Mode 20 Er Jahre Männer
Die Mode der 1920er Jahre für Männer ist ein faszinierendes Thema, das oft mit Eleganz, Raffinesse und einem Hauch von Rebellion verbunden wird. Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die Gesellschaft einen Wandel, der sich auch in der Herrenmode widerspiegelte. Die starren Konventionen des viktorianischen Zeitalters wurden zunehmend abgelegt, und ein lässigerer, aber dennoch stilvoller Look wurde populär. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Einblick in die wichtigsten Elemente der Herrenmode der 1920er Jahre, um Expats, Neuankömmlingen und allen Interessierten ein umfassendes Verständnis zu vermitteln.
Die Silhouette: Locker und Bequem
Ein entscheidender Unterschied zur vorherigen Mode war die Silhouette. Während im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert enge, taillierte Schnitte dominierten, bevorzugten die Männer der 1920er Jahre eine lockerere und bequemere Passform. Die Anzüge waren weniger tailliert und die Hosen wurden weiter geschnitten, oft mit einem hohen Bund. Diese Veränderung spiegelte den Wunsch nach mehr Bewegungsfreiheit und Ungezwungenheit wider.
Anzüge: Das Herzstück der Garderobe
Der Anzug war das absolute Must-Have in der Herrengarderobe der 1920er Jahre. Er war nicht nur für formelle Anlässe reserviert, sondern wurde auch im Alltag getragen. Beliebte Materialien waren Tweed, Wolle und Flanell. Die Anzüge bestanden in der Regel aus drei Teilen: Jacke, Weste und Hose.
- Jacken: Die Jacken waren einreihig oder zweireihig, wobei einreihige Jacken häufiger vorkamen. Sie hatten breite Revers und oft leicht gepolsterte Schultern, um eine maskuline Silhouette zu erzeugen. Die Länge der Jacke war etwas kürzer als in früheren Epochen.
- Westen: Die Weste war ein wichtiger Bestandteil des Anzugs und wurde oft mit auffälligen Mustern oder Farben gewählt, um dem Outfit eine persönliche Note zu verleihen. Es gab sie in verschiedenen Ausführungen, von klassischen Modellen mit Knöpfen bis hin zu Varianten mit Revers.
- Hosen: Die Hosen der 1920er Jahre waren weit geschnitten und hatten einen hohen Bund. Sie wurden oft mit Hosenträgern getragen, da Gürtel weniger üblich waren. Die Hosenbeine waren entweder gerade oder leicht ausgestellt (Oxford Bags), was besonders bei Studenten populär war.
Farben und Muster
Die Farbpalette der Herrenmode in den 1920er Jahren war vielfältig. Neben klassischen Farben wie Grau, Marineblau und Braun waren auch kräftigere Farben wie Grün, Burgunderrot und Senfgelb beliebt. Muster wie Streifen, Karos und Hahnentrittmuster waren weit verbreitet und verliehen den Anzügen und anderen Kleidungsstücken eine besondere Note.
Freizeitkleidung: Sportlich und Elegant
Auch die Freizeitkleidung der Männer erfuhr in den 1920er Jahren eine Wandlung. Sportarten wie Golf, Tennis und Segeln erfreuten sich großer Beliebtheit, was sich auch in der Mode widerspiegelte.
- Knickerbocker: Diese weiten, knielangen Hosen waren besonders bei Golfern und anderen Sportlern beliebt. Sie wurden oft mit langen Socken und Lederschuhen kombiniert.
- Pullover: Strickpullover in verschiedenen Farben und Mustern waren ein fester Bestandteil der Freizeitgarderobe. Sie wurden oft über Hemden mit Kragen getragen.
- Sportjacken: Leichte Jacken aus Tweed oder Wolle waren ideal für Outdoor-Aktivitäten. Sie waren oft mit aufgesetzten Taschen und einem Gürtel ausgestattet.
Hemden und Accessoires: Das i-Tüpfelchen
Die Wahl des richtigen Hemdes und der passenden Accessoires war entscheidend, um den Look der 1920er Jahre zu perfektionieren.
Hemden
Hemden waren in der Regel aus Baumwolle oder Leinen gefertigt und hatten einen steifen Kragen. Beliebte Kragenformen waren der Clubkragen (mit abgerundeten Enden) und der spitze Kragen. Hemden wurden oft mit Manschettenknöpfen getragen, um einen eleganten Akzent zu setzen.
Accessoires
Accessoires spielten eine wichtige Rolle bei der Vervollständigung des Outfits.
- Hüte: Hüte waren unverzichtbar. Der Fedora (Filzhut mit Krempe und Einkerbung) war besonders beliebt, aber auch der Bowler Hat (Melone) und die Schiebermütze waren weit verbreitet.
- Schuhe: Lederschuhe waren die erste Wahl. Beliebte Modelle waren Oxford-Schuhe, Brogues (mit Lochmuster) und Spectator Shoes (zweifarbige Schuhe).
- Krawatten und Fliegen: Krawatten waren oft schmal und hatten auffällige Muster. Fliegen wurden hauptsächlich zu formellen Anlässen getragen.
- Taschentücher: Ein Einstecktuch im Revers der Jacke war ein stilvolles Detail.
- Hosenträger: Da Gürtel weniger üblich waren, wurden Hosen oft mit Hosenträgern getragen. Sie waren oft mit auffälligen Mustern oder Farben versehen.
- Uhren: Taschenuhren waren immer noch beliebt, aber Armbanduhren gewannen zunehmend an Bedeutung.
- Spazierstöcke: Ein Spazierstock war nicht nur ein praktisches Hilfsmittel, sondern auch ein modisches Accessoire.
Einflüsse und Subkulturen
Die Mode der 1920er Jahre wurde von verschiedenen Einflüssen geprägt, darunter der Jazz-Musik, der Kunst des Art déco und dem Lebensgefühl des "Roaring Twenties". Es entstanden auch verschiedene Subkulturen, die ihren eigenen Stil entwickelten.
- Flapper: Obwohl Flapper primär eine Bezeichnung für Frauen war, beeinflusste der rebellische und freizügige Stil dieser jungen Frauen auch die Herrenmode. Männer, die sich mit dem Lebensstil der Flapper identifizierten, bevorzugten oft lockere Kleidung und auffällige Accessoires.
- Gangster: Die Prohibition in den USA führte zu einem Anstieg der Kriminalität, und die Gangster der 1920er Jahre entwickelten ihren eigenen, unverkennbaren Stil. Sie trugen oft teure Anzüge, auffällige Hüte und glänzende Schuhe.
- Studenten: Studenten an Universitäten und Colleges prägten ebenfalls die Mode der 1920er Jahre. Sie bevorzugten oft bequeme Kleidung wie Oxford Bags und Pullover, aber auch stilvolle Anzüge für formellere Anlässe.
Das Erbe der 1920er Jahre
Die Mode der 1920er Jahre hat bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Sie inspiriert Designer, Filmemacher und Modebegeisterte auf der ganzen Welt. Elemente des Stils der 1920er Jahre finden sich immer wieder in aktuellen Kollektionen und verleihen Outfits eine besondere Note von Eleganz und Raffinesse. Der lässige, aber dennoch stilvolle Look der 1920er Jahre ist zeitlos und kann problemlos in die moderne Garderobe integriert werden.
Indem man die Grundprinzipien der Herrenmode der 1920er Jahre versteht – die lockere Silhouette, die Bedeutung des Anzugs, die Vielfalt der Accessoires – kann man einen Hauch dieses goldenen Zeitalters in seinen eigenen Stil integrieren. Ob es sich um einen kompletten Anzug im Stil der 1920er Jahre handelt oder nur um ein einzelnes Accessoire wie einen Fedora-Hut oder Manschettenknöpfe, die Mode der 1920er Jahre bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, seinen persönlichen Stil zum Ausdruck zu bringen und gleichzeitig die Eleganz und Raffinesse dieser Ära zu würdigen.
Für Expats und Neuankömmlinge, die sich für die deutsche Kultur und ihre Geschichte interessieren, ist das Verständnis der Mode der 1920er Jahre ein spannender Einblick in eine Zeit des Wandels und des Aufbruchs. Die Mode dieser Ära spiegelt nicht nur den gesellschaftlichen Wandel wider, sondern auch den Wunsch nach Individualität und Selbstausdruck.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Mode der 1920er Jahre für Männer mehr war als nur Kleidung; sie war ein Ausdruck von Lebensgefühl, Rebellion und dem Wunsch nach einer neuen, besseren Zukunft nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs. Sie bleibt bis heute eine Quelle der Inspiration und eine Erinnerung an eine Ära, die die Welt für immer verändert hat.
