Nathan Der Weise 1 Aufzug 3 Auftritt Zusammenfassung
Stellt euch vor, ihr seid in Jerusalem, aber nicht in einem Geschichtsbuch, sondern mitten in einem turbulenten Theaterstück! Und zwar im ersten Aufzug, dritte Szene von Lessings Nathan der Weise. Lasst uns da mal reinschauen, als wären wir neugierige Nachbarn, die durchs Schlüsselloch gucken.
Da ist Nathan, der weise Jude. Der ist aber erstmal gar nicht da! Was?! Ja, richtig gehört. Die Szene beginnt mit Daja, Nathans christlicher Gesellschafterin, und einem jungen Tempelherrn. Daja ist so eine Art umtriebige, leicht aufgeregte Hausdame, die immer alles im Blick haben will. Und der Tempelherr... nun, der ist erstmal der strahlende Held, der aber so gar nicht heldenhaft sein will.
Ein Tempelherr wider Willen
Der Tempelherr wurde nämlich gerade von Sultan Saladin begnadigt! Der Sultan höchstpersönlich hat ihm das Leben geschenkt. Warum? Weil er dem Sultan so ähnlich sehen soll, wie ein verstorbener Bruder. Klingt verrückt? Ist es auch! Der junge Mann findet die ganze Sache aber eher peinlich und will am liebsten einfach nur wieder weg. Er ist kein Fan von Dankbarkeit oder Lobhudelei. Eher so der Typ: "Lasst mich einfach in Ruhe!"
Daja's Kuppelversuche
Hier kommt Daja ins Spiel. Die hat nämlich ganz andere Pläne. Sie ist überzeugt, dass der Tempelherr der perfekte Ehemann für Recha, Nathans Adoptivtochter, wäre. Und Daja wäre nicht Daja, wenn sie das nicht sofort in die Wege leiten würde. Sie schwärmt dem Tempelherrn von Rechas Schönheit und Tugend vor, als gäbe es kein Morgen. Der Tempelherr ist davon aber wenig begeistert. Er ist eher genervt von Dajas Kuppelversuchen. Man könnte fast meinen, er flüchtet lieber zurück in die Schlacht, als sich auf ein Date mit Recha einzulassen!
"Er ist jung, tapfer, christlich... was will man mehr?", scheint Daja zu denken.
Das Ganze ist eigentlich ziemlich witzig. Hier haben wir einen Helden wider Willen und eine Kupplerin mit viel Herz, die beide so gar nicht auf einer Wellenlänge sind. Der Tempelherr, der am liebsten anonym bleiben würde, wird von Daja regelrecht ins Rampenlicht gezerrt.
Die Abwesenheit des Weisen
Das Besondere an dieser Szene ist ja, dass der eigentliche Hauptcharakter, Nathan, gar nicht anwesend ist. Trotzdem spürt man seine Präsenz irgendwie. Daja spricht über ihn, erzählt von seiner Weisheit und Güte. Und man merkt, dass er eine Art Ruhepol in diesem ganzen Trubel ist.
Seine Abwesenheit lässt Raum für Spekulationen. Was macht er wohl? Warum ist er nicht da? Und vor allem: Was wird er zu Dajas Heiratsplänen sagen? Man ahnt schon, dass Nathan sicher seine ganz eigene Sichtweise auf die Dinge haben wird. Er ist ja schliesslich der Weise! Und Weise Menschen haben ja bekanntlich immer einen Plan (oder zumindest eine gute Antwort).
Im Grunde ist diese Szene eine Art kleines Vorspiel. Sie bereitet den Boden für das vor, was noch kommen wird. Die Begegnung zwischen dem Tempelherrn und Recha, Nathans Reaktion auf Dajas Kuppelversuche, die grossen Fragen nach Toleranz und Menschlichkeit. All das wird hier schon angedeutet.
Also, was lernen wir daraus? Manchmal sind die spannendsten Geschichten die, die zwischen den Zeilen erzählt werden. Und manchmal sind die klügsten Menschen die, die erstmal gar nicht da sind. Und vor allem: Eine umtriebige Hausdame mit Heiratsplänen kann mehr Aufruhr stiften als eine ganze Armee! Wir sind gespannt, wie es weitergeht im turbulenten Jerusalem von Nathan der Weise!
Und wer weiß, vielleicht steckt ja in jedem von uns ein kleiner Nathan, ein kleiner Tempelherr oder eine kleine Daja. Es kommt nur darauf an, die Weisheit, den Mut und die Herzlichkeit im richtigen Moment zu entdecken.
