Mit Dem Quer Durchs Land Ticket Nach München
München. Alle wollen dahin. Biergärten, Brezen, bayrische Gemütlichkeit. Klingt doch gut, oder? Aber mal ehrlich, ist der Weg das Ziel? Ich behaupte: Nicht, wenn dieser Weg das Quer-durchs-Land-Ticket beinhaltet.
Die Romantik der Schiene
Klar, die Vorstellung ist verlockend: Man sitzt im Zug, die Landschaft zieht vorbei, man liest ein Buch, hört Musik… Man ist frei! Man entdeckt Deutschland! Stopp. Kurz die Realität checken.
Die Realität ist eher so: Man sitzt im Regionalexpress, eingequetscht zwischen einer Familie mit drei ungeduldigen Kindern und einem Mann, der lauthals telefoniert. Das Buch bleibt zu, die Musik wird von Schnarchgeräuschen übertönt. Und die Landschaft? Naja, sieht halt aus wie… Landschaft. Acker. Kühe. Wieder Acker.
Und dann die Umstiege! "Ihr Zug hat voraussichtlich 15 Minuten Verspätung." Na toll. Das bedeutet sprinten zum nächsten Gleis, hoffen, dass der Anschlusszug nicht auch Verspätung hat (Spoiler: Hat er meistens!). Und wenn man Pech hat, steht man dann da, mit seinem Koffer, am Bahnsteig in irgendeinem Kaff, von dem man noch nie gehört hat.
Die Kunst der Optimierung (oder: Das verzweifelte Suchen nach einem Sitzplatz)
Das Quer-durchs-Land-Ticket ist beliebt. Sehr beliebt. Das merkt man spätestens, wenn man in den Zug steigt. Sitzplätze? Fehlanzeige! Die sind schon lange von Reisegruppen, Rentnern und anderen Glücklichen besetzt, die entweder früh aufgestanden sind oder einfach mehr Ellenbogen haben.
Also beginnt die Suche. Man schleicht durch die Waggons, späht in Abteile, versucht, den Blickkontakt mit den bereits Sitzenden zu vermeiden (sonst muss man womöglich noch Smalltalk halten!). Irgendwann entdeckt man dann vielleicht doch noch einen freien Platz. Neben einem schnarchenden Mann. Aber hey, besser als nichts!
München, ich komme! (Irgendwann...)
Nach Stunden der Tortur, nach unzähligen Umstiegen, nach dem Verzehr von viel zu teuren Bahnhofsbrezeln, erreicht man dann endlich München. Erschöpft, gestresst, und mit dem Gefühl, dass man ein kleines Vermögen für Zugsnacks ausgegeben hat.
Und dann steht man da, am Hauptbahnhof, umgeben von Touristen, die alle strahlen und sich auf ihr München-Erlebnis freuen. Man selbst hingegen denkt nur: "Ich brauche ein Bier. Und eine Massage."
Versteht mich nicht falsch, München ist toll. Aber die Reise dorthin mit dem Quer-durchs-Land-Ticket? Ich glaube, ich nehme nächstes Mal das Auto. Oder das Flugzeug. Oder ich bleibe einfach zu Hause. Ist auch schön.
Oder noch besser: Teleportation. Das wäre was!
Einige "Highlights" auf der Reise:
"Entschuldigung, ist hier noch frei?" - Die Frage, die man gefühlt alle fünf Minuten stellt.
Die Durchsage: "Aufgrund von Bauarbeiten kommt es zu Verzögerungen im Streckennetz." - Die Standard-Durchsage der Deutschen Bahn.
Der Moment, wenn man feststellt, dass man sein Ladekabel vergessen hat und der Akku des Handys sich dem Ende zuneigt.
Und trotzdem: Irgendwie hat die Reise ja auch etwas. Eine Geschichte, die man später erzählen kann. Eine Anekdote für den nächsten Stammtisch. Nur ob ich sie nochmal so erleben will...?
Ich bleibe dabei: Das Quer-durchs-Land-Ticket nach München ist... sagen wir mal... ein Abenteuer. Ein anstrengendes, nervenaufreibendes, aber eben auch irgendwie... unvergessliches Abenteuer. Und wer weiß, vielleicht entdecke ich ja beim nächsten Mal doch noch die Romantik der Schiene. Vielleicht. Irgendwann. Vielleicht auch nicht.
Hauptsache, das Bier in München schmeckt!
