Partizip 1 Und 2 Als Adjektiv übungen
Das deutsche Partizip, insbesondere das Partizip I und Partizip II, ist ein vielseitiges grammatisches Werkzeug. Es dient nicht nur zur Bildung von Zeitformen, sondern kann auch als Adjektiv verwendet werden, wodurch der Ausdruckskraft der Sprache eine weitere Dimension hinzugefügt wird. Diese Doppelfunktion erfordert ein tiefes Verständnis der morphologischen und syntaktischen Eigenschaften der Partizipien, um sie korrekt und stilistisch ansprechend einzusetzen. In diesem Artikel widmen wir uns der Anwendung des Partizips I und II als Adjektiv und stellen Übungen vor, die das Verständnis und die korrekte Verwendung fördern sollen.
Das Partizip I als Adjektiv: Ein Ausdruck dynamischer Prozesse
Das Partizip I (auch Präsenspartizip genannt) wird durch Anhängen der Endung "-end" an den Infinitiv des Verbs gebildet. Beispielsweise wird aus dem Verb "spielen" das Partizip I "spielend". Wenn das Partizip I als Adjektiv verwendet wird, beschreibt es eine gleichzeitige Handlung oder einen Zustand. Es verleiht dem Substantiv, das es modifiziert, einen dynamischen und oft aktiven Charakter. Die Handlung, die das Partizip I beschreibt, geschieht also im selben Zeitraum wie die Handlung oder der Zustand des Substantivs.
Beispiele:
- Das spielende Kind (Das Kind spielt gerade.)
- Der brennende Wald (Der Wald brennt gerade.)
- Eine lachende Person (Die Person lacht gerade.)
Wichtig ist, dass das Partizip I, wenn es als Adjektiv verwendet wird, dekliniert werden muss, d.h. es passt sich in Kasus, Numerus und Genus an das Substantiv an, das es modifiziert. Dies erfordert die Anwendung der entsprechenden Adjektivendungen.
Übung 1: Partizip I als Adjektiv – Formulierung und Deklination
Anleitung: Bilden Sie aus den folgenden Verben das Partizip I und verwenden Sie es als Adjektiv in einem passenden Satz. Achten Sie auf die korrekte Deklination.
- Weinen (das Kind)
- Tanzen (die Frau)
- Singen (der Vogel)
- Leuchten (die Sonne)
- Fahren (das Auto)
Beispiel: Weinen – Das weinende Kind saß in der Ecke.
Das Partizip II als Adjektiv: Ein Ausdruck abgeschlossener Handlungen oder Zustände
Das Partizip II (auch Perfektpartizip genannt) wird in der Regel durch das Präfix "ge-" und die Endung "-t" oder "-en" gebildet (abhängig vom Verb). Beispielsweise wird aus dem Verb "spielen" das Partizip II "gespielt". Wenn das Partizip II als Adjektiv verwendet wird, beschreibt es eine abgeschlossene Handlung oder einen Zustand, der das Substantiv beeinflusst oder verändert hat. Es verleiht dem Substantiv, das es modifiziert, einen passiven oder resultierenden Charakter. Die Handlung, die das Partizip II beschreibt, ist also vor dem Zeitpunkt des Substantivs abgeschlossen.
Beispiele:
- Das gespielte Spiel (Das Spiel wurde gespielt.)
- Der verbrannte Wald (Der Wald wurde verbrannt.)
- Eine gelachte Geschichte (Die Geschichte wurde gelacht.)
Auch das Partizip II muss, wenn es als Adjektiv verwendet wird, dekliniert werden, um sich in Kasus, Numerus und Genus an das Substantiv anzupassen.
Übung 2: Partizip II als Adjektiv – Formulierung und Deklination
Anleitung: Bilden Sie aus den folgenden Verben das Partizip II und verwenden Sie es als Adjektiv in einem passenden Satz. Achten Sie auf die korrekte Deklination.
- Kochen (die Suppe)
- Schreiben (der Brief)
- Malen (das Bild)
- Öffnen (die Tür)
- Lesen (das Buch)
Beispiel: Kochen – Die gekochte Suppe stand auf dem Tisch.
Besondere Fälle und Schwierigkeiten
Die Verwendung von Partizipien als Adjektive kann einige Schwierigkeiten bereiten, insbesondere bei der Unterscheidung zwischen Partizip I und Partizip II und bei der korrekten Deklination. Einige Verben haben auch unregelmäßige Partizipien, die auswendig gelernt werden müssen. Darüber hinaus kann die Bedeutung eines Partizips als Adjektiv je nach Kontext variieren.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Unterschied zwischen attributiver und prädikativer Verwendung. Wenn das Partizip attributiv verwendet wird, steht es direkt vor dem Substantiv und wird dekliniert. Wenn es prädikativ verwendet wird, steht es nach einem Hilfsverb (z.B. "sein" oder "werden") und wird nicht dekliniert. Zum Beispiel:
- Attributiv: Der singende Vogel (dekliniert)
- Prädikativ: Der Vogel ist singend. (nicht dekliniert, jedoch stilistisch unüblich)
- Attributiv: Das gekochte Essen (dekliniert)
- Prädikativ: Das Essen ist gekocht. (nicht dekliniert)
Die prädikative Verwendung von Partizipien I ist in der deutschen Sprache eher selten und wirkt oft stilistisch ungelenk. Die prädikative Verwendung von Partizipien II ist hingegen sehr gebräuchlich und dient zur Bildung des Passivs.
Übung 3: Unterscheidung und Anwendung – Partizip I vs. Partizip II
Anleitung: Entscheiden Sie, ob Partizip I oder Partizip II in den folgenden Sätzen korrekt ist und begründen Sie Ihre Wahl.
- Der ____ (fallen) Baum versperrte die Straße.
- Die ____ (öffnen) Tür ließ den Wind herein.
- Das ____ (schlafen) Kind träumte süß.
- Der ____ (schreiben) Brief wurde abgeschickt.
- Die ____ (lachen) Menschenmenge feierte.
Beispiel: Der fallende Baum versperrte die Straße. (Partizip I, da der Baum gerade fällt oder im Begriff ist zu fallen)
Fazit: Die Kunst der Partizipien als Adjektive
Die korrekte Verwendung von Partizipien als Adjektive erfordert ein tiefes Verständnis der grammatischen Regeln und der semantischen Nuancen. Durch regelmäßige Übung und aufmerksames Lesen kann man die Fähigkeit entwickeln, Partizipien präzise und stilistisch ansprechend einzusetzen. Die hier vorgestellten Übungen sollen dazu beitragen, das Verständnis zu vertiefen und die praktische Anwendung zu fördern. Indem man sich der dynamischen und passiven Qualitäten bewusst wird, die Partizipien als Adjektive vermitteln können, erschließt man sich eine wertvolle Ressource zur Bereicherung des eigenen sprachlichen Ausdrucks. Die sorgfältige Beachtung der Deklination und die Unterscheidung zwischen Partizip I und Partizip II sind dabei unerlässlich. Mit Übung und Geduld wird die Verwendung der Partizipien als Adjektive zu einem natürlichen und eleganten Bestandteil des eigenen Sprachgebrauchs.
