Otfried Preußler Steckbrief Für Schüler
Otfried Preußler ist einer der bekanntesten und beliebtesten Kinderbuchautoren Deutschlands. Seine Geschichten wie Der Räuber Hotzenplotz, Die kleine Hexe, Das kleine Gespenst und Krabat haben Generationen von Kindern begeistert. Dieser Steckbrief soll Schülern und allen Interessierten einen Überblick über sein Leben und Werk geben.
Kindheit und Jugend
Otfried Preußler wurde am 20. Oktober 1923 in Reichenberg (heute Liberec) in Böhmen geboren. Reichenberg gehörte damals zur Tschechoslowakei, war aber überwiegend von Deutschen bewohnt. Er wuchs in einem bildungsbürgerlichen Elternhaus auf. Sein Vater war Lehrer und seine Mutter Hausfrau. Die Familie lebte in der Nähe des Isergebirges, einer Gegend, die Preußler später als Inspiration für seine Geschichten diente.
Schon als Kind war Preußler ein begeisterter Leser und Geschichtenerzähler. Er liebte es, Märchen und Sagen zu hören und las viel. Bereits in der Schulzeit begann er, selbst kleine Geschichten zu schreiben. Seine Großmutter Dora spielte eine wichtige Rolle in seiner Kindheit. Sie erzählte ihm viele alte Sagen und Legenden aus Böhmen, die ihn stark prägten und später in seinen Werken wiederzufinden sind. Besonders die Sage von Krabat faszinierte ihn von klein auf.
Die politische Situation in der Tschechoslowakei in den 1930er Jahren war angespannt. Die zunehmenden Spannungen zwischen Deutschen und Tschechen beeinflussten auch Preußlers Kindheit. Nach dem Münchner Abkommen 1938 wurde Reichenberg dem Deutschen Reich angegliedert.
Kriegszeit und Gefangenschaft
Nach dem Abitur wurde Otfried Preußler 1942 zur Wehrmacht eingezogen. Er diente an der Ostfront und geriet 1944 in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Die folgenden fünf Jahre verbrachte er in verschiedenen Lagern in der Sowjetunion. Die Zeit in der Gefangenschaft war hart und entbehrungsreich. Preußler erlebte Hunger, Kälte und Krankheiten. Viele seiner Kameraden starben. Um die Zeit erträglicher zu machen und seine Mitgefangenen aufzumuntern, erzählte er ihnen Geschichten. Diese Erfahrungen prägten ihn tief und beeinflussten sein späteres Schreiben.
Erst 1949 kehrte Preußler aus der Gefangenschaft nach Deutschland zurück. Er fand seine Familie in Rosenheim in Bayern wieder. Seine Eltern und seine Verlobte Annelies Kind, die er noch vor dem Krieg kennengelernt hatte, hatten die Kriegsjahre überlebt.
Berufliche Laufbahn und schriftstellerisches Werk
Nach seiner Rückkehr heiratete Otfried Preußler Annelies Kind und begann eine Ausbildung zum Volksschullehrer. Er unterrichtete zunächst in einer Dorfschule, später in Rosenheim. Neben seiner Arbeit als Lehrer begann er, Kinderbücher zu schreiben. Seine Erfahrungen als Geschichtenerzähler in der Kriegsgefangenschaft kamen ihm dabei zugute.
Erste Erfolge
Sein erstes veröffentlichtes Buch war Der kleine Wassermann (1956), eine liebevolle Geschichte über ein kleines Wasserwesen, das die Welt erkundet. Der Erfolg dieses Buches ermutigte Preußler, weiterzuschreiben. Es folgte Die kleine Hexe (1957), eine Geschichte über eine junge Hexe, die unbedingt eine gute Hexe werden will. Die kleine Hexe wurde zu einem seiner bekanntesten und beliebtesten Bücher.
Der Räuber Hotzenplotz
Der Durchbruch gelang ihm 1962 mit Der Räuber Hotzenplotz. Die Geschichte um den listigen Räuber, Kasperl und Seppel wurde ein Riesenerfolg und machte Preußler zu einem der bekanntesten Kinderbuchautoren Deutschlands. Der Räuber Hotzenplotz wurde mehrfach verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Es folgten zwei weitere Bände: Neues vom Räuber Hotzenplotz (1969) und Hotzenplotz 3 (1973).
Das kleine Gespenst
Ein weiteres sehr beliebtes Buch von Otfried Preußler ist Das kleine Gespenst (1966). Die Geschichte erzählt von einem freundlichen Gespenst, das tagsüber die Welt erkunden möchte und dabei einige Abenteuer erlebt. Auch Das kleine Gespenst wurde verfilmt und in viele Sprachen übersetzt.
Krabat
Sein wohl anspruchsvollstes Werk ist der Jugendroman Krabat (1971). Die Geschichte basiert auf der sorbischen Sage von Krabat, einem Jungen, der in einer Mühle eine Lehre beginnt und dort schwarze Magie erlernt. Krabat behandelt Themen wie Macht, Verantwortung, Freundschaft und den Kampf gegen das Böse. Das Buch wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und gilt als ein Meisterwerk der Jugendliteratur.
Weitere Werke
Neben den genannten Büchern schrieb Otfried Preußler noch viele weitere Kinderbücher, darunter Hörbe mit dem großen Hut (1981), Hörbe und sein Freund Zwottel (1983), Das Ungeheuer vom finsteren Wald (1989) und Die Abenteuer des starken Wanja (1995). Er verfasste auch Theaterstücke und Drehbücher.
Stil und Themen
Otfried Preußlers Schreibstil ist einfach, klar und humorvoll. Er versteht es, komplexe Themen kindgerecht zu vermitteln. Seine Geschichten sind spannend, unterhaltsam und regen zum Nachdenken an. Viele seiner Figuren sind liebenswert und sympathisch. Sie zeigen, dass auch kleine und vermeintlich schwache Wesen Großes leisten können.
In seinen Werken behandelt Preußler häufig Themen wie Freundschaft, Mut, Gerechtigkeit, Verantwortung und den Kampf gegen das Böse. Er plädiert für Toleranz, Hilfsbereitschaft und den Respekt vor anderen. Viele seiner Geschichten spielen in einer phantastischen Welt, die aber immer Bezüge zur Realität aufweist.
Auszeichnungen
Otfried Preußler wurde für sein Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter:
- Deutscher Jugendbuchpreis für Die kleine Hexe (1958)
- Deutscher Jugendbuchpreis für Krabat (1972)
- Europäischer Jugendbuchpreis (1973)
- Andreas-Gryphius-Preis (2000)
- Bayerischer Verdienstorden
- Ehrendoktorwürde der Universität Regensburg
Bedeutung und Nachwirkung
Otfried Preußler gehört zu den bedeutendsten Kinderbuchautoren des 20. Jahrhunderts. Seine Bücher haben Millionen von Kindern und Erwachsenen begeistert und sind in viele Sprachen übersetzt worden. Seine Geschichten sind zeitlos und vermitteln wichtige Werte. Sie regen die Phantasie an und fördern die Leselust.
Preußlers Werk hat einen großen Einfluss auf die deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur. Viele Autoren sehen ihn als Vorbild. Seine Bücher werden weiterhin gelesen, verfilmt und aufgeführt. Sie sind ein fester Bestandteil des deutschen Kulturguts.
Privatleben und Tod
Otfried Preußler lebte mit seiner Frau Annelies bis zu ihrem Tod im Jahr 2015 in Haidholzen bei Rosenheim. Er hatte drei Töchter. Er war ein zurückgezogener Mensch und mied die Öffentlichkeit. Er starb am 18. Februar 2013 im Alter von 89 Jahren in Prien am Chiemsee.
Sein Werk lebt weiter und begeistert auch zukünftige Generationen von Lesern. Der Räuber Hotzenplotz, Die kleine Hexe, Das kleine Gespenst und Krabat bleiben unvergessliche Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur.
