Konjunktiv 1 Und 2 Deutsch
Hallo liebe Reisende und Sprachinteressierte! Ihr plant einen Trip nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz? Oder vielleicht sogar einen längeren Aufenthalt? Dann ist es super, dass ihr euch mit der deutschen Sprache beschäftigt! Ein Thema, das vielen Lernenden Kopfzerbrechen bereitet, ist der Konjunktiv. Keine Sorge, mit dieser kleinen Anleitung werdet ihr ihn besser verstehen und vielleicht sogar lieben lernen! Wir konzentrieren uns hier auf den Konjunktiv I und den Konjunktiv II, die für euch als Besucher am relevantesten sind.
Was ist der Konjunktiv überhaupt?
Der Konjunktiv ist ein Modus des Verbs, der verwendet wird, um Möglichkeiten, Wünsche, Vermutungen, indirekte Rede und höfliche Bitten auszudrücken. Im Deutschen gibt es zwei Hauptformen: Konjunktiv I und Konjunktiv II. Beide haben ihre eigenen Anwendungsbereiche und Feinheiten.
Der Konjunktiv I: Die Indirekte Rede
Wofür wird er verwendet?
Der Konjunktiv I wird hauptsächlich für die indirekte Rede verwendet. Stellt euch vor, ihr erzählt einem Freund, was ihr in den Nachrichten gehört habt. Anstatt die Worte des Nachrichtensprechers direkt zu zitieren, könnt ihr sie in indirekter Rede wiedergeben. Das klingt dann etwas förmlicher und distanzierter.
Wie wird er gebildet?
Die Bildung des Konjunktivs I ist relativ einfach, wenn man die Stammformen des Verbs kennt. Er wird hauptsächlich vom Präsensstamm des Verbs abgeleitet:
- Ich gehe (Präsens) -> Ich gehe (Konjunktiv I)
- Ich habe (Präsens) -> Ich habe (Konjunktiv I)
- Ich bin (Präsens) -> Ich sei (Konjunktiv I)
Ihr seht, bei vielen Verben ist die Form des Konjunktivs I im Präsens identisch mit der des Indikativs (Normalform). Um Verwechslungen zu vermeiden, greift man in solchen Fällen oft auf die Umschreibung mit "würde" + Infinitiv zurück (ähnlich wie beim Konjunktiv II, dazu später mehr).
Beispiele:
Der Politiker sagt: "Ich werde die Steuern senken." (Direkte Rede)
-> Der Politiker sagt, er werde die Steuern senken. (Indirekte Rede - Konjunktiv I)
Die Zeitung schreibt: "Die Inflation ist gestiegen." (Direkte Rede)
-> Die Zeitung schreibt, die Inflation sei gestiegen. (Indirekte Rede - Konjunktiv I)
Besonders wichtig ist der Konjunktiv I bei den Verben sein, haben, werden und den Modalverben (können, müssen, sollen, dürfen, wollen, mögen), da ihre Konjunktiv-I-Formen häufig verwendet werden.
Besondere Formen von "sein" und "haben" im Konjunktiv I:
- Ich sei
- Du seiest
- Er/Sie/Es sei
- Wir seien
- Ihr seiet
- Sie/Sie seien
- Ich habe
- Du habest (veraltet, wird kaum noch verwendet)
- Er/Sie/Es habe
- Wir haben
- Ihr habet (veraltet, wird kaum noch verwendet)
- Sie/Sie haben
Keine Panik, wenn ihr nicht alle Formen sofort parat habt! In der gesprochenen Sprache wird der Konjunktiv I oft durch den Konjunktiv II oder die "würde"-Umschreibung ersetzt. Für das Verständnis von Texten ist es aber hilfreich, ihn zu kennen.
Der Konjunktiv II: Wünsche, Möglichkeiten und Höflichkeit
Wofür wird er verwendet?
Der Konjunktiv II ist vielseitiger als der Konjunktiv I und wird in verschiedenen Situationen eingesetzt:
- Wünsche: "Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit!"
- Irreale Bedingungen (Konditionalsätze): "Wenn ich Zeit hätte, würde ich ins Museum gehen."
- Höfliche Bitten: "Könnten Sie mir bitte helfen?"
- Vorschläge: "Wir könnten ins Kino gehen."
- Vermutungen: "Das könnte eine Lösung sein."
Der Konjunktiv II macht eure Sprache höflicher und nuancierter. Er ermöglicht es euch, Wünsche und Vorstellungen auszudrücken, die nicht der Realität entsprechen.
Wie wird er gebildet?
Der Konjunktiv II wird vom Präteritumstamm des Verbs abgeleitet. Bei schwachen Verben (regelmäßigen Verben) wird einfach ein "-e" an den Präteritumstamm angehängt:
- Ich sagte (Präteritum) -> Ich sagte (Konjunktiv II)
- Ich machte (Präteritum) -> Ich machte (Konjunktiv II)
Da diese Formen oft identisch mit dem Präteritum sind, verwendet man hier fast immer die "würde"-Umschreibung, um Klarheit zu schaffen: Ich würde sagen, ich würde machen.
Bei starken Verben (unregelmäßigen Verben) wird der Präteritumstamm umgelautet (a -> ä, o -> ö, u -> ü) und ein "-e" angehängt:
- Ich war (Präteritum) -> Ich wäre (Konjunktiv II)
- Ich kam (Präteritum) -> Ich käme (Konjunktiv II)
- Ich ging (Präteritum) -> Ich ginge (Konjunktiv II)
Die Formen der starken Verben sind wichtiger zu kennen, da sie häufig verwendet werden. Aber auch hier gilt: Im Zweifelsfall die "würde"-Umschreibung!
Die "würde"-Umschreibung: Der einfache Weg zum Konjunktiv II
Die Umschreibung mit "würde" + Infinitiv ist eine einfache und sichere Methode, den Konjunktiv II zu bilden. Sie funktioniert für fast alle Verben und ist besonders nützlich, wenn ihr euch unsicher seid, wie die korrekte Konjunktiv-II-Form lautet.
Beispiele:
Wenn ich mehr Geld hätte, würde ich eine Reise machen.
Würden Sie mir bitte das Salz reichen?
Ich würde gern ein Eis essen.
Besondere Formen von "sein", "haben" und den Modalverben im Konjunktiv II:
Diese Formen solltet ihr euch unbedingt merken, da sie sehr häufig verwendet werden:
- Ich wäre
- Du wärest
- Er/Sie/Es wäre
- Wir wären
- Ihr wäret
- Sie/Sie wären
- Ich hätte
- Du hättest
- Er/Sie/Es hätte
- Wir hätten
- Ihr hättet
- Sie/Sie hätten
Auch die Modalverben haben wichtige Konjunktiv-II-Formen:
- können -> könnte
- müssen -> müsste
- sollen -> sollte
- dürfen -> dürfte
- wollen -> wollte
- mögen -> möchte (wird fast ausschließlich im Konjunktiv II verwendet!)
"Möchte" ist ein besonders wichtiger Ausdruck, um Wünsche und höfliche Bitten zu formulieren: "Ich möchte ein Bier bestellen.", "Ich möchte gern wissen, wann der Zug abfährt."
Konjunktiv in der Vergangenheit
Sowohl Konjunktiv I als auch Konjunktiv II können in der Vergangenheit gebildet werden. Das geschieht mit den Hilfsverben sein und haben im Konjunktiv (I oder II) + Partizip II des Vollverbs.
Beispiel Konjunktiv I Perfekt (indirekte Rede in der Vergangenheit):
Er sagte, er sei nach Berlin gefahren. (Er sagte: "Ich bin nach Berlin gefahren.")
Beispiel Konjunktiv II Perfekt (irreale Vergangenheit):
Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht gekommen.
Zusammenfassung und Tipps für Reisende
Der Konjunktiv ist ein komplexes Thema, aber lasst euch nicht entmutigen! Hier sind ein paar Tipps, die euch bei eurem Aufenthalt in deutschsprachigen Ländern helfen:
- Konzentriert euch auf den Konjunktiv II: Er ist vielseitiger und wird häufiger verwendet als der Konjunktiv I.
- Lernt die "würde"-Umschreibung: Sie ist euer bester Freund, wenn ihr euch unsicher seid.
- Merkt euch die Konjunktiv-II-Formen von "sein", "haben" und den Modalverben: Sie sind essenziell für höfliche Kommunikation.
- Achtet auf die Sprache in den Medien: Hier findet ihr viele Beispiele für den Konjunktiv I in der indirekten Rede.
- Habt keine Angst, Fehler zu machen! Die meisten Deutschen verstehen euch auch ohne perfekten Konjunktiv.
- Nutzt den Konjunktiv II, um höflicher zu sein: "Könnten Sie mir helfen?" klingt freundlicher als "Kannst du mir helfen?".
Mit ein bisschen Übung werdet ihr den Konjunktiv bald verstehen und sogar selbst anwenden können. Viel Erfolg beim Deutschlernen und eine wunderschöne Reise!
