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Nathan Der Weise 3 Aufzug 9 Auftritt Szenenanalyse


Nathan Der Weise 3 Aufzug 9 Auftritt Szenenanalyse

Nathan der Weise, 3. Aufzug, 9. Auftritt: Eine Szenenanalyse

Der 9. Auftritt des 3. Aufzugs von Lessings Nathan der Weise ist eine Schlüsselszene des Dramas. Hier treffen Nathan und Saladin, der Sultan von Jerusalem, zum ersten Mal direkt aufeinander. Diese Begegnung ist von großer Bedeutung, da sie die zentralen Themen des Stücks – Toleranz, Vernunft und die Suche nach der wahren Religion – aufgreift und in einer spannungsgeladenen Situation verhandelt.

Die Ausgangssituation

Zuvor hat Saladin von Nathans Reichtum und angeblicher Weisheit gehört. Neugierig geworden, beschließt er, Nathan auf die Probe zu stellen. Er plant, ihn nach der wahren Religion zu fragen, in der Hoffnung, ihn so zu einer Stellungnahme zu zwingen, die ihn entweder als Verräter entlarvt oder ihn bloßstellt, falls er sich weigert, eine klare Antwort zu geben. Saladin agiert in dieser Szene also zunächst strategisch und kalkulierend. Er sucht nicht primär nach Wahrheit, sondern nach einer Möglichkeit, Nathans Haltung zu durchschauen.

Der Dialog zwischen Saladin und Nathan

Der Dialog beginnt mit einer formellen Begrüßung. Saladin eröffnet das Gespräch direkt mit der Frage nach der wahren Religion. Nathan, der die Absicht Saladins erahnt, weicht zunächst aus. Er versucht, der Frage eine allgemeine Bedeutung zu geben, indem er auf die historische Entwicklung der Religionen und deren Wurzeln verweist. Er argumentiert, dass Religionen durch Überlieferung und Erziehung geprägt sind, was die Frage nach ihrer absoluten Wahrheit schwierig macht. Er versucht, die Frage nach der "wahren" Religion zu entkräften, indem er die Relativität religiöser Wahrheiten betont.

Saladin: Nun sag! welche Religion ist die wahre?

Nathan: Herr Sultan, ich bin Jude.

Dieser anfängliche Schlagabtausch ist von Taktik geprägt. Saladin versucht, Nathan in die Enge zu treiben, während Nathan versucht, einer direkten Antwort auszuweichen. Er tut dies nicht aus Feigheit, sondern aus der Überzeugung heraus, dass eine einfache, kategorische Antwort der Komplexität der Frage nicht gerecht werden kann.

Die Ringparabel

Als Saladin auf seiner Frage beharrt, erzählt Nathan die berühmte Ringparabel. Diese Parabel ist das Herzstück der Szene und des gesamten Dramas. Sie handelt von einem Mann, der einen wertvollen Ring besitzt, der die Kraft hat, seinen Träger vor Gott und den Menschen angenehm zu machen, wenn er ihn in dem Glauben trägt. Dieser Ring wird von Generation zu Generation weitergegeben, immer an denjenigen Sohn, der dem Vater am liebsten ist. Schließlich besitzt ein Vater drei Söhne, die er alle gleich liebt. Um keinen zu benachteiligen, lässt er zwei Kopien des Rings anfertigen, die dem Original zum Verwechseln ähnlich sind. Vor seinem Tod gibt er jedem Sohn einen Ring. Nach dem Tod des Vaters streiten die Söhne darum, wer den echten Ring besitzt, da jeder von ihnen behauptet, er habe ihn. Ein Richter rät ihnen daraufhin, anzunehmen, dass jeder Ring echt ist und dass sie versuchen sollen, die Kraft des Rings durch ihr Verhalten zu beweisen, indem sie einander und ihren Mitmenschen mit Liebe und Toleranz begegnen. Die Parabel dient als Metapher für die drei monotheistischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam – und fordert dazu auf, die Frage nach der absoluten Wahrheit zu relativieren und stattdessen die praktische Ausübung von Menschlichkeit und Toleranz in den Vordergrund zu stellen.

Die Ringparabel ist mehr als nur eine Geschichte; sie ist eine philosophische Aussage. Sie argumentiert, dass die Frage nach der "wahren" Religion letztlich unbeantwortbar ist und dass es wichtiger ist, sich an den ethischen Prinzipien zu orientieren, die allen Religionen gemeinsam sind. Die Parabel plädiert für eine Haltung der Toleranz und des Respekts gegenüber Andersgläubigen und betont die Notwendigkeit, die eigenen Überzeugungen kritisch zu hinterfragen.

Saladins Reaktion und die Auflösung der Spannung

Saladin ist von Nathans Parabel tief beeindruckt. Er erkennt die Weisheit und die subtile Kritik, die in der Geschichte enthalten sind. Statt Nathan als Verräter zu verurteilen, zeigt er sich offen für dessen Argumentation und gesteht, dass er ihn mit seiner Frage habe prüfen wollen. Die Spannung in der Szene löst sich auf, und es entsteht ein Gespräch auf Augenhöhe. Saladin bekennt, dass er die Intention hinter Nathans Parabel verstanden hat und dass er dessen Botschaft der Toleranz und Menschlichkeit wertschätzt. Er sieht in Nathan nun nicht mehr einen potenziellen Feind, sondern einen weisen und respektablen Gesprächspartner.

Saladin: Bei Gott! der Mann hat recht. – So ist es ja!

Dieser Moment der Erkenntnis markiert einen Wendepunkt im Drama. Er zeigt, dass Dialog und Vernunft in der Lage sind, Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Die Begegnung zwischen Saladin und Nathan demonstriert, dass es möglich ist, über religiöse Differenzen hinweg einen gemeinsamen Nenner zu finden und eine Basis für friedliches Zusammenleben zu schaffen. Saladin lädt Nathan ein, sein Freund zu sein, was die Versöhnung und das gegenseitige Verständnis zwischen den beiden Männern besiegelt.

Die Bedeutung der Szene im Kontext des Dramas

Der 9. Auftritt des 3. Aufzugs ist von zentraler Bedeutung für das Verständnis von Nathan der Weise. Er verkörpert Lessings Aufruf zur Toleranz und zur Überwindung religiöser Vorurteile. Die Ringparabel ist ein Schlüsseltext der Aufklärung und ein Plädoyer für die Vernunft als Mittel zur Lösung von Konflikten. Die Szene zeigt, dass es möglich ist, über religiöse und kulturelle Unterschiede hinweg Gemeinsamkeiten zu finden und eine Gesellschaft zu schaffen, die von Respekt und gegenseitigem Verständnis geprägt ist. Sie verdeutlicht, dass wahre Weisheit nicht in der dogmatischen Verteidigung der eigenen Überzeugung liegt, sondern in der Fähigkeit, andere Perspektiven zu akzeptieren und voneinander zu lernen.

Diese Szene, in der Saladin und Nathan aufeinandertreffen, markiert also nicht nur eine wichtige Entwicklung in der Handlung, sondern dient auch als didaktischer Moment, der die zentrale Botschaft des Dramas – die Bedeutung von Toleranz und Vernunft – eindrücklich vermittelt. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Lessing durch die Figur des Nathan und durch die Ringparabel einen Appell an die Menschlichkeit und zur Überwindung von Vorurteilen formuliert, der bis heute relevant ist.

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