Love You To Death Wahre Geschichte
Die Geschichte von "Love You To Death" ist eine erschütternde, aber leider wahre Geschichte, die sich 2015 in Springfield, Missouri, USA, ereignete. Sie handelt von Gypsy Rose Blanchard und ihrer Mutter, Dee Dee Blanchard, und den jahrelangen Misshandlungen und Lügen, die Gypsy ertragen musste. Diese Geschichte ist bekannt geworden durch Dokumentationen, Spielfilme und Podcasts und hat eine breite öffentliche Diskussion über Munchausen-Stellvertreter-Syndrom (Münchhausen-by-Proxy), Kindesmisshandlung und Selbstjustiz ausgelöst. Für Expatriates und Neuankömmlinge in Deutschland, die mit den Details dieses Falles vielleicht nicht vertraut sind, bietet dieser Artikel einen detaillierten Überblick über die Fakten.
Der Hintergrund: Dee Dee und Gypsy Rose
Dee Dee Blanchard präsentierte ihre Tochter Gypsy Rose als ein schwer krankes Kind, das an einer Vielzahl von Krankheiten litt, darunter Leukämie, Muskeldystrophie, Epilepsie und eine schwere Sehbehinderung. Sie behauptete auch, Gypsy habe das geistige Alter eines siebenjährigen Kindes. Dee Dee erzählte, dass Gypsy aufgrund ihrer angeblichen medizinischen Probleme auf einen Rollstuhl angewiesen sei und künstlich ernährt werden müsse.
Die Realität sah jedoch ganz anders aus. Gypsy Rose war körperlich gesund und geistig völlig normal entwickelt. Dee Dee zwang ihre Tochter, sich krank zu verhalten, Medikamente einzunehmen, die sie nicht brauchte, und sich unnötigen medizinischen Eingriffen zu unterziehen. Sie rasierte Gypsy auch den Kopf, um den Eindruck einer Krebserkrankung zu erwecken. Dee Dee nutzte die angeblichen Krankheiten ihrer Tochter, um Spenden, kostenlose Reisen und andere Wohltaten zu erhalten. Die beiden lebten von Sozialleistungen und Spenden, die ihnen aufgrund von Gypsys angeblichen Krankheiten gewährt wurden.
Munchausen-Stellvertreter-Syndrom (Münchhausen-by-Proxy)
Dee Dees Verhalten deutet stark auf das Vorliegen des Munchausen-Stellvertreter-Syndroms (MSPS) hin, auch bekannt als Factitious Disorder Imposed on Another (FDIA). Dies ist eine psychische Störung, bei der eine Person (in der Regel ein Elternteil oder eine Bezugsperson) absichtlich Krankheiten oder Verletzungen bei einer anderen Person (in der Regel einem Kind) vortäuscht oder verursacht. Das Ziel ist es, Aufmerksamkeit und Mitgefühl zu erlangen. Die Motivation liegt meist nicht im finanziellen Gewinn, sondern im Bedürfnis nach Zuwendung und Anerkennung.
Im Fall von Dee Dee Blanchard vermuten Experten, dass sie an MSPS litt und Gypsy Rose als Werkzeug benutzte, um Aufmerksamkeit und Mitleid zu erlangen. Sie kontrollierte Gypsy vollständig und isolierte sie von der Außenwelt, um ihre Lügen aufrechtzuerhalten.
Der Ausbruch: Eine geheime Beziehung und der Mord
Im Laufe der Jahre wurde Gypsy Rose immer frustrierter über ihre Situation. Sie sehnte sich nach Freiheit und Unabhängigkeit. Im Geheimen begann sie, über eine Dating-Website einen jungen Mann namens Nicholas Godejohn kennenzulernen. Sie entwickelten eine romantische Beziehung und teilten Gypsy Roses Frustration über ihre Mutter.
Gypsy Rose und Nicholas planten schließlich, Dee Dee zu töten, um Gypsys Freiheit zu erlangen. Im Juni 2015 reiste Nicholas Godejohn nach Missouri, wo er Dee Dee Blanchard in ihrem Schlafzimmer erstach, während Gypsy Rose sich in einem anderen Raum aufhielt. Nach dem Mord flohen Gypsy Rose und Nicholas nach Wisconsin, wo sie von der Polizei gefasst wurden.
Die Ermittlungen und die Gerichtsverfahren
Nachdem Dee Dee Blanchards Leiche gefunden wurde, erregte ein besorgniserregender Facebook-Post, der von Dee Dees Konto abgesetzt wurde, die Aufmerksamkeit der Polizei. Der Post deutete auf einen Mord hin und führte zu einer intensiven Suche nach Gypsy Rose. Die Ermittlungen enthüllten die jahrelangen Lügen und Misshandlungen, die Gypsy Rose erlitten hatte.
Gypsy Rose Blanchard plädierte auf Totschlag zweiten Grades und wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht berücksichtigte die extremen Umstände des Falles, insbesondere die jahrelange Misshandlung durch ihre Mutter. Nicholas Godejohn wurde wegen Mordes ersten Grades verurteilt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte fest, dass er die Tat geplant und ausgeführt hatte, obwohl Gypsy Rose die treibende Kraft hinter dem Plan war.
Die Bedeutung und Lehren aus dem Fall
Der Fall Gypsy Rose Blanchard und Dee Dee Blanchard ist komplex und wirft wichtige Fragen auf:
- Kindesmisshandlung: Der Fall verdeutlicht die verheerenden Folgen von Kindesmisshandlung und wie sie ein Leben zerstören kann.
- Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom (Münchhausen-by-Proxy): Der Fall macht auf diese seltene, aber gefährliche psychische Störung aufmerksam und verdeutlicht, wie wichtig es ist, Anzeichen von MSPS zu erkennen und betroffene Kinder zu schützen.
- Selbstjustiz: Der Fall wirft ethische Fragen zur Selbstjustiz auf und inwieweit eine Person für ihre Taten verantwortlich gemacht werden kann, wenn sie Opfer von schwerer Misshandlung war.
- Medizinische Ethik: Der Fall hinterfragt die Rolle von Ärzten und medizinischem Personal, die unwissentlich an Dee Dees Lügen beteiligt waren. Er unterstreicht die Notwendigkeit, medizinische Informationen kritisch zu hinterfragen und Anzeichen von Missbrauch zu erkennen.
Der Fall Gypsy Rose Blanchard hat eine breite öffentliche Debatte angestoßen und das Bewusstsein für Kindesmisshandlung und psychische Störungen geschärft. Es ist eine tragische Geschichte, die zeigt, wie wichtig es ist, Kinder zu schützen und auf ihre Bedürfnisse einzugehen.
Weitere Ressourcen
Für diejenigen, die sich eingehender mit dem Fall Gypsy Rose Blanchard befassen möchten, gibt es zahlreiche Dokumentationen, Spielfilme und Artikel:
- Dokumentationen: Mommy Dead and Dearest (HBO) ist eine umfassende Dokumentation, die den Fall detailliert beleuchtet.
- Spielfilme: The Act (Hulu) ist eine Dramaserie, die auf dem Fall basiert.
- Podcasts: Es gibt verschiedene Podcasts, die sich mit dem Fall auseinandersetzen und alternative Perspektiven bieten.
Zusammenfassung für Expatriates und Neuankömmlinge
Die Geschichte von "Love You To Death" ist ein komplexer und tragischer Fall von Kindesmisshandlung, psychischer Störung und Selbstjustiz. Dee Dee Blanchard täuschte die Krankheiten ihrer Tochter Gypsy Rose jahrelang vor, um Aufmerksamkeit und Mitgefühl zu erlangen. Gypsy Rose, gefangen in dieser toxischen Beziehung, plante schließlich zusammen mit ihrem Freund Nicholas Godejohn den Mord an ihrer Mutter, um ihre Freiheit zu erlangen. Der Fall hat eine breite öffentliche Debatte über Kindesmisshandlung, das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom und ethische Fragen zur Selbstjustiz angestoßen. Für Expatriates und Neuankömmlinge in Deutschland ist es wichtig, sich dieser komplexen Geschichte bewusst zu sein, um die Nuancen von Kindesmisshandlung und psychischer Erkrankung besser zu verstehen. Die Geschichte dient als Mahnung, Kinder zu schützen und auf ihre Bedürfnisse einzugehen und medizinische Informationen stets kritisch zu hinterfragen.
