Maschen Zunehmen Am Rand Ohne Loch
Hallo liebe Strickfreunde! Ihr plant einen Urlaub oder einen Kurzaufenthalt in Deutschland und habt eure Stricknadeln im Gepäck? Wunderbar! Vielleicht habt ihr ja Lust, ein kleines Andenken selbst zu stricken – eine Mütze, ein Schal oder sogar ein kleines Kuscheltier. Aber was, wenn ihr beim Stricken feststellt, dass ihr mehr Maschen braucht, um das Projekt in die richtige Form zu bringen? Keine Sorge, in diesem Guide zeige ich euch, wie ihr ganz einfach Maschen am Rand zunehmen könnt, ohne unschöne Löcher zu verursachen. Diese Technik ist essentiell für viele Strickprojekte, besonders wenn ihr z.B. Ärmel formen, einen Rock verbreitern oder eine Schulter schrägen möchtet.
Warum überhaupt Maschen zunehmen?
Bevor wir uns den konkreten Techniken widmen, kurz zur Frage, warum man überhaupt Maschen zunehmen muss. Im Grunde ist es ganz einfach: Strickstücke sind selten perfekt rechteckig. Oft haben sie geschwungene oder sich erweiternde Formen. Um diese Formen zu realisieren, müssen wir die Maschenanzahl im Laufe des Strickens erhöhen. Das kann passieren, um:
- Die Weite eines Kleidungsstücks zu vergrößern (z.B. bei Röcken oder Kleidern).
- Ärmel zu formen (die am Bündchen schmaler sind als an der Schulter).
- Eine Schulter zu schrägen.
- Zierformen zu erzeugen.
Das Zunehmen von Maschen am Rand ist dabei eine der häufigsten Methoden, um diese Veränderungen zu erreichen. Der Trick ist, es so zu machen, dass keine unschönen Löcher entstehen, die das Gesamtbild stören.
Die wichtigsten Techniken zum Maschen Zunehmen am Rand (ohne Loch)
Es gibt verschiedene Methoden, um Maschen am Rand zuzunehmen, ohne dass Löcher entstehen. Ich stelle euch hier die gängigsten vor:
1. Die einfachste Methode: Maschen aus dem Querfaden aufnehmen
Dies ist wahrscheinlich die am weitesten verbreitete und einfachste Methode. Sie ist ideal für Anfänger und funktioniert sowohl am Anfang als auch am Ende einer Reihe.
- Stricke bis zur vorletzten Masche der Reihe.
- Suche den Querfaden: Zwischen der letzten gestrickten Masche und der noch auf der linken Nadel befindlichen Masche befindet sich ein horizontaler Faden (der Querfaden).
- Hebe den Querfaden an: Nimm die linke Nadel und hebe den Querfaden von vorne nach hinten an. Er liegt nun auf der linken Nadel.
- Verstricke den Querfaden: Stricke den Querfaden verschränkt ab. Das bedeutet, du stichst von hinten in das hintere Maschenglied ein. Durch das verschränkte Abstricken wird verhindert, dass ein Loch entsteht.
- Stricke die letzte Masche ganz normal.
Am Ende der nächsten Reihe wiederholst du den Vorgang, falls du auf beiden Seiten zunehmen musst.
Wichtig: Achte darauf, den Querfaden nicht zu fest anzuziehen, da dies zu einer ungleichmäßigen Kante führen kann. Locker, aber nicht zu locker ist hier die Devise!
2. Der Umschlag
Diese Methode ist sehr schnell und einfach, kann aber zu etwas größeren Löchern führen, wenn man nicht aufpasst. Sie ist eher für Projekte geeignet, bei denen es nicht so sehr auf eine perfekte Kante ankommt, oder bei denen die Kante später noch verarbeitet wird (z.B. beim Zusammennähen).
- Am Anfang der Reihe: Mache einen Umschlag auf die rechte Nadel, bevor du die erste Masche strickst.
- Am Ende der Reihe: Stricke die Reihe bis zur letzten Masche. Mache einen Umschlag auf die rechte Nadel und stricke dann die letzte Masche.
In der nächsten Reihe musst du die Umschläge verschränkt abstricken, um Löcher zu vermeiden. Das bedeutet, du stichst von hinten in das hintere Maschenglied des Umschlags ein.
Achtung: Der Umschlag kann, wenn nicht korrekt verarbeitet, eine etwas lockerere Masche ergeben.
3. Die "Magic Loop" Methode (leicht abgewandelte Form)
Diese Methode ist etwas fortgeschrittener, erzeugt aber eine sehr saubere Zunahme, besonders wenn man sie etwas abwandelt. Der Name "Magic Loop" bezieht sich hier nicht auf das gleichnamige Verfahren zum Stricken mit Rundstricknadeln, sondern ist hier ein etwas fantasievollerer Name für eine leicht modifizierte Zunahmetechnik.
- Stricke bis zur letzten Masche.
- Nimm die Masche ab, aber lasse sie auf der linken Nadel.
- Stricke die gleiche Masche noch einmal ab (wie beim normalen Stricken), aber ziehe sie jetzt von der linken Nadel ab. Du hast nun eine Masche mehr auf der rechten Nadel.
- Stricke die letzte Masche.
Diese Methode erzeugt eine etwas festere Zunahme und ist daher gut geeignet, wenn du eine stabilere Kante wünschst. Am Anfang der Reihe funktioniert das Prinzip genau umgekehrt: Stricke die erste Masche normal, nimm dann die nächste Masche ab, lasse sie aber auf der linken Nadel und stricke sie ein zweites Mal ab, bevor du sie von der Nadel gleiten lässt.
Tipp: Übe diese Methode ein paar Mal, bevor du sie in einem wichtigen Projekt anwendest, um ein Gefühl dafür zu bekommen.
4. Zunahmen innerhalb der Randmaschen
Manchmal möchte man die Zunahmen nicht direkt am Rand haben, sondern etwas eingerückt. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn man eine sehr definierte Kante haben möchte, z.B. für Blenden oder Bündchen. In diesem Fall strickst du einige Randmaschen (z.B. 3-5 Maschen) und nimmst dann die Maschen innerhalb dieser Randmaschen zu. Die Zunahme erfolgt dann wie oben beschrieben (aus dem Querfaden oder per Umschlag).
Vorteil: Die Randmaschen bilden eine saubere, gleichmäßige Kante, während die Zunahmen etwas versteckter sind.
Welche Methode ist die richtige für mich?
Welche Methode du wählst, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Dein Können: Für Anfänger ist die Methode mit dem Querfaden am einfachsten.
- Das Projekt: Für Projekte, bei denen es auf eine perfekte Kante ankommt, sind die "Magic Loop" Methode oder die Zunahme innerhalb der Randmaschen besser geeignet.
- Die Wolle: Bei sehr dicker Wolle kann ein Umschlag zu einem größeren Loch führen als bei feiner Wolle.
- Dein persönlicher Geschmack: Probiere die verschiedenen Methoden aus und entscheide, welche dir am besten gefällt und die besten Ergebnisse liefert.
Zusätzliche Tipps und Tricks
- Regelmäßigkeit: Achte darauf, die Zunahmen regelmäßig zu verteilen, um eine gleichmäßige Form zu erhalten. Wenn du z.B. alle 4 Reihen eine Masche zunimmst, solltest du das konsequent beibehalten.
- Markierungen: Wenn du viele Zunahmen machen musst, kann es hilfreich sein, Markierer zu verwenden, um den Überblick zu behalten.
- Übung macht den Meister: Probiere die verschiedenen Methoden auf einem kleinen Probestück aus, bevor du sie in deinem eigentlichen Projekt anwendest.
- Anleitungen lesen: Achte genau auf die Anweisungen in deiner Strickanleitung. Oft wird dort eine bestimmte Zunahmetechnik empfohlen oder vorgeschrieben.
Fazit
Das Zunehmen von Maschen am Rand ohne Löcher ist eine wichtige Fähigkeit für jeden Stricker. Mit den hier vorgestellten Techniken und Tipps bist du bestens gerüstet, um deine Strickprojekte in die gewünschte Form zu bringen. Egal, ob du ein kleines Souvenir für deine Reise stricken möchtest oder ein komplexeres Kleidungsstück planst, mit etwas Übung wirst du bald zum Profi im Maschen-Zunehmen! Und falls du während deines Aufenthalts in Deutschland weitere Fragen hast, schau doch mal in einem Wollgeschäft vorbei. Dort findest du kompetente Beratung und vielleicht sogar einen kleinen Strickkurs. Viel Spaß beim Stricken und einen schönen Aufenthalt in Deutschland!
