Merkmale Der Sturm Und Drang
Hey ihr Lieben, eure reiselustige Geschichtenerzählerin meldet sich! Heute nehme ich euch mit auf eine etwas andere Reise – eine Reise in die Welt der deutschen Literaturgeschichte. Keine Sorge, es wird nicht staubtrocken, versprochen! Wir begeben uns in die aufregende Zeit des Sturm und Drang, einer Epoche, die so wild und ungestüm war, wie ein Roadtrip ohne Navi und mit lauter Rockmusik im Autoradio.
Ich weiß, Literaturgeschichte klingt erstmal nicht so prickelnd, wenn man eigentlich gerade nach den besten Eisdielen Roms oder den schönsten Wanderwegen in den Alpen sucht. Aber glaubt mir, wenn man versteht, was diese „Stürmer und Dränger“ so getrieben hat, dann sieht man auch die deutsche Kultur und Kunst mit ganz anderen Augen. Es ist, als würde man beim Betrachten einer alten Burg plötzlich die Stimmen der Vergangenheit hören.
Was war denn überhaupt dieser Sturm und Drang?
Stellt euch vor: Es ist das späte 18. Jahrhundert. Die Aufklärung, mit ihrem Fokus auf Vernunft und Logik, hat die Welt fest im Griff. Alles soll rational sein, alles soll erklärt werden können. Aber junge, wilde Dichter und Denker haben die Nase voll davon! Sie wollen mehr! Sie sehnen sich nach Gefühl, nach Leidenschaft, nach Freiheit! Sie wollen das Genie feiern, das sich nicht an Regeln hält und seine eigenen Wege geht. Das ist der Sturm und Drang in einer Nussschale.
Es war eine kurze, aber intensive Epoche, die grob von 1765 bis 1785 dauerte. Und sie war vor allem eines: eine Rebellion. Eine Rebellion gegen die Vernunft, gegen die starren Regeln der höfischen Gesellschaft, gegen die Bevormundung durch Autoritäten.
Die wichtigsten Merkmale – quasi die Must-Sees auf unserer Sturm-und-Drang-Reise:
Okay, jetzt wird’s ein bisschen konkreter. Aber keine Panik, ich versuche, es so anschaulich wie möglich zu machen!
- Das Genie: Das ist vielleicht das wichtigste Merkmal überhaupt. Der Sturm und Drang feierte das individuelle Genie, den Menschen, der sich nicht an Konventionen hält, sondern seine eigenen Gesetze schafft. Denkt an einen Künstler, der mit Farben um sich wirft, ohne sich um irgendwelche Regeln zu kümmern. Oder an einen Musiker, der ein Instrument spielt, wie niemand vor ihm. Das ist das Sturm-und-Drang-Genie!
- Gefühl und Leidenschaft: Weg mit der kühlen Vernunft! Jetzt regieren die Emotionen. Liebe, Hass, Verzweiflung, Wut – alles wird mit voller Wucht gezeigt. Die Figuren in den Sturm-und-Drang-Werken sind oft zerrissen, voller innerer Konflikte und Leidenschaften. Denkt an einen Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch steht – so fühlen sie sich oft.
- Naturverehrung: Die Stürmer und Dränger waren absolute Naturfans. Sie sahen in der Natur nicht nur eine schöne Kulisse, sondern eine Kraftquelle, einen Ort der Freiheit und der Ursprünglichkeit. Die Natur diente oft als Spiegel der menschlichen Seele. Ein tosender Sturm konnte zum Beispiel die innere Zerrissenheit eines Protagonisten widerspiegeln.
- Kritik an der Gesellschaft: Der Sturm und Drang war eine kritische Bewegung. Die jungen Dichter und Denker prangerten die Ungerechtigkeiten der Gesellschaft an, die Unterdrückung des Individuums und die starren Regeln der höfischen Welt. Sie kämpften für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – lange bevor die Französische Revolution diese Werte auf ihre Fahnen schrieb.
- Die Volkssprache: Schluss mit dem gestelzten, höfischen Deutsch! Die Stürmer und Dränger schrieben in einer lebendigen, kraftvollen Sprache, die nah am Volk war. Sie benutzten Dialekte und Ausdrücke, die man sonst in der Literatur nicht fand. Das war ein bewusster Bruch mit der Tradition und ein Versuch, eine authentische Stimme zu finden.
Bekannte Gesichter – unsere Reisebegleiter:
Auf unserer Reise durch den Sturm und Drang dürfen natürlich die wichtigsten Vertreter dieser Epoche nicht fehlen. Hier ein paar Namen, die ihr euch merken solltet:
- Johann Wolfgang von Goethe: Klar, Goethe muss dabei sein! Sein "Die Leiden des jungen Werther" ist wohl der bekannteste Sturm-und-Drang-Roman überhaupt. Werther, der unglücklich verliebte Protagonist, verkörpert perfekt die Gefühlstiefe und die gesellschaftliche Kritik dieser Zeit.
- Friedrich Schiller: Auch Schiller war ein wichtiger Vertreter des Sturm und Drang, obwohl er sich später von einigen Idealen distanzierte. Sein Drama "Die Räuber" ist ein wilder, leidenschaftlicher Aufschrei gegen die Ungerechtigkeit und die Unterdrückung.
- Jakob Michael Reinhold Lenz: Lenz ist vielleicht nicht so bekannt wie Goethe und Schiller, aber er war ein wichtiger, radikaler Vertreter des Sturm und Drang. Seine Dramen, wie "Der Hofmeister", sind schonungslose Darstellungen der sozialen Realität und der Unterdrückung des Individuums.
Diese drei sind nur die Spitze des Eisbergs. Es gab noch viele andere talentierte Dichter und Denker, die diese Epoche geprägt haben.
Warum uns das heute noch interessieren sollte – das Souvenir für die Heimreise:
Ihr fragt euch vielleicht: Okay, das war jetzt ganz interessant, aber was bringt mir das für meine nächste Reise? Nun, ich finde, dass das Verständnis für den Sturm und Drang uns hilft, die deutsche Kultur und Identität besser zu verstehen. Es ist wie ein Fenster in die Vergangenheit, das uns zeigt, woher wir kommen und wer wir sind.
Außerdem finde ich, dass die Themen, die im Sturm und Drang behandelt wurden, auch heute noch relevant sind. Die Suche nach Individualität, die Kritik an der Gesellschaft, die Sehnsucht nach Freiheit – das sind alles Fragen, die uns auch im 21. Jahrhundert beschäftigen.
Und nicht zuletzt: Wenn ihr mal wieder vor einem Gemälde von Caspar David Friedrich steht oder ein Konzert von Beethoven hört, dann werdet ihr vielleicht ein bisschen mehr von dem Sturm und Drang spüren, der in diesen Werken steckt. Es ist wie ein versteckter Code, den man nur mit dem richtigen Wissen entschlüsseln kann.
"Ich bin ein Mensch, und nichts Menschliches ist mir fremd." - Dieses Zitat von Terenz, das auch die Stürmer und Dränger gerne zitierten, fasst die Essenz dieser Epoche gut zusammen.
Also, packt euren Rucksack, schnürt eure Wanderschuhe und begebt euch auf eine spannende Reise in die Welt des Sturm und Drang! Es lohnt sich!
Und denkt dran: Das Leben ist kurz. Lasst uns unsere Leidenschaften ausleben, unsere Träume verfolgen und uns nicht von Konventionen einschränken lassen. In diesem Sinne: Auf die nächste Reise! Eure (immer noch reiselustige) Geschichtenerzählerin.
