Kündigung Wegen Eigenbedarf -- Mieter Findet Keine Wohnung
Hallo ihr Lieben, eure reiselustige Freundin Anja meldet sich hier mal mit einem etwas anderen Thema als sonst. Keine Sorge, ich habe keine neue Fernreise gebucht (noch nicht!), aber ich möchte euch heute von einer Erfahrung berichten, die mir ziemlich nahegegangen ist und die vielleicht für einige von euch relevant sein könnte, besonders wenn ihr länger in Deutschland unterwegs seid und euch vielleicht sogar eine kleine Wohnung gemietet habt.
Es geht um das Thema Eigenbedarfskündigung. Ein Wort, das mir bis vor kurzem nur vage bekannt war, das aber plötzlich mein Leben ganz schön auf den Kopf gestellt hat. Stellt euch vor, ihr habt euch in einer charmanten Altbauwohnung in Berlin-Kreuzberg eingerichtet, fühlt euch pudelwohl, habt eure Lieblingscafés entdeckt, kennt den Gemüsehändler um die Ecke beim Namen und dann flattert plötzlich ein Brief ins Haus: Kündigung wegen Eigenbedarf.
BÄM! Wie ein Schlag ins Gesicht.
Die Nachricht, die alles veränderte
Ich hatte mir diese kleine Wohnung vor zwei Jahren gemietet. Sie war perfekt für mich – klein, aber fein, mit einem winzigen Balkon, auf dem ich meinen Morgenkaffee in der Sonne genießen konnte. Der Vermieter war ein älterer Herr, immer freundlich und hilfsbereit. Wir hatten ein gutes Verhältnis. Umso schockierender war es, als sein Brief kam. Er erklärte, dass seine Enkelin, die in einer anderen Stadt studiert, nach Berlin ziehen möchte und die Wohnung dringend benötigt. Eigenbedarf eben.
Ich war erstmal wie vor den Kopf gestoßen. Eigenbedarf? Wirklich? Ich hatte mich doch gerade erst eingelebt! Alle meine kleinen Schätze, die ich von meinen Reisen mitgebracht hatte, hatten endlich ihren Platz gefunden. Die Vorstellung, alles wieder in Kisten zu packen und auf Wohnungssuche zu gehen, war einfach nur ätzend. Besonders in Berlin, wo der Wohnungsmarkt bekanntlich alles andere als entspannt ist.
Natürlich habe ich mich erstmal informiert. Was bedeutet Eigenbedarf eigentlich? Welche Rechte habe ich als Mieter? Wie viel Zeit habe ich? Das deutsche Mietrecht ist ja bekanntlich ein Dschungel, und ich war froh, dass ich ein paar Freunde habe, die sich damit auskennen und mir helfen konnten.
Was ist Eigenbedarf eigentlich?
Ganz kurz erklärt: Eigenbedarf bedeutet, dass der Vermieter die Wohnung für sich selbst, seine Familienangehörigen oder Angehörige seines Haushalts benötigt. Das Gesetz erlaubt ihm in diesem Fall, den Mietvertrag zu kündigen. Allerdings muss der Eigenbedarf begründet sein. Das heißt, der Vermieter muss plausibel darlegen, warum er die Wohnung benötigt. Und er muss die Kündigungsfristen einhalten, die je nach Mietdauer variieren.
In meinem Fall war die Begründung des Vermieters nachvollziehbar. Seine Enkelin brauchte tatsächlich eine Wohnung in Berlin, um ihr Studium fortzusetzen. Ich hatte also wenig Chancen, die Kündigung abzuwenden.
Die Suche nach einem neuen Zuhause
Und dann begann die Odyssee der Wohnungssuche. Ich durchforstete Online-Portale, schaltete Suchanzeigen, fragte Freunde und Bekannte, ob sie etwas wüssten. Die Konkurrenz war enorm. Auf jede Besichtigung kamen gefühlt hundert andere Interessenten. Man wurde herumgeschoben, musste sich mit ellenlangen Bewerbungsunterlagen präsentieren und hoffen, dass man überhaupt in die engere Wahl kam.
Es war frustrierend. Vor allem, weil ich ja wusste, dass meine Zeit begrenzt war. Die Kündigungsfrist lief und der Tag des Auszugs rückte immer näher. Ich fühlte mich zunehmend gestresst und ausgeliefert. Abends saß ich oft stundenlang vor dem Laptop und suchte verzweifelt nach einer bezahlbaren Wohnung, die meinen Bedürfnissen entsprach. Es war wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
Ich kann euch sagen, der Berliner Wohnungsmarkt ist brutal. Kleine, bezahlbare Wohnungen sind rar und heiß begehrt. Viele Vermieter verlangen inzwischen horrende Mieten und verlangen von den Bewerbern Einkommensnachweise, Schufa-Auskünfte und am besten noch eine Bürgschaft von den Eltern. Für Reisende und Touristen, die vielleicht nur ein begrenztes Einkommen haben, ist es fast unmöglich, eine Wohnung zu finden.
Ich habe viele Wohnungen besichtigt, die entweder total überteuert, in einem desolaten Zustand oder einfach nur winzig waren. Ich habe mich manchmal gefragt, wo all die schönen Wohnungen abgeblieben sind, die man in den Immobilienanzeigen sieht. Die Realität sah oft ganz anders aus.
Die Angst vor der Obdachlosigkeit
Je näher der Auszugstermin rückte, desto größer wurde meine Angst, obdachlos zu werden. Ich hatte schon überlegt, meine Sachen bei Freunden einzulagern und vorübergehend in einem Hostel unterzukommen. Aber das war natürlich keine Dauerlösung.
Die Vorstellung, auf der Straße zu stehen, war beängstigend. Ich wusste, dass es in Berlin viele Menschen gibt, denen es genauso geht. Aber es ist etwas anderes, davon zu lesen, als selbst in dieser Situation zu stecken.
Ich habe in dieser Zeit viel über mich selbst gelernt. Ich habe gelernt, geduldig zu sein, nicht aufzugeben und auf meine Intuition zu vertrauen. Ich habe auch gelernt, dass es wichtig ist, sich Hilfe zu suchen, wenn man sie braucht. Ich bin meinen Freunden und meiner Familie unendlich dankbar für ihre Unterstützung.
Tipp für Reisende: Informiert euch gut über den lokalen Wohnungsmarkt, bevor ihr euch für einen längeren Aufenthalt in Deutschland entscheidet. Plant genügend Zeit für die Wohnungssuche ein und seid bereit, Kompromisse einzugehen. Und scheut euch nicht, um Hilfe zu bitten.
Ein Happy End?
Und dann, kurz vor dem Auszugstermin, passierte das Wunder. Eine Freundin erzählte mir von einer kleinen Wohnung in Neukölln, die gerade frei geworden war. Sie war zwar nicht perfekt, aber sie war bezahlbar, hatte einen Balkon und lag in einer netten Gegend. Ich habe sie mir sofort angesehen und mich auf Anhieb wohlgefühlt.
Ich habe dem Vermieter meine Bewerbungsunterlagen geschickt und ein paar Tage später kam die Zusage. Ich konnte es kaum glauben! Ich hatte endlich eine neue Wohnung gefunden.
Der Umzug war zwar stressig, aber ich war überglücklich, endlich ein neues Zuhause zu haben. Ich habe die Wohnung nach und nach eingerichtet und mich wieder eingelebt. Und ich habe gelernt, dass man auch aus schwierigen Situationen gestärkt hervorgehen kann.
Die Erfahrung mit der Eigenbedarfskündigung war zwar schmerzhaft, aber sie hat mir auch gezeigt, wie wichtig es ist, ein Dach über dem Kopf zu haben. Und sie hat mir noch mehr bewusst gemacht, wie privilegiert ich bin, in einer Gesellschaft zu leben, in der es zumindest ein soziales Netz gibt, das einen auffängt, wenn man fällt.
Mein Fazit: Eigenbedarfskündigungen sind ein schwieriges Thema, das viele Mieter betrifft. Wenn ihr in Deutschland unterwegs seid und euch eine Wohnung mieten wollt, solltet ihr euch gut informieren und euch eurer Rechte bewusst sein. Und vergesst nicht: Gebt niemals die Hoffnung auf!
In diesem Sinne, wünsche ich euch allen eine gute Reise und ein schönes Zuhause, wo immer ihr auch seid.
Eure Anja
