Limited Third Person Narrator
Stell dir vor, du bist mit deiner besten Freundin, nennen wir sie Lisa, auf einem total schrägen Flohmarkt. Es ist brüllend heiß, überall drängeln Leute und es riecht nach alten Büchern und Bratwurst. Du kaufst dir eine Sonnenbrille mit Glitzersteinen und findest ein T-Shirt mit einem Einhorn, das Breakdance tanzt. Herrlich! Aber jetzt stell dir vor, du bist der Leser einer Geschichte. Der Erzähler ist wie du auf diesem Flohmarkt – aber er klebt an Lisas Fersen. Er sieht, was Lisa sieht, hört, was Lisa hört, und riecht vielleicht sogar, was Lisa riecht (wenn sie an einem Stand mit komischen Räucherstäbchen vorbeigeht).
Das ist im Grunde der limitierte dritte Person Erzähler. Er ist nicht allwissend wie Gott, der von oben auf alles herunterschaut. Er ist mittendrin, aber eben nur in *Lisas* Kopf. Er weiß nicht, was der komische Typ mit dem Schnauzbart am nächsten Stand denkt, oder was die alte Dame mit dem Papagei auf der Schulter gerade plant. Er kennt nur *Lisas* Gedanken und Gefühle.
Der Clou an der Sache
Der Witz daran ist, dass das super spannend sein kann! Stell dir vor, *Lisa* sieht den komischen Typ mit dem Schnauzbart. Der Erzähler, der ja in *Lisas* Kopf wohnt, beschreibt ihn aus *Lisas* Sicht: "Dieser Typ sah aus, als hätte er sich mit einem Igel gestritten und verloren." Du als Leser lachst, weil du *Lisas* Gedanken kennst. Aber du weißt nicht, was der Schnauzbart-Typ WIRKLICH denkt! Vielleicht ist er ein verkanntes Genie, das gerade über die Relativitätstheorie nachdenkt. Oder vielleicht hat er einfach nur einen schlechten Tag.
Genau das ist das Schöne: Die Spannung entsteht durch das, was wir NICHT wissen. Wir sind genauso im Dunkeln wie Lisa. Und das kann unglaublich fesselnd sein.
Warum das so beliebt ist
Viele Autoren lieben den limitierten dritten Person Erzähler, weil er es ihnen erlaubt, sich ganz nah an eine Figur heranzuwagen. Wir erleben die Welt durch ihre Augen. Wir leiden mit ihr, wir freuen uns mit ihr, wir sind ihr bester Freund (wenn auch ein unsichtbarer!).
Denk an Harry Potter. Die Bücher sind fast ausschließlich aus Harrys Perspektive geschrieben. Wir wissen nur, was Harry weiß. Als Leser bangen wir mit ihm, wenn er sich im Verbotenen Wald verirrt, weil wir genauso ahnungslos sind wie er, was dort lauern könnte. Wir sind genauso erleichtert wie er, wenn er knapp dem Tod entkommt. Wären wir allwissende Erzähler, würden wir vielleicht schon im ersten Kapitel wissen, dass Professor Quirrell Voldemorts Gesicht am Hinterkopf versteckt. Aber so fiebern wir mit Harry mit, weil wir es eben NICHT wissen!
Oder stell dir eine Liebesgeschichte vor. *Lisa* trifft den süßen Typen vom Eisstand. Der Erzähler ist in *Lisas* Kopf: "Er hatte rehbraune Augen und ein Lächeln, das Eis schmelzen ließ." Wir wissen, dass *Lisa* ihn süß findet. Aber was denkt der Eisverkäufer? Findet er *Lisa* auch süß? Oder denkt er nur, dass sie eine schwierige Kundin ist, weil sie zum dritten Mal ihre Eissorte ändert? Die Antwort bleibt offen. Und das ist das, was die Geschichte so prickelnd macht.
"The limited third-person narrator allows the reader to experience the story through the protagonist's eyes, creating a deep connection and sense of empathy." - Ein kluger Mensch (wahrscheinlich)
Wo lauern die Fallen?
Natürlich gibt es auch Gefahren. Der Autor muss höllisch aufpassen, dass er nicht plötzlich in den Kopf einer anderen Figur schlüpft. Das wäre wie auf dem Flohmarkt plötzlich ohne Vorwarnung bei einem fremden Stand zu stehen, ohne zu wissen, wie man dahin gekommen ist! Das verwirrt den Leser nur. Außerdem muss der Autor aufpassen, dass *Lisa* nicht plötzlich Dinge weiß, die sie gar nicht wissen kann. Das wäre, als würde *Lisa* auf dem Flohmarkt plötzlich die Gedanken des Schnauzbart-Typs lesen können. Völlig unglaubwürdig!
Aber wenn der Autor das richtig macht, dann ist der limitierte dritte Person Erzähler ein unglaublich mächtiges Werkzeug. Er kann uns in eine andere Welt entführen, uns mitfiebern lassen und uns sogar zum Lachen bringen. Und das alles, weil wir eben NICHT alles wissen. Sondern nur das, was *Lisa* weiß. Und manchmal ist das gerade genug.
Also, das nächste Mal, wenn du ein Buch liest, achte mal darauf, aus welcher Perspektive die Geschichte erzählt wird. Vielleicht klebt der Erzähler ja auch an den Fersen deiner Lieblingsfigur und flüstert dir ihre geheimsten Gedanken ins Ohr. Und vielleicht entdeckst du dadurch eine ganz neue Seite an der Geschichte, die du vorher noch gar nicht gesehen hast!
