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Lernen Am Modell Nach Bandura


Lernen Am Modell Nach Bandura

Das Lernen am Modell, auch bekannt als soziales Lernen oder Beobachtungslernen, ist eine Lerntheorie, die von dem Psychologen Albert Bandura entwickelt wurde. Es beschreibt, wie Menschen neues Verhalten erlernen, indem sie andere beobachten, imitieren und die Konsequenzen ihres Verhaltens beurteilen. Dieses Konzept ist besonders relevant für die Sozialisation, die Entwicklung von Persönlichkeit und die Aneignung von Kompetenzen in verschiedenen Lebensbereichen. Im Wesentlichen besagt die Theorie, dass wir nicht nur durch eigene Erfahrungen lernen, sondern auch durch die Beobachtung anderer. Für Expats und Neuankömmlinge in einem neuen Land bietet das Verständnis dieser Theorie wertvolle Einblicke in die Anpassungsprozesse und die Integration in eine neue Kultur.

Die vier Prozesse des Modelllernens

Bandura identifizierte vier wesentliche Prozesse, die für das Lernen am Modell notwendig sind:

1. Aufmerksamkeit (Attention)

Zunächst muss der Lernende dem Modell Aufmerksamkeit schenken. Das bedeutet, dass das Modell und sein Verhalten wahrgenommen werden müssen. Verschiedene Faktoren beeinflussen, ob ein Modell unsere Aufmerksamkeit erregt. Dazu gehören:

  • Attraktivität des Modells: Menschen neigen dazu, attraktivere, beliebtere oder mächtigere Personen eher zu beobachten. Gerade in einer neuen Kultur können Personen mit hohem Status oder jene, die sich erfolgreich integriert haben, als attraktive Modelle dienen.
  • Ähnlichkeit zum Beobachter: Wir tendieren dazu, Menschen zu beobachten, die uns ähnlich sind – sei es in Bezug auf Alter, Geschlecht, Herkunft oder Interessen. Ein Expat, der andere Expats mit ähnlichen Erfahrungen beobachtet, kann sich leichter mit ihnen identifizieren und von ihnen lernen.
  • Sichtbarkeit und Klarheit des Verhaltens: Das Verhalten des Modells muss klar und deutlich erkennbar sein. Unklares oder verstecktes Verhalten wird seltener imitiert.

Die Aufmerksamkeit ist also der erste und entscheidende Schritt. Ohne Aufmerksamkeit kann kein Lernen stattfinden.

2. Behalten (Retention)

Nachdem das Verhalten des Modells beobachtet wurde, muss es im Gedächtnis behalten werden. Dies geschieht durch mentale Repräsentationen, die in zwei Formen gespeichert werden können:

  • Visuelle Bilder: Wir speichern das beobachtete Verhalten als visuelles Bild im Gedächtnis. Beispielsweise erinnert man sich an die Art und Weise, wie jemand sich in einer bestimmten Situation verhält.
  • Verbale Codierung: Wir beschreiben das Verhalten des Modells innerlich mit Worten und speichern diese verbale Beschreibung. So können wir uns beispielsweise merken: "Er hat die Person freundlich angelächelt und dann seine Frage gestellt."

Um das Verhalten langfristig zu behalten, ist es hilfreich, es aktiv zu üben und wiederholt abzurufen. Dies kann durch mentales Üben (sich das Verhalten immer wieder vorstellen) oder durch tatsächliches Üben in der Realität geschehen. In Bezug auf die Integration in eine neue Kultur könnte dies bedeuten, sich die richtige Begrüßungsformel zu merken und sie dann in verschiedenen Situationen anzuwenden.

3. Reproduktion (Reproduction)

Der dritte Prozess beinhaltet die Reproduktion des beobachteten Verhaltens. Das bedeutet, dass der Lernende in der Lage sein muss, das Verhalten physisch oder mental auszuführen. Hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:

  • Körperliche Fähigkeiten: Man kann nur Verhalten imitieren, für das man die notwendigen körperlichen Fähigkeiten besitzt. Ein Kind kann beispielsweise nicht einfach das Verhalten eines professionellen Sportlers perfekt nachahmen.
  • Verfügbarkeit von Ressourcen: Um ein bestimmtes Verhalten zu reproduzieren, müssen die notwendigen Ressourcen vorhanden sein. Um beispielsweise ein neues Gericht zu kochen, benötigt man die entsprechenden Zutaten und Kochutensilien.
  • Selbstbeobachtung und Anpassung: Während der Reproduktion des Verhaltens ist es wichtig, sich selbst zu beobachten und das eigene Verhalten anzupassen. Manchmal muss man das Verhalten des Modells modifizieren, um es an die eigene Situation oder Persönlichkeit anzupassen.

Die Reproduktion ist ein aktiver Prozess, der Übung und Anstrengung erfordert. Es ist selten, dass ein Verhalten beim ersten Mal perfekt nachgeahmt wird.

4. Motivation (Motivation)

Der letzte und entscheidende Prozess ist die Motivation. Selbst wenn man einem Modell Aufmerksamkeit geschenkt, das Verhalten behalten und reproduzieren kann, wird man es nur dann tatsächlich ausführen, wenn man motiviert dazu ist. Die Motivation wird durch die Konsequenzen des Verhaltens beeinflusst:

  • Direkte Verstärkung: Wenn das Verhalten des Modells zu positiven Konsequenzen führt (z.B. Lob, Anerkennung, Belohnung), ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Beobachter das Verhalten ebenfalls ausführt.
  • Stellvertretende Verstärkung (Vicarious Reinforcement): Wenn der Beobachter sieht, dass das Modell für sein Verhalten belohnt wird, ist er ebenfalls motivierter, dieses Verhalten zu imitieren. Das bedeutet, dass man auch dann lernt und motiviert wird, wenn man selbst keine direkte Erfahrung mit den Konsequenzen des Verhaltens macht.
  • Direkte Bestrafung: Wenn das Verhalten des Modells zu negativen Konsequenzen führt (z.B. Kritik, Ablehnung, Bestrafung), ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass der Beobachter das Verhalten imitiert.
  • Stellvertretende Bestrafung (Vicarious Punishment): Wenn der Beobachter sieht, dass das Modell für sein Verhalten bestraft wird, ist er ebenfalls weniger motiviert, dieses Verhalten zu zeigen.
  • Selbstwirksamkeit (Self-Efficacy): Die Überzeugung, dass man in der Lage ist, ein bestimmtes Verhalten erfolgreich auszuführen. Eine hohe Selbstwirksamkeit führt zu mehr Motivation, das Verhalten zu zeigen.

Die Motivation ist also eng mit den Erwartungen verknüpft, die man bezüglich der Konsequenzen des Verhaltens hat. Wenn man glaubt, dass ein bestimmtes Verhalten zu positiven Ergebnissen führt, ist man eher bereit, es auszuprobieren.

Anwendung des Modelllernens für Expats und Neuankömmlinge

Das Lernen am Modell kann für Expats und Neuankömmlinge in einer neuen Kultur ein wertvolles Werkzeug für die Anpassung und Integration sein. Hier sind einige Beispiele, wie die vier Prozesse angewendet werden können:

  • Aufmerksamkeit: Beobachten Sie aufmerksam, wie sich Einheimische in verschiedenen Situationen verhalten (z.B. beim Einkaufen, im Restaurant, bei der Arbeit). Achten Sie besonders auf Personen, die Ihnen sympathisch und erfolgreich erscheinen und die bereits gut integriert sind.
  • Behalten: Versuchen Sie, sich die beobachteten Verhaltensweisen zu merken, indem Sie sie sich visuell vorstellen oder verbal beschreiben. Machen Sie sich Notizen oder besprechen Sie Ihre Beobachtungen mit anderen.
  • Reproduktion: Üben Sie die beobachteten Verhaltensweisen in sicherer Umgebung, bevor Sie sie in realen Situationen anwenden. Beginnen Sie mit kleinen, überschaubaren Schritten. Seien Sie sich bewusst, dass Fehler passieren können und nutzen Sie diese als Lernchance.
  • Motivation: Achten Sie auf die Konsequenzen des Verhaltens anderer. Was funktioniert gut? Was führt zu positiven Ergebnissen? Was sollte man vermeiden? Konzentrieren Sie sich auf positive Verstärkung und versuchen Sie, Ihre Selbstwirksamkeit zu stärken, indem Sie sich realistische Ziele setzen und Erfolge feiern.

Das Lernen am Modell ist ein kontinuierlicher Prozess. Es erfordert Geduld, Beobachtungsgabe und die Bereitschaft, sich an neue Situationen anzupassen. Indem Sie die Prinzipien des Modelllernens bewusst anwenden, können Sie Ihre Integration in eine neue Kultur erleichtern und Ihre persönlichen und beruflichen Ziele erreichen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Lernen am Modell ist ein mächtiges Werkzeug, das uns hilft, von anderen zu lernen und uns an neue Umgebungen anzupassen. Indem wir aufmerksam beobachten, das Verhalten anderer behalten, es reproduzieren und uns durch die Konsequenzen motivieren lassen, können wir unsere Kompetenzen erweitern und uns erfolgreich in neuen Situationen zurechtfinden. Gerade für Expats und Neuankömmlinge bietet das Verständnis und die Anwendung des Modelllernens eine wertvolle Unterstützung bei der Integration in eine neue Kultur und Gesellschaft.

Das Konzept der Selbstwirksamkeit ist hierbei besonders wichtig. Je mehr man daran glaubt, dass man etwas erreichen kann, desto eher wird man es auch tatsächlich tun.

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