Kollegiale Fallberatung Ablauf Pdf
Okay, Hand aufs Herz: Wer von uns ist schon mal wirklich durch eine Kollegiale Fallberatung geheilt worden? Nicht falsch verstehen, ich mag nette Gespräche. Und Kaffee. Und Kuchen, wenn es ihn gibt. Aber die PDF? Die PDF zum Ablauf? Da fängt der Spaß aufzuhören an.
Es ist immer das Gleiche. Eine lange E-Mail. Betreff: "Dringend: Kollegiale Fallberatung – Nächster Termin!". Anhang: Eine PDF. Natürlich. Diese PDF verspricht, uns durch den nebulösen Dschungel der zwischenmenschlichen Interaktion zu führen. Sie soll uns helfen, effektiver zu werden. Produktiver. Und überhaupt, bessere Menschen.
Der Tanz mit der PDF
Die PDF. Ein Dokument von epischem Ausmaß. Voller Pfeile. Und Kästchen. Und Buzzwords, die man am liebsten mit einem dicken roten Stift durchstreichen möchte. "Ressourcenorientiert". "Systemisch". "Konstruktive Feedbackschleife". Bitte was?
Ich habe da so meine, sagen wir mal, Meinung zu. Unpopular opinion incoming! Ich glaube, die meisten von uns ignorieren diese PDF einfach. Oder scannen sie kurz, um dann so zu tun, als hätten wir alles verstanden. Und dann reden wir trotzdem einfach drauf los. Ist ja auch viel menschlicher.
Es gibt ja immer diesen einen Kollegen. Den, der die PDF liebt. Der sie ausdruckt. Der sie mit Textmarker bearbeitet. Der uns penibelst an die einzelnen Schritte erinnert. Der uns unterbricht, wenn wir vom "festgelegten Prozess" abweichen. Dieser Kollege...nun ja, dieser Kollege ist wahrscheinlich auch derjenige, der immer die perfekte Powerpoint-Präsentation hat. Und der am liebsten Meetings abhält, um Meetings zu planen.
Schritt 1: Die Fallvorstellung
Die Fallvorstellung. Hier offenbart sich das ganze Dilemma. Der Kollege schildert seinen Fall. Ausführlich. Sehr ausführlich. Mit allen Details. Mit allen Anekdoten. Mit allen Nebensächlichkeiten. Und die Zeit rennt. Die PDF schreit innerlich: "Konzentriere dich! Fokussiere dich! Bleib beim Thema!". Aber hey, das Leben ist zu kurz für langweilige Fallvorstellungen, oder?
Manchmal frage ich mich ja, ob diese Fallvorstellungen nicht eher dazu dienen, den eigenen Frust abzuladen. Anstatt wirklich eine Lösung zu finden. Aber pssst, nicht weitersagen.
Schritt 2: Die Fragen
Nach der epischen Fallvorstellung kommen die Fragen. Jetzt wird es interessant. Jetzt können wir zeigen, wie empathisch wir sind. Wie gut wir zuhören können. Wie intelligent wir sind. Oder eben nicht. Denn oft sind die Fragen so allgemein, so belanglos, dass man sich fragt, ob wir überhaupt zugehört haben. "Was hast du denn schon alles probiert?". "Wie fühlst du dich dabei?". Super hilfreich.
Ich persönlich bevorzuge ja die direkten Fragen. Die, die wirklich etwas bewegen. Die, die unangenehm sind. Die, die vielleicht sogar ein bisschen wehtun. Aber die sind leider viel zu selten.
Schritt 3: Die Lösungsvorschläge
Die Lösungsvorschläge. Der Höhepunkt der Kollegialen Fallberatung. Hier dürfen wir uns austoben. Hier dürfen wir unsere Weisheit zum Besten geben. Hier dürfen wir so tun, als hätten wir die Antwort auf alle Probleme der Welt. Und das alles natürlich unter Berücksichtigung der PDF. "Denken Sie systemisch!". "Bleiben Sie ressourcenorientiert!". "Nutzen Sie die Feedbackschleife!".
Meine Lösungsvorschläge sehen meistens so aus: "Hast du schon mal versucht, einfach mal...?". Ja, ich weiß, nicht sehr professionell. Aber ehrlich.
"Manchmal ist die einfachste Lösung die beste." – Irgendein weiser Mensch, wahrscheinlich
Und am Ende? Am Ende haben wir eine Menge geredet. Vielleicht sogar ein bisschen gelacht. Und hoffentlich dem Kollegen ein bisschen geholfen. Aber die PDF? Die liegt wahrscheinlich immer noch ungelesen auf dem Schreibtisch. Oder im Papierkorb. Sorry, liebe PDF. War nicht böse gemeint.
Vielleicht sollte man Kollegiale Fallberatung einfach mal ohne PDF machen. Einfach nur reden. Einfach nur zuhören. Einfach nur Mensch sein. Wäre das nicht mal was?
