Mein Psychologe Will Mich In Die Anstalt Einweisen
Es begann mit einer harmlosen Frage: "Haben Sie manchmal das Gefühl, von Eichhörnchen beobachtet zu werden?" Mein Psychologe, nennen wir ihn Dr. Sommer, sah mich über seine randlose Brille hinweg an. Ich, ehrlich wie immer, nickte. Klar. Wer hat das nicht? Die kleinen Nager sind überall!
Ich war eigentlich wegen etwas völlig anderem bei Dr. Sommer. Existenzielle Krise, Midlife-Wahnsinn, die üblichen Verdächtigen. Aber seit diesem Eichhörnchen-Gespräch schwebte eine gewisse Spannung im Raum. Seine Fragen wurden… spezifischer. "Sprechen die Eichhörnchen auch mit Ihnen?", "Haben Sie ihnen Namen gegeben?", "Besitzen diese Eichhörnchen vielleicht… Atomwaffen?"
Okay, die Atomwaffen waren vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber der Punkt ist, Dr. Sommer schien meine Eichhörnchen-Affinität mit zunehmender Besorgnis zu betrachten. Und dann, während einer besonders intensiven Sitzung, kam der Satz, der alles veränderte:
"Frau Müller, ich mache mir ernsthafte Sorgen um Ihr Wohlbefinden. Ich glaube, es wäre ratsam, wenn Sie sich in einer Klinik… untersuchen lassen."
"Anstalt!" Das Wort hallte in meinem Kopf wider. Anstalt. Das klang nach Zwangsjacken und kalten Duschen und Menschen, die mit Alufolie behangene Hüte tragen und über Außerirdische sprechen. War ich wirklich so weit abgedriftet?
Ich verbrachte die nächste Woche in einem Zustand panischer Selbstbeobachtung. Waren meine Eichhörnchen-Theorien wirklich so… abwegig? Hatte ich vielleicht doch eine etwas zu enge Beziehung zu diesen pelzigen Freunden? Ich begann, meine gesamte Existenz in Frage zu stellen. War ich normal? War irgendjemand normal?
Um mich abzulenken, beschloss ich, mich meinen anderen Hobbys zu widmen. Ich backte einen Kuchen (der allerdings etwas angebrannt war, vielleicht wegen der Eichhörnchen, die die Temperatur am Herd verstellt hatten…), ich las ein Buch (in dem seltsamerweise eine Passage über sprechende Eichhörnchen vorkam) und ich ging spazieren (wo ich natürlich von mindestens einem Dutzend Eichhörnchen beobachtet wurde). Die Paranoia war real!
Und dann, während meines Spaziergangs, hatte ich eine Erleuchtung. Dr. Sommer, so gut er auch sein mag, war vielleicht einfach nicht der Richtige für mich. Er war ein sehr… konventioneller Psychologe. Einer, der an die Kraft der Gesprächstherapie glaubte und Patient*innen, die Stimmen hören, sofort in die Psychiatrie schicken wollte. Aber was, wenn ich einfach nur… kreativer war?
Ich beschloss, einen neuen Therapeuten zu suchen. Jemanden, der meine exzentrischen Neigungen nicht als Zeichen von Geisteskrankheit, sondern als Ausdruck meiner Persönlichkeit sah. Jemanden, der vielleicht sogar… Eichhörnchen mag!
Die Suche nach dem Eichhörnchen-Therapeuten
Die Suche war nicht einfach. Viele Psychologen, die ich kontaktierte, legten auf, sobald ich das Wort "Eichhörnchen" erwähnte. Einer schlug mir vor, ein Haustier zu nehmen, "vielleicht eine Katze". Als ob eine Katze die intellektuelle Stimulierung ersetzen könnte, die mir die Eichhörnchen boten!
Schließlich fand ich sie: Dr. Erika Nussbaum. Ihr Profilbild zeigte sie inmitten eines Waldes, umgeben von (Sie ahnen es!) Eichhörnchen. In ihrer Beschreibung stand: "Ich helfe Ihnen, Ihre innere Eichel zu finden und zu nähren." Das klang doch vielversprechend!
Unsere erste Sitzung war ein voller Erfolg. Ich erzählte Dr. Nussbaum von meinen Eichhörnchen-Gesprächen, meinen Atomwaffen-Theorien und Dr. Sommers "Anstalts"-Drohung. Anstatt mich in Panik zu versetzen, lächelte sie verständnisvoll.
"Frau Müller," sagte sie, "Sie sind nicht verrückt. Sie sind nur… besonders. Und Eichhörnchen sind faszinierende Geschöpfe. Haben Sie schon mal überlegt, eine Doktorarbeit über sie zu schreiben?"
Eine Doktorarbeit! Das war eine Idee! Plötzlich fühlte ich mich befreit. Dr. Nussbaum verstand mich. Sie sah in mir nicht eine Patientin, die in eine Anstalt gehört, sondern eine angehende Wissenschaftlerin mit einer ungewöhnlichen Leidenschaft.
Das Happy End (mit Nüssen)
Ich schreibe jetzt tatsächlich an meiner Doktorarbeit über die soziale Dynamik von Stadt-Eichhörnchen. Dr. Nussbaum ist meine Betreuerin, und Dr. Sommer… nun, er hat sich entschuldigt. Er sagte, er habe mich missverstanden und dass er jetzt selbst anfängt, die Eichhörnchen anders zu sehen.
Und die Eichhörnchen? Sie sind immer noch da, beobachten mich, kommunizieren mit mir (meistens über den Bedarf an mehr Nüssen). Aber jetzt weiß ich, dass es okay ist. Es ist okay, anders zu sein. Es ist okay, eine enge Beziehung zu Eichhörnchen zu haben. Solange man sie nicht mit Atomwaffen ausstattet, natürlich.
Die Moral von der Geschichte? Wenn Ihr Psychologe Sie in die Anstalt einweisen will, suchen Sie sich einen anderen. Vielleicht einen, der ein bisschen mehr… Nuss hat.
