Kröte Im Garten Gefunden Was Tun
Die Begegnung mit einer Kröte im eigenen Garten ist oft ein Moment der Überraschung. Diese unscheinbaren Amphibien, Meister der Tarnung und stille Beobachter, leben oft unbemerkt in unserer unmittelbaren Nähe. Doch was tun, wenn man eine Kröte entdeckt? Soll man eingreifen, sie umsiedeln oder einfach nur beobachten? Die Antwort ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab, die es zu berücksichtigen gilt, um dem Tier und dem Ökosystem, in dem es lebt, gerecht zu werden.
Die Kröte im Garten: Ein Zeichen für Biodiversität
Zunächst einmal ist die Anwesenheit einer Kröte im Garten ein positives Signal. Sie deutet auf ein intaktes, wenn auch vielleicht kleines, Ökosystem hin. Kröten sind Bioindikatoren, das heißt, ihr Vorkommen lässt Rückschlüsse auf die Umweltqualität zu. Sie reagieren empfindlich auf Veränderungen in ihrem Lebensraum, wie etwa Pestizideinsatz oder den Verlust von Feuchtgebieten. Ein Garten, der Kröten beherbergt, ist also wahrscheinlich ein gesunder Garten.
Kröten sind zudem wertvolle Helfer im Garten. Sie ernähren sich von Insekten, Schnecken und anderen Schädlingen, die Pflanzen schädigen können. Sie agieren als natürliche Schädlingsbekämpfer und tragen so zur Gesunderhaltung des Gartens bei. Eine Kröte im Garten zu haben, bedeutet also auch, auf chemische Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten zu können, was wiederum der gesamten Biodiversität zugutekommt.
Bevor man überhaupt darüber nachdenkt, eine Kröte zu entfernen, sollte man sich also fragen, ob es nicht viel sinnvoller ist, ihren Lebensraum zu schützen und zu verbessern. Dies kann durch einfache Maßnahmen geschehen, wie etwa das Anlegen eines kleinen Teiches, das Schaffen von Versteckmöglichkeiten unter Steinen oder Totholz und der Verzicht auf Pestizide.
Identifizierung der Krötenart
Nicht jede Kröte ist gleich. In Deutschland gibt es verschiedene Krötenarten, die sich in ihren Lebensraumansprüchen und ihrem Verhalten unterscheiden. Zu den häufigsten Arten zählen die Erdkröte (Bufo bufo), die Wechselkröte (Bufotes viridis) und die Kreuzkröte (Epidalea calamita). Die Erdkröte ist die am weitesten verbreitete Art und bevorzugt feuchte Lebensräume wie Wälder, Gärten und Parks. Die Wechselkröte hingegen ist an trockenere Lebensräume angepasst und kommt häufig in sandigen Gebieten vor. Die Kreuzkröte ist ebenfalls anspruchslos und besiedelt sogar Ruderalflächen und Industriebrachen.
Die Kenntnis der Krötenart ist wichtig, um ihr Verhalten besser zu verstehen und gegebenenfalls die richtigen Schutzmaßnahmen ergreifen zu können. Informationen zur Bestimmung der verschiedenen Arten finden sich in Naturbüchern, auf den Webseiten von Naturschutzorganisationen oder durch die Beratung von Experten.
Umsiedlung: Nur im Notfall!
Die Umsiedlung einer Kröte sollte nur in Ausnahmefällen in Betracht gezogen werden. Kröten sind standorttreue Tiere, das heißt, sie kehren immer wieder an ihren Geburtsort zurück, um sich zu paaren. Eine Umsiedlung kann daher dazu führen, dass die Kröte versucht, zu ihrem alten Lebensraum zurückzukehren, was mit großen Gefahren verbunden ist, insbesondere wenn sie Straßen überqueren muss. Außerdem kann es schwierig sein, einen geeigneten neuen Lebensraum zu finden, der den Bedürfnissen der Kröte entspricht.
Gründe für eine Umsiedlung können sein, wenn die Kröte sich in akuter Gefahr befindet, beispielsweise auf einer Baustelle oder in einem Bereich, der intensiv mit Pestiziden behandelt wird. In solchen Fällen sollte man die Kröte vorsichtig einfangen und an einen sicheren Ort in der Nähe umsiedeln. Wichtig ist, dass der neue Lebensraum ähnliche Bedingungen bietet wie der alte.
Vor einer Umsiedlung sollte man sich immer fachkundigen Rat einholen. Naturschutzorganisationen oder Amphibienschutzgruppen können bei der Beurteilung der Situation helfen und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen empfehlen.
Schutzmaßnahmen im Garten
Die beste Maßnahme, um Kröten im Garten zu schützen, ist die Verbesserung ihres Lebensraums. Dies kann durch folgende Maßnahmen erreicht werden:
- Anlegen eines Teiches: Ein Teich bietet Kröten einen wichtigen Laichplatz und dient als Lebensraum für ihre Larven, die Kaulquappen.
- Schaffen von Versteckmöglichkeiten: Steinhaufen, Totholz, Laub und dichte Bepflanzung bieten Kröten Schutz vor Fressfeinden und ermöglichen ihnen, sich zu verstecken.
- Verzicht auf Pestizide: Pestizide schädigen nicht nur Kröten direkt, sondern reduzieren auch ihre Nahrungsgrundlage.
- Schutz vor Fressfeinden: Katzen und Hunde können Kröten gefährlich werden. Es empfiehlt sich, die Tiere während der Laichzeit und der Wanderungszeiten im Auge zu behalten.
- Vermeidung von Mährobotern: Mähroboter können Kröten schwer verletzen oder töten. Es ist ratsam, den Einsatz von Mährobotern zu vermeiden oder zumindest darauf zu achten, dass sie keine Kröten gefährden.
Kröten und Kinder: Eine Chance zur Umweltbildung
Die Begegnung mit einer Kröte im Garten bietet eine wunderbare Gelegenheit, Kindern die Natur näherzubringen und ihr Interesse an der Umwelt zu wecken. Kinder können lernen, Kröten zu beobachten, sie zu respektieren und ihren Lebensraum zu schützen. Es ist wichtig, ihnen zu vermitteln, dass Kröten keine ekligen Tiere sind, sondern wertvolle Bestandteile unseres Ökosystems.
Gemeinsam können Kinder und Erwachsene den Garten krötenfreundlicher gestalten, beispielsweise durch das Anlegen eines kleinen Teiches oder das Bauen eines Verstecks. Dies fördert nicht nur den Schutz der Kröten, sondern auch das Verantwortungsbewusstsein und die Kreativität der Kinder.
Rechtliche Aspekte
Alle heimischen Amphibienarten, einschließlich der Kröten, sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Das bedeutet, dass es verboten ist, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Ausnahmen von diesem Verbot sind nur in bestimmten Fällen und mit Genehmigung der zuständigen Behörden möglich. Auch das Stören der Tiere in ihren Fortpflanzungs- und Ruhestätten ist untersagt.
Es ist wichtig, sich über die geltenden Schutzbestimmungen zu informieren und diese einzuhalten. Wer sich nicht daran hält, riskiert Bußgelder.
Fazit
Die Begegnung mit einer Kröte im Garten ist eine Bereicherung. Sie ist ein Zeichen für Biodiversität und bietet die Möglichkeit, die Natur aus nächster Nähe zu erleben. Anstatt die Kröte zu vertreiben, sollte man ihren Lebensraum schützen und verbessern. Dies kommt nicht nur den Kröten zugute, sondern dem gesamten Ökosystem und letztendlich auch uns Menschen. Die Kröte im Garten ist ein stummer Mahner, der uns daran erinnert, dass wir Teil eines großen Ganzen sind und Verantwortung für unsere Umwelt tragen.
"Der Schutz der Amphibien ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt und zur Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen."
Beobachten wir die Kröten, lernen wir von ihnen und lassen wir sie in Frieden ihren wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Umwelt leisten.
