Man Findet Keine Freunde Mit Salat
Ach, München! Die Stadt des Hofbräuhauses, der Brezn und des süßen Senfs. Ich war so aufgeregt, endlich dieses bayerische Juwel zu erkunden. Ich hatte mir eine Liste erstellt, die länger war als die Schlange vor dem berühmtesten Biergarten. Museen, Kirchen, Parks, natürlich das Oktoberfest – alles wollte ich sehen, schmecken, erleben. Nur eines hatte ich nicht erwartet: die soziale Isolation, die sich langsam einschlich, während ich tapfer versuchte, meine gesunde Ernährung beizubehalten.
Ja, richtig gelesen. Meine Geschichte beginnt mit Salat. Nicht mit einem herrlich angerichteten, bunten Salat, sondern mit der Erkenntnis, dass man in München, der Hauptstadt der Gemütlichkeit, mit einer obsessiven Salatliebe schnell zum Außenseiter wird.
Ich kam mit dem festen Vorsatz, mich nicht von all den Köstlichkeiten ablenken zu lassen. Schließlich hatte ich mir vorgenommen, fit und gesund durch Europa zu reisen. Das bedeutete: viel Gemüse, wenig Kohlenhydrate und so gut wie kein Zucker. Eine Herausforderung, wie sich herausstellte.
Mein erster Abend in München. Ich stolperte über ein schnuckeliges Restaurant in der Nähe meines Hostels. Die Speisekarte war voller verlockender bayerischer Spezialitäten: Schweinshaxe, Knödel, Spätzle in allen Variationen. Mein Blick wanderte suchend umher, bis er auf einen kleinen, unscheinbaren Salat stieß. "Gemischter Salat mit Essig und Öl". Perfekt!
Ich bestellte und wurde von dem Kellner mit einem fragenden Blick bedacht. "Nur der Salat?", fragte er, als wollte er sicherstellen, dass ich keinen Fehler gemacht hatte. "Ja, nur der Salat", antwortete ich selbstbewusst.
Der Salat kam. Er war… okay. Eisbergsalat, ein paar Tomaten, Gurken und eine Dressing, das schmeckte, als wäre es direkt aus der Flasche gekommen. Aber hey, es war Gemüse! Ich aß ihn mit Genuss, während die anderen Gäste um mich herum an ihren dampfenden Schweinshaxen knabberten.
Am nächsten Tag versuchte ich, eine geführte Tour zu finden. Ich hatte online eine entdeckt, die sich "München für Feinschmecker" nannte. Klang vielversprechend! In meinem Kopf malte ich mir aus, wie wir versteckte Gemüsestände auf dem Viktualienmarkt entdecken und die frischesten Zutaten für einen köstlichen, selbstgemachten Salat probieren würden.
Die Realität sah anders aus. Die Tour begann mit einer Verkostung von Weißwurst mit Brezn und süßem Senf. Ich lächelte höflich und lehnte ab. "Ich esse im Moment keinen Schweinefleisch", erklärte ich. Die Gesichter der anderen Teilnehmer erstarrten. Ich spürte die Blicke auf mir ruhen, während sie genüsslich in ihre Würste bissen.
Weiter ging es zu einem traditionellen bayerischen Restaurant, wo uns eine Auswahl an deftigen Gerichten präsentiert wurde. Knödel mit Soße, Schweinebraten, Kasspatzn. Ich versuchte, den Salat auf der Speisekarte zu finden, aber er war nirgends zu sehen. Verzweifelt fragte ich den Kellner. Er zuckte mit den Schultern. "Salat? Hier? Wir sind doch in Bayern!"
Die nächsten Tage verliefen ähnlich. Ich besuchte Biergärten, Museen und Parks. Überall versuchte ich, Anschluss zu finden, Gespräche anzufangen. Aber jedes Mal, wenn ich meine Ernährungsgewohnheiten erwähnte, erntete ich ungläubige Blicke und irritiertes Schweigen. Es war, als hätte ich einen geheimen Code gebrochen, eine ungeschriebene Regel der bayerischen Gastfreundschaft.
Man findet keine Freunde mit Salat in München! Das war die bittere Erkenntnis, die sich langsam in mir festsetzte.
Die Suche nach dem Grünen Glück
Ich begann, mich wie ein Alien zu fühlen. Umgeben von freundlichen Menschen, die alle das gleiche genossen – deftiges Essen, Bier und Gemütlichkeit – fühlte ich mich isoliert und unverstanden. Ich sehnte mich nach einem einfachen Salat, nach einem Gespräch ohne Wertung, nach einer Freundschaft, die nicht von kulinarischen Vorlieben abhing.
Ich beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ich googelte "Salat in München" und war überrascht, wie viele Optionen es tatsächlich gab. Vegane Restaurants, Bio-Cafés, sogar einige traditionelle Restaurants, die mittlerweile Salate anboten – die grüne Revolution hatte auch München erreicht!
Ich entdeckte ein kleines Café in der Nähe des Englischen Gartens, das sich auf gesunde Bowls und Salate spezialisiert hatte. Es war ein Paradies! Quinoa, Avocado, Grünkohl, Sprossen – alles, was mein Herz begehrte. Ich bestellte mir eine riesige Bowl und setzte mich an einen Tisch im Freien.
Und dann passierte es. Eine junge Frau mit leuchtend roten Haaren setzte sich an den Tisch neben mich. Sie hatte auch eine Bowl vor sich stehen und lächelte mich an. "Sieht gut aus!", sagte sie.
Wir kamen ins Gespräch. Sie erzählte mir, dass sie aus Berlin kam und in München studierte. Sie war Vegetarierin und hatte ähnliche Schwierigkeiten gehabt, Anschluss zu finden. Wir lachten über unsere Salat-Obsessionen und tauschten Tipps für gesunde Restaurants in der Stadt aus.
Endlich! Ich hatte jemanden gefunden, der mich verstand!
Lessons Learned und Empfehlungen
Meine Reise durch München war eine Achterbahn der Gefühle. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, Kompromisse einzugehen, aber auch, sich selbst treu zu bleiben. Ich habe gelernt, dass Gemütlichkeit nicht nur Schweinshaxe und Bier bedeutet, sondern auch Offenheit und Toleranz. Und ich habe gelernt, dass man auch in München Freunde finden kann, wenn man bereit ist, ein bisschen zu suchen.
Hier sind ein paar Tipps für alle, die in München gesund essen und trotzdem Anschluss finden möchten:
- Seid offen für Neues: Probiert auch mal bayerische Spezialitäten, aber lasst euch nicht von euren gesunden Gewohnheiten abbringen. Es gibt immer eine gesündere Alternative.
- Sucht gezielt nach Restaurants mit gesunden Optionen: Vegane Cafés, Bio-Restaurants und Bowls-Läden sind eine gute Anlaufstelle.
- Verbindet euch mit Gleichgesinnten: Es gibt viele Gruppen und Communities für Menschen, die sich gesund ernähren. Nutzt das Internet, um sie zu finden.
- Seid selbstbewusst: Steht zu euren Ernährungsgewohnheiten und lasst euch nicht von anderen beeinflussen.
- Vergesst nicht den Viktualienmarkt: Hier findet ihr frisches Obst und Gemüse in Hülle und Fülle. Perfekt für einen selbstgemachten Salat!
Und vor allem: Habt Spaß! München ist eine wunderschöne Stadt mit so viel zu bieten. Lasst euch nicht von der Angst vor sozialer Isolation davon abhalten, sie zu erkunden.
Also, liebe Reisende, packt eure Koffer, schnappt euch euren Salat und macht euch auf den Weg nach München! Auch wenn es manchmal etwas länger dauert, werdet ihr hier mit Sicherheit unvergessliche Erlebnisse und neue Freunde finden. Versprochen! Und vielleicht findet ihr ja sogar einen bayerischen Salat, der euch schmeckt. Wer weiß!
