Materialist Conception Of History
Stellt euch vor, eure Lieblingsserie – nicht irgendeine, sondern DIE Serie, die ihr immer wieder schaut, die ihr auswendig kennt. Habt ihr euch jemals gefragt, warum die Charaktere so handeln, wie sie handeln? Warum die Story sich so entwickelt, wie sie sich entwickelt? Klar, die Drehbuchautoren sind schlau, aber was, wenn da noch mehr dahinter steckt?
Hier kommt die materialistische Geschichtsauffassung ins Spiel. Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht. Im Grunde sagt sie: Die Art und Weise, wie wir leben – wie wir arbeiten, was wir essen, wie wir wohnen – beeinflusst alles andere in unserem Leben. Und zwar nicht nur unser eigenes, sondern das der gesamten Gesellschaft und damit auch die Geschichten, die wir uns erzählen!
Den Kochtopf der Geschichte: Was drin ist, bestimmt den Geschmack
Stellt euch die Geschichte als einen riesigen Kochtopf vor. Was kommt rein? Na klar, die Produktionsmittel! Das sind die Zutaten: Werkzeuge, Maschinen, Land, Rohstoffe – alles, was wir brauchen, um Dinge herzustellen. Wer diese Zutaten kontrolliert, hat auch die Macht, den Geschmack zu bestimmen. Und der Geschmack, das ist unsere Kultur, unsere Gesetze, unsere Politik, unsere Kunst – eben alles, was uns als Gesellschaft ausmacht.
Früher, als die meisten Leute Bauern waren, drehte sich alles um Land. Wer Land hatte, hatte Macht. Die Geschichten handelten von Königen und Adeligen, von Ehre und Pflicht. Dann kam die Industrialisierung. Plötzlich waren Fabriken und Maschinen wichtiger. Die Geschichten wurden anders. Es ging um Arbeiter, um Fortschritt, um neue Erfindungen. Und heute? Im Zeitalter des Internets und der sozialen Medien? Die Geschichten drehen sich um Algorithmen, Daten und Influencer. Verrückt, oder?
Nicht nur Theorie: Ein Blick in die Vergangenheit (mit einem Augenzwinkern)
Nehmen wir mal das Mittelalter. Da gab es Ritter und Burgen, Prinzessinnen und Drachen. Klingt romantisch, oder? Aber warum gab es eigentlich Ritter? Nicht nur, weil sie so tolle Rüstungen hatten! Sondern weil es eine bestimmte Art der Landwirtschaft gab, das Lehnswesen. Das Lehnswesen war ein System, in dem Land gegen militärische Dienste getauscht wurde. Die Ritter waren also im Grunde die "Muskeln" dieses Systems. Sie beschützten das Land und sorgten dafür, dass die Bauern weiterarbeiten konnten. Und natürlich bekamen sie dafür auch ihren Anteil vom Kuchen – oder besser gesagt, von der Ernte.
Und die Drachen? Vielleicht waren sie einfach nur eine Metapher für die Angst der Bauern vor den Steuereintreibern! Wer weiß…
Die Liebe in Zeiten der kapitalistischen Produktion
Auch unsere Beziehungen sind von den materiellen Bedingungen beeinflusst. Klingt unromantisch? Vielleicht, aber denkt mal drüber nach. Früher heirateten die Leute oft aus wirtschaftlichen Gründen. Es ging darum, Land zu sichern, ein Unternehmen zu gründen oder den sozialen Status zu verbessern. Heute können wir uns "zum Glück" meist leisten, jemanden aus Liebe zu heiraten. Aber auch hier spielen unbewusst ökonomische Faktoren eine Rolle. Wir suchen Partner, die uns ergänzen, die uns Sicherheit geben, die uns helfen, unsere Ziele zu erreichen. Und manchmal, ganz heimlich, schauen wir vielleicht auch auf den Kontostand...
"Nicht das Bewusstsein der Menschen bestimmt ihr Sein, sondern umgekehrt bestimmt ihr gesellschaftliches Sein ihr Bewusstsein." – Karl Marx (der Typ, der das alles mal angestoßen hat)
Das bedeutet nicht, dass wir Marionetten sind, die von den wirtschaftlichen Verhältnissen gesteuert werden. Wir haben immer noch einen freien Willen. Aber es bedeutet, dass die Welt um uns herum einen großen Einfluss darauf hat, wer wir sind und wie wir handeln.
Die überraschende Freiheit der Erkenntnis
Das Schöne an der materialistischen Geschichtsauffassung ist, dass sie uns die Augen öffnet. Sie zeigt uns, dass die Welt nicht einfach so ist, wie sie ist. Sondern dass sie das Ergebnis von historischen Prozessen ist, die von wirtschaftlichen und sozialen Kräften angetrieben werden. Und wenn wir diese Kräfte verstehen, können wir vielleicht auch etwas verändern.
Also, das nächste Mal, wenn ihr eure Lieblingsserie schaut, fragt euch doch mal: Welche Produktionsmittel spielen hier eine Rolle? Wer hat die Macht? Und welche Geschichten werden erzählt, um diese Macht zu legitimieren? Vielleicht entdeckt ihr ja ganz neue Ebenen in eurer Lieblingsserie. Und vielleicht inspiriert euch das ja auch dazu, eure eigene Geschichte neu zu schreiben.
Denn am Ende des Tages ist die Geschichte ja nicht nur etwas, das in Büchern steht. Sie ist etwas, das wir jeden Tag neu erschaffen – mit unseren Entscheidungen, unseren Handlungen und unseren Träumen.
