König Von Theben In Der Griechischen Sage
König von Theben in der griechischen Sage: Ein Überblick
Die griechische Sage um Theben und seine Könige ist eine der dramatischsten und einflussreichsten Geschichten der griechischen Mythologie. Sie ist voller tragischer Schicksale, göttlicher Interventionen und moralischer Dilemmata. Für jeden, der sich in Deutschland mit Kultur und Geschichte auseinandersetzt, ist ein Verständnis dieser Sage von großem Wert. Dieser Artikel bietet einen klaren und präzisen Überblick über die wichtigsten Könige Thebens und ihre verhängnisvollen Geschichten.
Kadmos: Der Gründer Thebens
Die Geschichte Thebens beginnt mit Kadmos, einem phönizischen Prinzen. Er war auf der Suche nach seiner entführten Schwester Europa, als er vom Orakel von Delphi den Rat erhielt, die Suche aufzugeben und stattdessen einer Kuh zu folgen. Dort, wo die Kuh sich niederließ, sollte er eine Stadt gründen. Dies war der Ort, an dem Kadmos Theben gründete.
Eine der berühmtesten Episoden in der Gründungsgeschichte ist der Kampf von Kadmos mit einem Drachen, der eine heilige Quelle bewachte. Kadmos besiegte den Drachen, säte dessen Zähne aus, und aus diesen Zähnen erwuchsen bewaffnete Männer, die Spartoi ("die Gesäten"). Diese Spartoi begannen sofort, sich gegenseitig zu bekämpfen, bis nur fünf überlebten. Diese fünf, Echion, Udaios, Chthonios, Hyperenor und Peloros, wurden zu den Stammvätern der thebanischen Adelsfamilien und halfen Kadmos beim Aufbau der Stadt.
Kadmos heiratete Harmonia, die Tochter des Ares und der Aphrodite. Ihre Hochzeit war ein großes Fest, bei dem alle Götter anwesend waren. Trotz dieses glücklichen Beginns wurde Kadmos' Familie von einem Fluch verfolgt, der sich durch die folgenden Generationen ziehen sollte.
Laios: Der König, der das Unglück heraufbeschwor
Laios war ein Nachkomme von Kadmos und wurde König von Theben. Er verheiratete sich mit Iokaste, aber sie blieben lange Zeit kinderlos. Laios befragte das Orakel von Delphi und erhielt eine schreckliche Prophezeiung: Sollte Iokaste einen Sohn gebären, würde dieser seinen Vater töten und seine Mutter heiraten.
Trotz dieser Warnung zeugten Laios und Iokaste einen Sohn, Ödipus. Aus Angst vor der Prophezeiung ließ Laios das Baby mit durchbohrten Füßen (daher der Name Ödipus, "Schwellfuß") auf dem Berg Kithairon aussetzen, um zu sterben. Ein Hirte fand jedoch das Baby und brachte es zu König Polybos und Königin Merope von Korinth, die das Kind adoptierten und es als ihren eigenen Sohn aufzogen.
Diese Handlung von Laios, die versuchte, das Schicksal abzuwenden, war der eigentliche Auslöser für die tragischen Ereignisse, die folgen sollten. Sie ist ein klassisches Beispiel für die griechische Vorstellung, dass man seinem Schicksal nicht entkommen kann.
Ödipus: Der tragische Held
Als Ödipus erwachsen war, hörte er Gerüchte, dass er nicht der leibliche Sohn von Polybos und Merope sei. Er befragte das Orakel von Delphi und erhielt die gleiche schreckliche Prophezeiung wie Laios: Er würde seinen Vater töten und seine Mutter heiraten. Um zu verhindern, dass diese Prophezeiung wahr wurde, verließ Ödipus Korinth, um seine vermeintlichen Eltern nicht mehr zu sehen.
Auf seiner Reise kam Ödipus an eine Wegkreuzung, wo er mit einem älteren Mann in Streit geriet. Im Zorn tötete Ödipus den Mann. Unwissentlich hatte er seinen Vater Laios getötet, der sich ebenfalls auf dem Weg nach Delphi befand. Somit hatte er bereits einen Teil der Prophezeiung erfüllt.
Als Ödipus nach Theben kam, wurde die Stadt von einer Sphinx heimgesucht, einem geflügelten Ungeheuer mit dem Körper eines Löwen und dem Kopf einer Frau. Die Sphinx stellte jedem Reisenden ein Rätsel und verschlang diejenigen, die es nicht lösen konnten. Das Rätsel lautete: "Was geht am Morgen auf vier Füßen, am Mittag auf zwei Füßen und am Abend auf drei Füßen?"
Ödipus löste das Rätsel: Die Antwort ist der Mensch, der als Baby auf allen Vieren krabbelt, als Erwachsener auf zwei Beinen geht und im Alter mit einem Stock als dritte Stütze geht. Die Sphinx, besiegt und voller Zorn, stürzte sich von einem Felsen in den Tod.
Die Thebaner, dankbar für die Befreiung von der Sphinx, ernannten Ödipus zu ihrem König und gaben ihm die Witwe des verstorbenen Königs Laios, Iokaste, zur Frau. Ödipus heiratete sie und zeugte mit ihr vier Kinder: Eteokles, Polyneikes, Antigone und Ismene. Damit erfüllte sich auch der zweite Teil der Prophezeiung.
Jahre später suchte eine Pest Theben heim. Das Orakel von Delphi verkündete, dass die Pest erst enden würde, wenn der Mörder des Königs Laios gefunden und bestraft würde. Ödipus, fest entschlossen, die Stadt zu retten, begann mit den Nachforschungen. Im Laufe der Ermittlungen enthüllte der Seher Teiresias die schreckliche Wahrheit: Ödipus selbst war der Mörder seines Vaters und der Ehemann seiner Mutter.
Iokaste erhängte sich, als sie die Wahrheit erkannte. Ödipus, von Entsetzen überwältigt, blendete sich mit den Gewandnadeln seiner Frau. Er dankte ab und verließ Theben im Exil. Die Geschichte von Ödipus ist eine der berühmtesten Tragödien der griechischen Literatur und thematisiert die Macht des Schicksals, die Grenzen menschlichen Wissens und die schrecklichen Folgen von Hybris (Übermut).
Eteokles und Polyneikes: Der Bruderkrieg
Nach dem Sturz von Ödipus sollten seine Söhne Eteokles und Polyneikes abwechselnd über Theben herrschen. Eteokles, der zuerst an der Macht war, weigerte sich jedoch, nach einem Jahr die Herrschaft an Polyneikes abzugeben. Polyneikes floh und sammelte eine Armee, um Theben zurückzuerobern.
Dies führte zum Krieg der Sieben gegen Theben, in dem Polyneikes mit sechs anderen Helden gegen die Stadt zog. In der entscheidenden Schlacht trafen Eteokles und Polyneikes im Zweikampf aufeinander und töteten sich gegenseitig. Damit endete die Linie des Ödipus auf tragische Weise.
Antigone: Die Verteidigerin der Moral
Nach dem Tod von Eteokles und Polyneikes übernahm Kreon, der Bruder von Iokaste, die Herrschaft über Theben. Er erließ ein Gesetz, das es verbot, Polyneikes zu bestatten, da er als Verräter gegen seine Heimatstadt gestorben war. Antigone, die Schwester von Eteokles und Polyneikes, widersetzte sich diesem Befehl, da sie der Überzeugung war, dass die göttlichen Gesetze über den menschlichen Gesetzen stehen. Sie bestattete ihren Bruder heimlich.
Kreon ließ Antigone für ihre Tat lebendig in einer Höhle einmauern. Der Seher Teiresias warnte Kreon, dass er die Götter erzürnt habe und dass er für seine Grausamkeit büßen würde. Kreon lenkte schließlich ein und wollte Antigone befreien, doch er fand sie erhängt vor. Sein Sohn Haimon, der mit Antigone verlobt war, tötete sich aus Verzweiflung. Als Kreons Frau Eurydike von dem Tod ihres Sohnes hörte, beging auch sie Selbstmord.
Die Geschichte von Antigone ist ein weiteres Beispiel für die tragischen Konsequenzen von Starrsinn und das Aufeinandertreffen von menschlichen und göttlichen Gesetzen. Sie ist eine der bedeutendsten Figuren der griechischen Tragödie und steht für moralische Integrität und den Widerstand gegen ungerechte Herrschaft.
Bedeutung und Relevanz
Die Sage um die Könige von Theben ist nicht nur eine Sammlung von alten Geschichten, sondern sie wirft auch zeitlose Fragen nach Schicksal, Schuld, Gerechtigkeit und der Natur des Menschen auf. Sie inspiriert Dichter, Dramatiker und Denker seit Jahrhunderten. Für Neuankömmlinge in Deutschland bietet die Kenntnis dieser Sage einen tieferen Einblick in die europäische Kulturgeschichte und hilft, die Wurzeln vieler literarischer und künstlerischer Werke zu verstehen.
Die Tragödien des Sophokles (Ödipus König, Ödipus auf Kolonos, Antigone) sind die bekanntesten Bearbeitungen dieser Geschichten, aber sie haben auch viele andere Künstler inspiriert, darunter Euripides, Aischylos und in der Neuzeit Jean Cocteau und Igor Strawinsky.
Die moralischen Dilemmata, die in diesen Sagen dargestellt werden, sind auch heute noch relevant. Die Frage, ob man sich ungerechten Gesetzen widersetzen soll, die Spannung zwischen persönlicher Loyalität und staatlicher Ordnung, und die Folgen von Hybris sind Themen, die auch in der modernen Welt von Bedeutung sind.
Indem man sich mit den Geschichten der Könige von Theben auseinandersetzt, kann man ein besseres Verständnis für die menschliche Natur und die komplexen moralischen Fragen gewinnen, die uns alle betreffen. Es ist eine Reise in die Tiefen der menschlichen Seele und eine Auseinandersetzung mit den großen Fragen des Lebens.
