Leid Tun Groß Oder Klein
Hallo ihr Lieben! Eure reiselustige Freundin ist wieder da, und dieses Mal habe ich eine ganz besondere Geschichte mitgebracht – eine Geschichte, die von einem kleinen, aber feinen Detail handelt, das meine letzte Reise nach Island unvergesslich gemacht hat. Es geht um die Frage: Leid Tun Groß Oder Klein?
Ich weiß, das klingt erstmal komisch. "Leid tun"? Was hat das mit Island zu tun? Glaubt mir, mehr als ihr denkt! Bevor ich loslege, kurz zur Erklärung: "Leid tun" ist Deutsch für "to feel sorry" oder "to regret". Und auf Island, wo die Natur so gewaltig ist, dass man sich klein und demütig fühlt, wo jeder Wanderweg eine neue Herausforderung birgt, und wo das Wetter innerhalb von Minuten von strahlendem Sonnenschein zu peitschendem Regen umschlagen kann, da lernt man, was es bedeutet, wirklich leid zu tun. Nicht im negativen Sinne, sondern im Sinne von: sich bewusst zu sein, dass man selbst Teil eines viel größeren Ganzen ist.
Meine Reise begann in Reykjavik, der pulsierenden Hauptstadt. Ich war aufgeregt wie ein kleines Kind an Weihnachten, bewaffnet mit meiner Kamera, einem Stapel Reiseführer und dem unerschütterlichen Glauben, alles sehen und erleben zu können. Reykjavik ist fantastisch – bunte Häuser, freundliche Menschen, eine vibrierende Kunstszene und natürlich die berühmte Hallgrímskirkja Kirche, die man einfach gesehen haben muss. Aber Reykjavik ist eben auch... eine Stadt. Und ich wollte raus in die Natur. Ich wollte das Island erleben, das ich mir in meinen Träumen ausgemalt hatte: endlose Weiten, tosende Wasserfälle, dampfende Geysire und das magische Nordlicht.
Die Ringstraße und ihre Herausforderungen
Ich hatte mir vorgenommen, die Ringstraße (Þjóðvegur 1) zu befahren, die einmal um die ganze Insel führt. Eine klassische Tour, die aber alles andere als langweilig ist. Ich mietete einen kleinen Geländewagen – eine kluge Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte – und stürzte mich ins Abenteuer. Die ersten Kilometer waren einfach. Die Straße war gut ausgebaut, das Wetter spielte mit und die Landschaft war atemberaubend. Saftig grüne Wiesen, auf denen friedlich Schafe grasten, schneebedeckte Berge in der Ferne und der tiefblaue Ozean, der sich an der Küste brach. Ich hielt ständig an, um Fotos zu machen, überzeugt davon, dass jedes Bild ein Meisterwerk war.
Aber dann, irgendwo zwischen Vik í Mýrdal und Höfn, änderte sich alles. Das Wetter schlug um. Dunkle Wolken zogen auf, der Wind wurde stärker und es begann zu regnen. Nicht einfach nur Regen, sondern isländischer Regen – ein horizontaler Wasserfall, der einem ins Gesicht peitschte und jede Fotosession zu einer Qual machte. Die Straße wurde holpriger, Schlaglöcher taten sich auf und der Geländewagen bekam zu tun. Und genau in diesem Moment, als ich mit zitternden Händen das Lenkrad umklammerte und versuchte, die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten, wurde mir bewusst: Ich hatte mich überschätzt.
"Leid Tun" auf dem Gletscher
Einige Tage später, nach einigen weiteren Wetterkapriolen und unvergesslichen Erlebnissen (die Blaue Lagune bei eisigen Temperaturen, ein atemberaubender Sonnenuntergang über den Westfjorden, die Begegnung mit neugierigen Papageitauchern), stand ich am Fuße des Vatnajökull, Europas größtem Gletscher. Ich hatte eine Gletschertour gebucht, und der Gedanke, auf diesem riesigen Eispanzer zu stehen, jagte mir einen Schauer über den Rücken. Bewaffnet mit Steigeisen und einem Eispickel stapften wir los.
Es war anstrengend. Die Luft war dünn, der Wind pfiff und das Eis war rutschig. Unser Guide erklärte uns die Gefahren des Gletschers: Gletscherspalten, die unter einer dünnen Schneedecke verborgen lagen, plötzliche Wetterumschwünge, die einen in wenigen Minuten die Orientierung verlieren lassen konnten. Und wieder dieses Gefühl: Leid tun. Ich war klein und unbedeutend angesichts dieser gewaltigen Naturgewalt. Jeder Schritt war eine Herausforderung, jede Minute eine Mahnung, demütig zu sein.
Aber es war auch wunderschön. Das Eis schimmerte in allen Blautönen, die ich jemals gesehen hatte, und die Aussicht von oben war atemberaubend. Wir sahen zu, wie die Sonne langsam unterging und den Himmel in ein Farbenmeer aus Orange, Rosa und Lila tauchte. In diesem Moment fühlte ich mich verbunden mit der Natur, mit Island, mit dem Universum. Ich verstand, warum die Isländer so stolz auf ihr Land sind und warum sie so großen Respekt vor der Natur haben.
Die Magie des Nordlichts
Und dann, als ich schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte, es jemals zu sehen, geschah es: Das Nordlicht! Ich war gerade auf dem Weg zurück zu meiner Unterkunft, als plötzlich ein grüner Schimmer am Himmel erschien. Zuerst dachte ich, es wäre nur ein Reflex von einem Scheinwerfer, aber dann wurde das Leuchten intensiver und tanzende Schleier aus Grün, Rosa und Lila erstreckten sich über den gesamten Himmel. Ich hielt an und starrte fassungslos nach oben. Es war so unwirklich, so magisch, so unbeschreiblich schön.
In diesem Moment fühlte ich mich wieder leid – leid, dass ich so klein und unbedeutend bin, dass ich nicht in der Lage bin, dieses Wunder zu beschreiben, dass ich nur ein kleiner Beobachter bin. Aber gleichzeitig fühlte ich mich unglaublich privilegiert, Zeuge dieses Naturspektakels sein zu dürfen. Ich stand da, mitten in der isländischen Nacht, umgeben von Stille und Dunkelheit, und ließ die Magie des Nordlichts auf mich wirken.
Also, was habe ich gelernt in Island? Ich habe gelernt, dass die Natur mächtiger ist als wir, dass wir respektvoll und demütig sein müssen, und dass es in Ordnung ist, sich klein zu fühlen angesichts der Schönheit und Gewalt der Welt. Ich habe gelernt, dass "Leid tun" nicht immer etwas Negatives sein muss, sondern auch ein Zeichen von Respekt, Ehrfurcht und Verbundenheit sein kann.
Und ja, ich würde Island jederzeit wieder besuchen. Nicht nur wegen der atemberaubenden Landschaft, sondern auch wegen des Gefühls, das dieses Land in mir ausgelöst hat. Ein Gefühl der Demut, der Ehrfurcht und der tiefen Verbundenheit mit der Natur. Ein Gefühl, das ich mit keinem Geld der Welt kaufen könnte.
Mein Tipp: Plant eure Reise nach Island sorgfältig, seid auf alle Wetterbedingungen vorbereitet und nehmt euch Zeit, die Natur zu genießen. Lasst euch von der Magie dieses Landes verzaubern und seid bereit, euch klein und demütig zu fühlen. Denn genau das ist es, was Island so besonders macht.
Und denkt daran: Es ist okay, Leid zu tun. Es bedeutet nur, dass ihr die Schönheit und Gewalt der Welt erkannt habt.
Bis zum nächsten Mal, eure reiselustige Freundin!
