zu verstehen, wie wir moralische Entscheidungen treffen und wie sich unser moralisches Denken im Laufe unseres Lebens entwickelt. Und sie zeigt uns, dass es nicht immer einfache Antworten gibt, und dass es wichtig ist, über Moral nachzudenken und zu diskutieren.
Das nächste Mal, wenn du also in einer moralischen Zwickmühle steckst, frag dich doch einfach: Welche Eisdielen-Stufe habe ich gerade erreicht?
Und denk daran: Es gibt keine "richtige" oder "falsche" Stufe. Es geht darum, wie wir argumentieren und warum wir etwas für richtig oder falsch halten. Und das ist doch eigentlich ziemlich cool, oder?
