Never Let Me Go Summary
Hallo, liebe Reisefreunde und Bücherwürmer! Heute nehme ich euch mit auf eine ganz besondere Reise. Keine Angst, wir packen keine Koffer und besteigen kein Flugzeug. Stattdessen tauchen wir ein in die tiefgründige und erschütternde Welt von Kazuo Ishiguros Roman "Alles, was wir geben mussten" – im Original "Never Let Me Go". Ich weiß, ein Roman ist kein typisches Reiseziel, aber glaubt mir, diese literarische Expedition wird euch lange im Gedächtnis bleiben, eure Perspektive verändern und euch zum Nachdenken anregen, wie kaum eine physische Reise es könnte.
Stellt euch vor, ihr landet nicht in einer quirligen Metropole oder an einem einsamen Strand, sondern in Hailsham, einem Internat im ländlichen England. Es ist ein idyllischer Ort, voller grüner Wiesen, gepflegter Gärten und liebevoller Lehrer. Hier wachsen unsere Protagonisten auf: Kathy, Tommy und Ruth. Sie sind Schüler in Hailsham, einer Schule, die Wert auf Kreativität, Kunst und gegenseitige Fürsorge legt. Ihre Tage sind gefüllt mit Malen, Schreiben, Theater spielen und dem Sammeln ihrer besten Werke für die mysteriöse "Galerie".
Doch schon bald spürt man, dass etwas nicht stimmt. Da ist eine unterschwellige Spannung, ein Geheimnis, das wie ein dichter Nebel über Hailsham liegt. Die Schüler werden angehalten, sich nicht zu weit vom Gelände zu entfernen, und es wird immer wieder betont, wie wichtig ihre Gesundheit ist. Warum ist das so? Nun, das erfahren wir erst nach und nach, und die Wahrheit ist alles andere als beruhigend.
Die Geschichte wird aus der Perspektive von Kathy erzählt, einer jungen Frau in ihren Dreißigern, die als "Betreuerin" arbeitet. Diese Rolle, die wir später besser verstehen werden, deutet schon an, dass hier etwas anders ist. Kathy erinnert sich an ihre Zeit in Hailsham und an ihre Freundschaft mit Tommy und Ruth. Ihre Erinnerungen sind bruchstückhaft, voller Details, die anfangs harmlos wirken, aber im Laufe der Geschichte immer mehr Gewicht bekommen.
Die enthüllende Wahrheit
Eines Tages erfahren die Schüler von Hailsham die erschütternde Wahrheit: Sie sind Klone, die gezüchtet wurden, um ihre Organe zu spenden. Ihr Leben ist vorbestimmt, ihre Zukunft besiegelt. Sie werden so lange spenden, bis sie "vollendet" sind, wie es im Roman euphemistisch heißt. Diese Enthüllung ist wie ein Schock, der nicht nur die Charaktere, sondern auch den Leser tief trifft. Plötzlich erscheint die idyllische Welt von Hailsham in einem völlig neuen Licht. Die Kunstwerke, die Galerie, die liebevolle Betreuung – alles diente nur einem Zweck: die Schüler so lange wie möglich gesund und funktionsfähig zu halten, damit sie ihre Bestimmung erfüllen können.
Die Dreiecksbeziehung
Neben der düsteren Realität ihrer Existenz spielt auch eine komplizierte Dreiecksbeziehung zwischen Kathy, Tommy und Ruth eine zentrale Rolle. Kathy ist schon als Kind in Tommy verliebt, aber ihre schüchterne Natur und die Umstände führen dazu, dass Ruth und Tommy ein Paar werden. Diese Beziehung prägt ihr Leben und beeinflusst ihre Entscheidungen auf dramatische Weise. Die Dynamik zwischen den dreien ist geprägt von Liebe, Eifersucht, Verrat und dem tiefen Wunsch nach Akzeptanz und Zugehörigkeit.
Nach Hailsham ziehen Kathy, Tommy und Ruth in sogenannte "Cottages", wo sie auf ihre Spenden vorbereitet werden. Hier haben sie mehr Freiheit, aber auch die Ahnungslosigkeit ihrer Zukunft weicht langsam der Gewissheit. Sie treffen auf andere Klone, die bereits gespendet haben, und erleben die Realität ihrer Bestimmung hautnah. In den Cottages versuchen sie, ihr Leben so normal wie möglich zu gestalten, knüpfen Freundschaften, verlieben sich und träumen von einer Zukunft, die ihnen nie gehören wird.
Ruth, die innerlich mit ihrer Rolle hadert und von Schuldgefühlen geplagt wird, versucht, ihre Freundschaft mit Kathy und Tommy zu kitten. Sie glaubt, dass es eine Möglichkeit gibt, die Spenden hinauszuzögern, wenn ein Paar beweisen kann, dass sie wirklich verliebt sind. Sie erinnert sich an Gerüchte über einen "Aufschub", der Paaren gewährt werden kann, die ihre Liebe durch ihre Kunst beweisen können. Diese Hoffnung, so gering sie auch sein mag, treibt Kathy und Tommy an, nach einer Möglichkeit zu suchen, ihre Spenden zu verzögern.
Die Suche nach dem Aufschub
Kathy und Tommy machen sich auf die Suche nach Madame, einer der ehemaligen Lehrerinnen aus Hailsham, die eine Schlüsselfigur in der "Galerie" war. Sie hoffen, dass Madame ihnen helfen kann, den Aufschub zu bekommen. Ihre Reise ist geprägt von Hoffnung und Verzweiflung. Sie klammern sich an die Möglichkeit, ihre Bestimmung hinauszuzögern, aber sie wissen auch, dass die Zeit gegen sie arbeitet.
Die Begegnung mit Madame ist enttäuschend. Sie erfahren, dass der Aufschub niemals existiert hat. Die Galerie diente lediglich dazu, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und zu zeigen, dass Klone auch Gefühle und eine Seele haben. Aber es gab nie eine Möglichkeit, ihre Spenden zu verhindern. Diese Erkenntnis ist ein weiterer schwerer Schlag für Kathy und Tommy.
Das Ende einer Reise
Am Ende des Romans steht Kathy allein da. Ruth ist bereits "vollendet", und auch Tommy stirbt nach seiner vierten Spende. Kathy akzeptiert ihr Schicksal und bereitet sich auf ihre eigenen Spenden vor. Obwohl sie kein Happy End bekommt, findet sie in ihrer Freundschaft zu Tommy und Ruth Trost und Bedeutung. Sie hat geliebt, gelacht und gelitten, und sie hat versucht, ihr Leben so gut wie möglich zu gestalten, trotz der Umstände.
"Alles, was wir geben mussten" ist kein leichter Roman. Er ist düster, melancholisch und regt zum Nachdenken an. Aber er ist auch wunderschön geschrieben, voller menschlicher Wärme und tiefgründiger Emotionen. Er stellt Fragen nach Identität, Moral, Freiheit und dem Wert des Lebens. Er zwingt uns, über unsere eigene Sterblichkeit nachzudenken und darüber, was es bedeutet, Mensch zu sein.
Warum empfehle ich diesen Roman als "Reiseziel"? Weil er uns an Orte führt, die wir sonst nie erreichen würden. Er lässt uns in die Herzen und Köpfe von Menschen blicken, die mit einer unmöglichen Situation konfrontiert sind. Er fordert uns heraus, unsere eigenen Werte und Überzeugungen zu hinterfragen. Und er schenkt uns eine neue Perspektive auf das Leben und die Welt um uns herum.
Also, packt eure Taschentücher ein (ihr werdet sie brauchen!) und begebt euch auf diese literarische Reise. Es ist eine Reise, die euch verändern wird, und die ihr so schnell nicht vergessen werdet. Und wer weiß, vielleicht werdet ihr nach der Lektüre dieses Romans eure eigenen Reisen mit anderen Augen sehen.
Denkt daran, das Leben ist kostbar, und jede Erfahrung, egal wie schmerzhaft sie auch sein mag, kann uns etwas lehren und uns zu besseren Menschen machen. Bis zum nächsten Mal und gute Reise!
