Monitor Geht An Und Aus Beim Hochfahren
Es ist Montagmorgen. Der Wecker hat geklingelt, viel zu früh, wie immer. Kaffee! Das ist die Devise. Und danach: Mails checken. Die Arbeit ruft. Ich drücke den Power-Knopf meines Computers… und nichts. Naja, fast nichts. Der Bildschirm flackert. Er geht an. Er geht aus. Ein Stroboskop-Effekt der Verzweiflung.
Okay, tief durchatmen. Das ist nicht das Ende der Welt. Aber es fühlt sich gerade so an. Erinnerungen an den letzten IT-Support-Anruf ziehen vorbei. Stunden in der Warteschleife, gefolgt von kryptischen Anweisungen, die nur noch mehr Fragezeichen aufwerfen. Nein, heute nicht. Heute nehme ich die Sache selbst in die Hand.
Mein erster Gedanke? Kabel. Immer die Kabel. Hat sich vielleicht eins gelockert? Ich krieche unter den Schreibtisch, eine archäologische Ausgrabung der vergessenen USB-Sticks und Staubmäuse. Tatsächlich! Das Stromkabel zum Monitor saß nicht ganz fest. Hoffnung keimt auf. Ich drücke es fest hinein. Wieder der Power-Knopf… Flackern. An. Aus. Mist.
Plan B: Der „Bist-du-auch-wirklich-angeschlossen“-Check. Funktioniert die Steckdose überhaupt? Ich schnappe mir die Nachttischlampe und stecke sie ein. Sie leuchtet. Die Steckdose ist unschuldig. Der Monitor hingegen… naja, er macht immer noch Party im Stroboskop-Modus.
Der Blick in die Vergangenheit
Jetzt beginnt die Detektivarbeit. Was hat sich seit dem letzten problemlosen Hochfahren geändert? Hat vielleicht das Update von Windows gestern Abend etwas zerschossen? Oder war es doch die Installation des neuesten "Grafik-Beschleunigers 3000 Turbo Boost Pro", der mir versprochen hat, meine Spiele in nie dagewesener Pracht darzustellen? Wahrscheinlicher ist Letzteres.
Ich erinnere mich an meinen Großvater. Der Mann war ein Meister der „Reparatur durch Beobachtung“. Stundenlang konnte er vor einem kaputten Radio sitzen, es von allen Seiten betrachten, daran rütteln und schütteln, bis er den Fehler gefunden hatte. Manchmal, so munkelten wir Kinder, habe er das Radio einfach nur so lange bearbeitet, bis es aus Angst wieder funktionierte. Ob das auch bei einem Monitor klappt?
Ich beginne also mit dem Beobachten. Der Monitor flackert in einer bestimmten Frequenz. Es ist fast hypnotisch. An. Aus. An. Aus. Fast wie ein Morsecode. Was will er mir sagen? „Ich bin müde“? „Bring mich zum Recyclinghof“? „Kauf dir einen neuen“? Das letzte ist leider das wahrscheinlichste.
Die Hilfsbereitschaft der Familie
In meiner Verzweiflung wende ich mich an meinen Bruder. Er ist derjenige in der Familie, der sich tatsächlich mit Computern auskennt. Er hat irgendwas mit Informatik studiert. Ich erzähle ihm von meinem Problem. Er hört geduldig zu und fragt dann: „Hast du ihn mal aus- und wieder eingeschaltet?“.
Ich verdrehe die Augen. „Ja! Natürlich! Das ist das Erste, was ich gemacht habe!“. Er lacht. „Okay, okay. Aber hast du ihn *wirklich* ausgemacht? Also, vom Strom genommen? Und dann ein paar Minuten gewartet?“.
Ich seufze. Manchmal ist die einfachste Lösung die beste. Ich ziehe den Stecker des Monitors. Warte fünf Minuten. Atme tief durch. Stecke ihn wieder ein. Drücke den Power-Knopf… Nichts. Immer noch das gleiche Flackern. Mein Bruder grinst am anderen Ende der Leitung. „Tja, dann weiß ich auch nicht. Vielleicht ist er wirklich kaputt.“ Danke, Bruderherz!
Die Erkenntnis
Inzwischen ist es Mittag. Ich habe Stunden damit verbracht, einen Monitor zu bearbeiten, der offensichtlich beschlossen hat, seinen Dienst zu quittieren. Ich gebe auf. Ich bestelle online einen neuen. Er soll morgen kommen. Bis dahin arbeite ich auf dem Laptop meiner Frau. Sie ist not amused.
Am nächsten Tag kommt der neue Monitor. Ich schließe ihn an. Alles funktioniert einwandfrei. Ein Bild wie gemalt. Gestochen scharf. Ich bin glücklich. Aber dann… aus Neugier… schließe ich den alten Monitor noch einmal an. Und was passiert? Er funktioniert. Einfach so. Er startet normal. Kein Flackern. Nichts.
Ich stehe vor dem Monitor und starre ihn an. Was zur Hölle ist hier los? Hat er mich verarscht? Hat er meine Verzweiflung gespürt und sich gedacht: „Okay, ich gebe auf, bevor ich im Elektroschrott lande“? Oder war es vielleicht doch die Macht der Beobachtung meines Großvaters, die auf mysteriöse Weise gewirkt hat?
Vielleicht ist die Moral von der Geschichte, dass man Computer nicht immer verstehen muss. Manchmal muss man sie einfach nur ignorieren und einen neuen kaufen. Und manchmal… reparieren sie sich von selbst.
Und so endet die Geschichte vom flackernden Monitor. Mit einem neuen Monitor auf dem Schreibtisch und einem alten Monitor, der plötzlich wieder funktioniert. Was ich mit dem alten Monitor mache? Keine Ahnung. Vielleicht verkaufe ich ihn. Oder ich behalte ihn als Erinnerung daran, dass Technik manchmal genauso unberechenbar ist wie das Leben selbst. Und dass ein bisschen Humor bei der Fehlersuche nie schaden kann.
Vielleicht sollte ich ihm einen Namen geben. Flacko, der Monitor der tausend Tode? Oder Lazarus, der von den Toten auferstandene Bildschirm? Ich entscheide mich für keins von beidem. Ich nenne ihn einfach… meinen alten Monitor.
