Nicht Mehr Vermittelbar Wegen Pflegegrad 3
Hallo ihr Lieben, eure reiselustige Anna meldet sich mal wieder! Normalerweise berichte ich euch ja von meinen aufregenden Abenteuern in fernen Ländern, von versteckten Stränden in Thailand oder den atemberaubenden Alpenpässen. Aber heute ist es etwas anders. Heute möchte ich eine sehr persönliche Geschichte mit euch teilen, eine Geschichte, die mich sehr geprägt hat und die vielleicht auch dem ein oder anderen von euch helfen kann, wenn ihr in einer ähnlichen Situation seid.
Es geht um meine Oma, die Frau, die mir das Backen beigebracht hat, die mir unzählige Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen hat und mit der ich meine ersten Flugreisen unternommen habe. Oma war immer fit und aktiv, hat ihren Garten geliebt und war der absolute Mittelpunkt unserer Familie. Doch dann, vor ein paar Jahren, fing es an. Kleine Vergesslichkeiten, die wir zuerst auf ihr Alter geschoben haben. Dann aber wurden sie häufiger, die Orientierungslosigkeit nahm zu und schließlich wurde die Diagnose Demenz gestellt. Ein Schock für uns alle.
Wir haben versucht, Oma so lange wie möglich zu Hause zu betreuen. Mein Vater, meine Tante und ich haben uns abgewechselt, waren für sie da, haben versucht, ihr den Alltag so angenehm wie möglich zu gestalten. Aber mit der Zeit wurde es immer schwieriger. Oma brauchte immer mehr Hilfe, auch nachts. Wir waren alle am Limit, körperlich und emotional. Schließlich wurde ein Pflegegrad 3 festgestellt. Und damit begann ein neues Kapitel, ein Kapitel voller Bürokratie, Frustration und der schmerzhaften Erkenntnis: "Nicht mehr vermittelbar."
Die Suche nach einem Platz im Pflegeheim: Ein wahrer Albtraum
Klingt hart, oder? Ist es auch. Denn was bedeutet das eigentlich, "nicht mehr vermittelbar"? Es bedeutet, dass viele Pflegeheime sich weigern, Menschen mit einem höheren Pflegegrad aufzunehmen. Warum? Weil es mehr Aufwand bedeutet, mehr Personal benötigt und natürlich auch mehr Kosten verursacht. Und da viele Pflegeheime unter Personalmangel leiden und finanziell ohnehin schon am Limit sind, scheuen sie sich vor "schwierigen Fällen".
Wir haben unzählige Pflegeheime in der Umgebung angerufen, sind persönlich hingefahren, haben Anträge ausgefüllt und Wartelisten durchforstet. Die Antworten waren immer ähnlich: "Im Moment haben wir leider keinen Platz frei" oder "Ihr Fall ist leider sehr komplex, das können wir im Moment nicht leisten." Diese Absagen waren wie Ohrfeigen, jedes Mal aufs Neue. Es war zum Verzweifeln! Ich erinnere mich noch genau an einen Besuch in einem Pflegeheim, wo die Pflegedienstleitung uns sagte: "Frau Schmidt, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen. Wir müssen schauen, dass wir rentabel arbeiten." Oma saß daneben, verstand nicht viel, aber spürte die Ablehnung. Es hat mir das Herz gebrochen.
Wir haben dann begonnen, überregional zu suchen. Sogar in anderen Bundesländern. Und auch hier das gleiche Bild. Die Situation war so verzweifelt, dass wir schon überlegten, Oma zu Hause zu pflegen, egal wie anstrengend es werden würde. Aber wir wussten auch, dass wir das auf Dauer nicht schaffen würden. Wir brauchten professionelle Hilfe.
Die Lichtblicke in der Dunkelheit: Unterstützung und Hoffnung
Gott sei Dank haben wir nicht aufgegeben. Wir haben uns Hilfe gesucht, bei Beratungsstellen, beim Sozialamt und bei Selbsthilfegruppen. Dort haben wir wertvolle Tipps bekommen und erfahren, dass wir nicht allein sind mit unserem Problem. Es gibt viele Familien, die in der gleichen Situation stecken. Das hat uns Mut gemacht.
Eine Mitarbeiterin vom Sozialamt hat uns dann einen Tipp gegeben: Es gibt kleinere, private Pflegeheime, die oft spezialisiert sind auf bestimmte Krankheitsbilder oder Pflegegrade. Diese Heime sind oft familiärer und individueller, aber auch teurer. Wir haben uns einige dieser Heime angesehen und waren positiv überrascht. Die Atmosphäre war viel persönlicher, die Betreuung intensiver und die Mitarbeiter wirkten engagierter.
Und dann hatten wir endlich Glück! Wir fanden ein kleines, aber feines Pflegeheim in einem Nachbarort. Die Leiterin war sehr einfühlsam und verständnisvoll. Sie sagte, sie hätten zwar auch ihre Grenzen, aber sie würden alles versuchen, Oma bei sich aufzunehmen. Nach einem ausführlichen Gespräch und einem Probetag haben sie Oma dann tatsächlich aufgenommen. Ein riesiger Stein fiel uns vom Herzen!
Oma lebt jetzt seit fast zwei Jahren in diesem Pflegeheim und fühlt sich dort wohl. Natürlich ist es nicht wie zu Hause, aber sie wird gut betreut, bekommt die Medikamente, die sie braucht, und hat Gesellschaft. Wir besuchen sie regelmäßig und sehen, dass es ihr gut geht. Das ist das Wichtigste.
Was ich aus dieser Erfahrung gelernt habe: Meine Tipps für euch
Diese Erfahrung war unglaublich lehrreich für mich. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich frühzeitig mit dem Thema Pflege auseinanderzusetzen. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich zu informieren, sich Hilfe zu suchen und nicht aufzugeben. Und ich habe gelernt, wie wichtig es ist, für seine Lieben zu kämpfen.
Hier sind meine Tipps für euch, wenn ihr in einer ähnlichen Situation seid:
Früherkennung ist wichtig!
Achtet auf die ersten Anzeichen von Demenz oder anderen Erkrankungen, die zu Pflegebedürftigkeit führen können. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser können Maßnahmen ergriffen werden.
Informiert euch!
Sprecht mit eurem Hausarzt, geht zu Beratungsstellen, informiert euch im Internet. Es gibt viele Informationen und Hilfsangebote. Nutzt sie!
Sucht euch Unterstützung!
Sprecht mit eurer Familie, mit Freunden, mit Selbsthilfegruppen. Ihr seid nicht allein! Gemeinsam könnt ihr die Situation besser bewältigen.
Gebt nicht auf!
Die Suche nach einem Pflegeheimplatz kann sehr frustrierend sein. Aber gebt nicht auf! Bleibt hartnäckig und sucht weiter. Es gibt auch Heime, die bereit sind, "schwierige Fälle" aufzunehmen.
Achtet auf eure eigene Gesundheit!
Die Pflege eines Angehörigen ist sehr anstrengend. Achtet auf eure eigene Gesundheit und nehmt euch Auszeiten. Nur wenn ihr selbst fit seid, könnt ihr für eure Lieben da sein.
Und zum Schluss noch ein ganz persönlicher Tipp von mir: Vergesst nicht, die schönen Momente mit euren Lieben zu genießen. Macht Ausflüge, spielt Spiele, erzählt Geschichten. Auch wenn die Krankheit fortschreitet, gibt es immer noch Möglichkeiten, schöne Erinnerungen zu schaffen.
Die Zeit, die wir mit unseren Lieben verbringen, ist unbezahlbar. Gerade in schwierigen Zeiten sollten wir uns daran erinnern.
Ich hoffe, meine Geschichte hat euch etwas Mut gemacht und euch vielleicht sogar ein wenig geholfen. Bleibt stark und lasst euch nicht unterkriegen! Eure Anna.
P.S.: Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr mir gerne schreiben. Ich versuche, so gut ich kann, zu helfen.
