Passiv Und Aktiv übungen Deutsch
Das Verständnis von Aktiv und Passiv im Deutschen ist grundlegend für korrekte und präzise Kommunikation. Viele Deutschlernende, insbesondere Expats und Neuankömmlinge, stoßen anfangs auf Schwierigkeiten mit dieser grammatikalischen Struktur. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die Unterschiede zwischen Aktiv und Passiv zu verstehen und wie man sie korrekt bildet und anwendet, inklusive praktischer Übungen.
Was ist Aktiv?
Im Aktivsatz führt das Subjekt die Handlung aus. Der Fokus liegt auf dem Handelnden. Die Satzstruktur ist in der Regel klar und direkt: Subjekt + Verb + Objekt.
Beispiel: Der Mann liest die Zeitung.
In diesem Satz ist "der Mann" das Subjekt, "liest" das Verb und "die Zeitung" das Objekt. Der Mann ist derjenige, der die Handlung (lesen) ausführt.
Aktivsätze sind in der deutschen Sprache sehr häufig und werden in den meisten Situationen bevorzugt, da sie klar und verständlich sind.
Was ist Passiv?
Im Passivsatz wird das Objekt der Handlung zum Subjekt. Der Fokus liegt auf der Handlung selbst oder dem Ergebnis der Handlung, nicht unbedingt auf dem Handelnden. Oft ist der Handelnde unbekannt, unwichtig oder soll nicht genannt werden.
Beispiel: Die Zeitung wird von dem Mann gelesen. (Passivsatz zu dem obigen Aktivsatz)
Hier ist "die Zeitung" das Subjekt. Die Handlung (gelesen werden) wird an der Zeitung vollzogen. Der Mann, der die Handlung ausführt, wird im Passivsatz durch die Präposition "von" plus Dativ angegeben ("von dem Mann").
Es gibt zwei Hauptformen des Passivs im Deutschen:
1. Vorgangspassiv (werden-Passiv)
Das Vorgangspassiv beschreibt einen Vorgang, eine Handlung, die im Gange ist. Es wird mit der Hilfsverb "werden" und dem Partizip II des Vollverbs gebildet.
Bildung: Subjekt + werden + Partizip II (Optional: von + Dativ / durch + Akkusativ)
Beispiele:
- Das Haus wird gebaut. (The house is being built.)
- Der Brief wird geschrieben. (The letter is being written.)
- Die Tür wird von dem Kind geöffnet. (The door is being opened by the child.)
Die Zeitformen des Vorgangspassivs werden durch die Konjugation von "werden" bestimmt. Zum Beispiel:
- Präsens: Das Buch wird gelesen.
- Präteritum: Das Buch wurde gelesen.
- Perfekt: Das Buch ist gelesen worden.
- Plusquamperfekt: Das Buch war gelesen worden.
- Futur I: Das Buch wird gelesen werden.
- Futur II: Das Buch wird gelesen worden sein.
2. Zustandspassiv (sein-Passiv)
Das Zustandspassiv beschreibt einen Zustand, der als Ergebnis einer vorherigen Handlung entstanden ist. Es wird mit der Hilfsverb "sein" und dem Partizip II des Vollverbs gebildet.
Bildung: Subjekt + sein + Partizip II
Beispiele:
- Die Tür ist geöffnet. (The door is open – as a result of being opened.)
- Das Essen ist gekocht. (The food is cooked – as a result of being cooked.)
Die Zeitformen des Zustandspassivs werden durch die Konjugation von "sein" bestimmt. Zum Beispiel:
- Präsens: Die Tür ist geöffnet.
- Präteritum: Die Tür war geöffnet.
- Perfekt: Die Tür ist geöffnet gewesen.
- Plusquamperfekt: Die Tür war geöffnet gewesen.
- Futur I: Die Tür wird geöffnet sein.
- Futur II: Die Tür wird geöffnet gewesen sein.
Wann verwendet man Passiv?
Das Passiv wird verwendet, wenn:
- Der Handelnde unbekannt oder unwichtig ist. Beispiel: Das Fenster wurde zerbrochen. (Es ist unwichtig, wer es zerbrochen hat.)
- Der Fokus auf der Handlung oder dem Ergebnis liegt. Beispiel: Das Problem wurde gelöst. (Wichtig ist, dass das Problem gelöst ist.)
- Man den Handelnden nicht nennen möchte. Beispiel: Dem Angeklagten wurde die Strafe mitgeteilt. (Es ist höflicher, nicht zu sagen, wer die Strafe mitgeteilt hat.)
- In formellen Texten oder wissenschaftlichen Arbeiten, um Objektivität zu betonen.
Übungen: Aktiv zu Passiv umwandeln
Um die Umwandlung von Aktiv zu Passiv zu üben, hier einige Sätze, die Sie umwandeln können. Versuchen Sie, sowohl das Vorgangspassiv als auch (wenn möglich) das Zustandspassiv zu bilden.
- Der Bäcker backt das Brot.
- Die Kinder essen den Kuchen.
- Der Lehrer erklärt die Grammatik.
- Die Firma baut ein neues Haus.
- Der Künstler malt das Bild.
Lösungsvorschläge:
- Vorgangspassiv: Das Brot wird von dem Bäcker gebacken. Zustandspassiv: Das Brot ist gebacken.
- Vorgangspassiv: Der Kuchen wird von den Kindern gegessen. Zustandspassiv: Der Kuchen ist gegessen.
- Vorgangspassiv: Die Grammatik wird von dem Lehrer erklärt.
- Vorgangspassiv: Ein neues Haus wird von der Firma gebaut.
- Vorgangspassiv: Das Bild wird von dem Künstler gemalt.
Übungen: Passiv zu Aktiv umwandeln
Wandeln Sie die folgenden Passivsätze in Aktivsätze um:
- Das Auto wird repariert.
- Der Brief ist geschrieben.
- Die Aufgabe wurde gelöst.
- Das Fenster war geöffnet.
- Die Suppe wird gegessen werden.
Lösungsvorschläge:
- Jemand repariert das Auto. (Handelnder unbekannt)
- Jemand hat den Brief geschrieben. (Handelnder unbekannt)
- Jemand löste die Aufgabe. (Handelnder unbekannt)
- Jemand hatte das Fenster geöffnet. (Handelnder unbekannt)
- Jemand wird die Suppe essen. (Handelnder unbekannt)
Zusätzliche Tipps
- Achten Sie auf die Zeitformen. Die Zeitform des Aktivsatzes muss auch im Passivsatz beibehalten werden.
- Nicht alle Verben können ins Passiv gesetzt werden. Verben, die kein Akkusativobjekt haben (intransitive Verben), können kein Passiv bilden (z.B. "schlafen", "helfen", "gehen").
- Das Passiv mit Modalverben ist möglich, aber etwas komplizierter. Beispiel: Das Problem muss gelöst werden. (The problem must be solved.)
Das Üben der Umwandlung von Aktiv- und Passivsätzen ist der Schlüssel zum Verständnis und zur korrekten Anwendung dieser grammatikalischen Strukturen. Nutzen Sie diese Erklärungen und Übungen als Grundlage, um Ihre Deutschkenntnisse weiter zu verbessern. Konzentrieren Sie sich darauf, die Bedeutung und den Kontext der Sätze zu verstehen, um die richtige Form zu wählen.
Merke: Die Fähigkeit, Aktiv und Passiv korrekt zu verwenden, wird Ihre schriftliche und mündliche Kommunikation im Deutschen deutlich verbessern!
