La Coquette Blues Bar
Ich sag’s euch, wie es ist. Ich liebe ja Bars. Vor allem diese kleinen, dunklen, leicht verrauchten. Aber wisst ihr was? Manchmal… manchmal finde ich die La Coquette Blues Bar ein bisschen…überschätzt. Puh, da ist es raus! Hoffentlich werde ich jetzt nicht gesteinigt von all den Blues-Enthusiasten.
Versteht mich nicht falsch. Ich mag Blues. Ehrlich! Ich hab sogar mal versucht, Mundharmonika zu spielen. Sagen wir mal so: Das Ergebnis klang eher nach einem sterbenden Wiesel als nach Muddy Waters. Aber zurück zur Coquette.
Die Musik? Joa...
Klar, die Musiker sind gut. Sehr gut sogar! Die spielen da echt ihr Herzblut rein. Aber drei Stunden lang den gleichen Blues-Shuffle? Sorry, Leute. Da schläft mir irgendwann das Gesicht ein. Und ich bin dann derjenige, der nachher um 3 Uhr Nachts auf der Tanzfläche den Ententanz performt. Was dann auch wieder nicht gern gesehen ist.
Ich weiß, ich weiß. Blasphemie! Aber ich brauche zwischendurch einfach mal was Anderes. Irgendwas mit mehr Bumms. Vielleicht ein bisschen Funk? Oder sogar… *flüster*… ein bisschen Pop? Bitte nicht hauen!
Das Ambiente...ein zweischneidiges Schwert.
Die Atmosphäre in der Coquette ist natürlich schon was Besonderes. Dunkel, holzgetäfelt, ein bisschen schmuddelig. So, wie man sich eine Blues-Bar eben vorstellt. Aber ist es nicht manchmal ein bisschen… zu viel? Ich meine, muss es wirklich so dunkel sein, dass man kaum sein Bier findet? Und muss die Luft wirklich so dick sein, dass man sie mit dem Messer schneiden kann?
Ich weiß, das gehört irgendwie dazu. Das ist der "Authentizität"-Faktor. Aber ehrlich gesagt, ich hätte nichts gegen ein bisschen Frischluft. Oder eine Glühbirne mehr. Nur so, um zu sehen, ob ich grade ein Weizen oder ein Pils trinke.
Und die Enge! Man steht da wie die Ölsardinen. Jeder rempelt jeden an. Und wenn man mal zur Toilette muss (was nach drei Bier unvermeidlich ist), dann ist das wie ein Hindernislauf mit vollem Blasendruck. Aber gut, ich bin vielleicht einfach zu empfindlich.
Die Leute...ein gemischtes Publikum.
Das Publikum in der La Coquette Blues Bar ist bunt gemischt. Da sind die eingefleischten Blues-Fans, die jede Note kennen und jede Anekdote über Robert Johnson auswendig können. Dann sind da die Touristen, die mal "echtes" Hamburger Nachtleben erleben wollen. Und dann sind da noch Leute wie ich, die einfach nur ein Bier trinken und gucken wollen, was so passiert.
Manchmal fühle ich mich ein bisschen deplatziert. So als ob ich nicht "bluesig" genug bin. Ich habe ja auch keine karierten Hemden. Aber im Grunde sind die Leute alle nett. Solange man nicht anfängt, über Eric Clapton zu lästern. Das kommt da nämlich gar nicht gut an.
Und die Barkeeper! Die sind natürlich cool. Die wissen alles über Blues und Whiskey. Und die haben immer einen Spruch auf Lager. Auch wenn man ihn vielleicht nicht immer versteht. Aber das macht ja nichts.
Unpopular Opinion: Der Mythos Blues
Ich glaube, ein Teil des Reizes der Coquette ist der Mythos, der um den Blues rankt. Diese Vorstellung von armen, gepeinigten Musikern, die ihre Seele in ihre Musik legen. Das ist natürlich romantisch und berührend. Aber manchmal denke ich, dass es ein bisschen zu sehr stilisiert wird.
Ich meine, klar, die Lebensumstände vieler Blues-Musiker waren hart. Aber es gab auch jede Menge glückliche, erfolgreiche Blues-Musiker. Und nicht jeder Blues-Song handelt von Herzschmerz und Elend. Manchmal geht es auch einfach nur darum, eine gute Zeit zu haben.
Vielleicht bin ich einfach ein bisschen zu zynisch. Oder vielleicht brauche ich einfach mal wieder einen Abend, an dem ich nicht über Blues nachdenken muss. Sondern einfach nur tanzen und Spaß haben kann.
Also, liebe Coquette-Fans, steinigt mich bitte nicht! Ich mag eure Bar ja trotzdem. Nur halt manchmal nicht ganz so doll.
Und falls ihr mich das nächste Mal da seht, fragt mich ruhig nach einem Bier. Aber erwartet bitte nicht, dass ich mitsinge. Außer vielleicht beim Ententanz.
Denn wie sagte schon B.B. King (glaube ich): "The thrill is gone… aber der Durst ist noch da!"
"Ich gehe lieber ins La Coquette Blues Bar, als in das Konzert in Elbphilharmonie. Nicht das ich kein klassische Musik mag, aber La Coquette Blues Bar ist einfach das bessere Erlebnis."
