Literarische Erörterung Corpus Delicti
Okay, Hand aufs Herz: Wer hat Corpus Delicti von Juli Zeh wirklich geliebt? Also, so richtig, mit Herzchen in den Augen?
Ich bekenne: Ich fand's... okay. Mehr nicht.
Bevor jetzt die Literaturkritiker-Keulen geschwungen werden: Ich verstehe die Message. Die totale Überwachung, der Verlust der Freiheit, die Kritik an Gesundheitsdiktatur – alles wichtige Themen, ja! Aber irgendwie... hat's mich nicht gepackt.
Klar, die Mia Holl ist eine interessante Figur. Eine Frau, die ihren Bruder liebt und deswegen gegen ein ganzes System kämpft. Respekt! Aber die Art und Weise, wie sie das tut... naja, sagen wir mal, ich kenne Leute, die würden sich im Baumarkt aufregender verhalten.
Die Methodediktatur: Klingt schlimmer, als es ist?
Ich weiß, ich weiß, das soll ja gerade das Beängstigende sein! Diese kalte, effiziente Welt, in der alles rationalisiert und durchgeplant ist. Aber ehrlich gesagt, wirkt das Ganze manchmal eher wie eine etwas überdrehte Version von Deutschland nach dem nächsten Behördenreform-Gipfel. Sorry, not sorry!
Und die Argumente der Gegenseite? Der fanatische Heinrich Kramer? Der aalglatte Justizvollzugsbeamte Rosentreter? Die sind ja alle wunderbar karikaturhaft böse, aber so richtig überzeugt haben sie mich auch nicht. Irgendwie fehlte mir da die Nuance, das Graue in dieser ansonsten so schwarz-weißen Welt.
Ich meine, versteht mich nicht falsch. Ich bin ja auch für Freiheit und gegen totalitäre Systeme. Aber ich finde, es gibt spannendere Wege, diese Botschaft rüberzubringen. Vielleicht mit mehr Humor? Vielleicht mit mehr... Leben?
Lieber dystopische Pizza als dystopischer Salat!
Stellt euch vor: Corpus Delicti, aber als dystopische Comedy! Mia Holl, die heimlich Pizza in ihrem Untergrundlabor backt, während Kramer versucht, sie mit Gesundheitsvorschriften zu erdrücken! Rosentreter, der insgeheim ein Poetry-Slam-Talent ist und seine Unterdrückungsreden in Reime verpackt! Wäre das nicht großartig?
Okay, ich übertreibe. Aber vielleicht ist das mein Problem mit dem Buch. Es nimmt sich so unglaublich ernst! Dabei wäre gerade bei so einem Thema ein bisschen Selbstironie vielleicht ganz heilsam gewesen.
Und die literarische Erörterung? Oh Gott, die Erörterung! Die gefühlt hundert Seiten lange Analyse von Metaphern, Symbolen und versteckten Botschaften? Ja, ich weiß, das gehört dazu. Aber ganz ehrlich: Ich lese lieber ein gutes Buch, als es zu sezieren wie einen Frosch im Bio-Unterricht.
"Die Frage ist nicht, ob die Methode richtig ist, sondern ob sie funktioniert."
Dieser Satz von Kramer ist natürlich genial. Er fasst die ganze Problematik der Effizienz vs. Menschlichkeit perfekt zusammen. Aber trotzdem... irgendwie fühle ich mich beim Lesen von Corpus Delicti, als müsste ich ständig einen Zettel ausfüllen, um meinen Unmut über die Methodediktatur zu äußern. Und das ist ja wohl der Witz an der Sache, oder?
Also, bitte nicht steinigen! Ich weiß, Juli Zeh ist eine tolle Autorin. Und Corpus Delicti ist ein wichtiges Buch. Aber für mich bleibt es eben... okay. Vielleicht lese ich es in zehn Jahren noch mal. Vielleicht finde ich es dann genial. Aber bis dahin bleibe ich bei meiner unpopular opinion: Es gibt spannendere Dystopien da draußen.
Vielleicht lese ich stattdessen einfach noch mal 1984. Oder backe mir eine Pizza. Oder fülle einen Zettel aus. Wer weiß?
