Miteinander Reden Schulz Von Thun
Hallo, liebe Reisefreunde! Euer digitaler Reisebegleiter hier, mit einer etwas anderen Empfehlung, die vielleicht nicht direkt mit Postkartenmotiven oder versteckten Gassen zu tun hat, aber eure Reisen (und euer Leben!) grundlegend bereichern kann. Ich rede von etwas, das ich auf meinen unzähligen Touren um die Welt entdeckt habe: der Kunst des Miteinander-Redens, inspiriert und gelehrt vom großartigen Friedemann Schulz von Thun.
Klar, denkt ihr jetzt vielleicht, reden kann doch jeder! Stimmt, aber wie oft entstehen Missverständnisse? Wie oft fühlt man sich unverstanden, frustriert oder sogar wütend, obwohl doch eigentlich alles gut gemeint war? Gerade auf Reisen, in neuen Kulturen und mit ungewohnten Sprachbarrieren, potenziert sich dieses Problem ins Unermessliche. Ich habe es am eigenen Leib erfahren.
Meine persönliche "Schulz von Thun"-Erleuchtung
Ich erinnere mich noch genau an meine Reise durch Südostasien. Ich war voller Vorfreude, die Menschen kennenzulernen, die Kultur aufzusaugen. Doch schon nach wenigen Tagen fühlte ich mich isoliert. Ich verstand die subtilen nonverbalen Signale nicht, interpretierte Gesten falsch und stolperte von einem Fettnäpfchen ins nächste. Ein Lächeln, das ich als freundlich deutete, entpuppte sich als verlegenes Unbehagen. Eine harmlose Frage wurde als unhöflich empfunden. Die Frustration stieg ins Unermessliche. Ich fühlte mich als ungeschickter Elefant im Porzellanladen.
Eines Abends, in einem kleinen Internetcafé in Chiang Mai, stieß ich dann zufällig auf einen Artikel über Friedemann Schulz von Thun und sein Kommunikationsmodell. Ich war sofort gefesselt. Seine Idee, dass jede Botschaft gleichzeitig vier Ebenen beinhaltet, war wie eine Offenbarung. Plötzlich verstand ich, warum so viele meiner Versuche, Kontakte zu knüpfen, gescheitert waren.
Die vier Seiten einer Nachricht: Ein Reisebegleiter
Schulz von Thun beschreibt in seinem Modell vier Seiten, die in jeder Aussage mitschwingen. Das sind:
- Die Sachebene: Worüber wird konkret informiert? (Daten, Fakten, etc.)
- Die Selbstoffenbarungsebene: Was sagt der Sender über sich selbst? (Gefühle, Werte, etc.)
- Die Beziehungsebene: Wie steht der Sender zum Empfänger? (Wertschätzung, Respekt, etc.)
- Die Appellebene: Was will der Sender beim Empfänger erreichen? (Aufforderung, Beeinflussung, etc.)
Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Ein Kellner in einem Restaurant sagt zu Ihnen: "Der Tisch ist noch nicht abgeräumt."
- Sachebene: Der Tisch ist schmutzig.
- Selbstoffenbarungsebene: Ich bin gestresst/beschäftigt.
- Beziehungsebene: Ich erwarte, dass Sie geduldig sind/Ich bin nicht für Sie zuständig.
- Appellebene: Warten Sie bitte, bis ich den Tisch abgeräumt habe/Setzen Sie sich nicht.
Allein an diesem simplen Beispiel sieht man, wie viel mehr in einer Aussage stecken kann, als nur die reine Information. Und genau hier liegt der Schlüssel zu besserer Kommunikation, besonders auf Reisen!
Anwendung in der Praxis: Missverständnisse vermeiden
Nachdem ich Schulz von Thuns Modell verstanden hatte, begann ich, meine Kommunikation bewusster zu gestalten. Ich versuchte, nicht nur auf die Sachebene zu achten, sondern auch die anderen drei Seiten der Nachricht zu berücksichtigen. Ich fragte mich: Was will der andere mir eigentlich sagen? Was steckt hinter den Worten? Welche Beziehungsebene schwingt mit?
Das Ergebnis war erstaunlich. Plötzlich verstand ich die subtilen Nuancen der nonverbalen Kommunikation besser. Ich konnte Missverständnisse frühzeitig erkennen und aus dem Weg räumen. Meine Interaktionen mit den Einheimischen wurden herzlicher, authentischer und erfüllender. Ich fühlte mich endlich angekommen.
Ein weiteres Beispiel: Ich fragte in einer kleinen vietnamesischen Garküche nach der Toilette. Die Antwort kam in Form eines Lächelns und einer vagen Handbewegung in Richtung Hinterhof. Früher hätte ich das als unhöflich oder desinteressiert interpretiert. Jetzt aber verstand ich: Die Person wollte mir helfen (Appell), wusste aber vielleicht nicht genau, wie sie sich ausdrücken sollte (Selbstoffenbarung). Die Geste war ihre Art, freundlich zu sein (Beziehung), auch wenn sie keine klaren Anweisungen geben konnte (Sachebene). Also folgte ich der Handbewegung und fand die Toilette – und ein freundliches Lächeln als Bestätigung.
Denkt daran: Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Es geht nicht nur darum, was *wir* sagen, sondern vor allem darum, *wie* wir zuhören und interpretieren.
Schulz von Thun für Reisende: Meine Tipps
Hier sind ein paar konkrete Tipps, wie ihr die Prinzipien von Friedemann Schulz von Thun auf euren Reisen anwenden könnt:
- Seid aufmerksam: Achtet nicht nur auf die Worte, sondern auch auf Körpersprache, Tonfall und Kontext.
- Hinterfragt: Fragt euch, welche Botschaften auf den vier Ebenen mitschwingen könnten.
- Seid empathisch: Versetzt euch in die Lage eures Gesprächspartners. Was sind seine/ihre Motive? Welche kulturellen Unterschiede gibt es?
- Seid geduldig: Missverständnisse sind unvermeidlich, besonders in fremden Kulturen. Bleibt ruhig und versucht, die Situation zu klären.
- Seid selbstreflektierend: Überprüft eure eigenen Annahmen und Vorurteile. Seid bereit, eure Perspektive zu ändern.
- Lernt die Basics der Sprache: Auch wenn es nur ein paar Wörter sind, zeigt es Respekt und erleichtert die Kommunikation ungemein.
- Nutzt nonverbale Kommunikation: Ein Lächeln, eine freundliche Geste, ein Augenkontakt – all das kann Brücken bauen.
Wichtig: Schulz von Thun ist kein Zauberstab. Es braucht Übung und Geduld, um seine Prinzipien zu verinnerlichen und anzuwenden. Aber ich verspreche euch, es lohnt sich! Ihr werdet nicht nur bessere Gespräche führen, sondern auch eure Beziehungen vertiefen und eure Reisen intensiver erleben.
Die Lehren von Schulz von Thun haben meine Reisen nachhaltig verändert. Ich bin nicht mehr nur ein Tourist, der Sehenswürdigkeiten abklappert, sondern ein Reisender, der versucht, die Welt und ihre Menschen zu verstehen. Und das, liebe Freunde, ist die schönste Art zu reisen.
Also packt nicht nur eure Koffer, sondern auch eure Kommunikationsfähigkeiten ein! Und lasst mich wissen, welche Erfahrungen ihr damit macht. Ich bin gespannt auf eure Geschichten!
Bis zum nächsten Mal und allzeit gute Reise!
