Peaky Blinders Gab Es Die Wirklich
Peaky Blinders: Die Realität hinter der Fernsehserie
Die britische Fernsehserie Peaky Blinders hat weltweit eine immense Popularität erlangt. Sie erzählt die Geschichte der Shelby-Familie, einer kriminellen Gang, die in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in Birmingham agiert. Die Serie ist bekannt für ihre stilvolle Darstellung, die komplexen Charaktere und die düstere Atmosphäre. Doch wie viel Wahrheit steckt wirklich hinter der fiktiven Erzählung? Gab es die "Peaky Blinders" tatsächlich?
Die historischen Peaky Blinders
Die Antwort ist: Ja, die Peaky Blinders waren eine reale Gang, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Birmingham aktiv war. Allerdings weichen die historischen Fakten in einigen Punkten deutlich von der Darstellung in der Fernsehserie ab. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Serie eine dramatisierte Version der Realität ist, die historische Ereignisse und Figuren als Grundlage nimmt, aber sie für erzählerische Zwecke anpasst und ausschmückt.
Die historischen Peaky Blinders waren keine so hochorganisierte und mächtige Organisation, wie sie in der Serie dargestellt wird. Sie waren eher eine lose Gruppierung von jungen Männern, die in kleinen kriminellen Aktivitäten wie Diebstahl, Einbruch und Glücksspiel verwickelt waren. Ihre Aktivitäten waren primär auf die Arbeiterklasse-Viertel von Birmingham beschränkt.
Der Name: Razor Caps oder etwas anderes?
Der Ursprung des Namens "Peaky Blinders" ist umstritten. Eine populäre Theorie besagt, dass die Gangmitglieder Rasierklingen in ihre flachen Schiebermützen (den "peak") eingenäht hatten und diese als Waffen benutzten, um ihre Gegner zu blenden ("to blind"). Es gibt jedoch keine historischen Beweise dafür, dass Rasierklingen tatsächlich verwendet wurden. Rasierklingen waren zu dieser Zeit noch teuer und selten, was diese Theorie unwahrscheinlich macht.
Eine plausiblere Erklärung ist, dass der Name "Peaky Blinders" einfach auf den markanten Stil der Gangmitglieder zurückzuführen war. Sie trugen elegante Kleidung, darunter flache Schiebermützen, Anzüge und Stiefel, was sie von anderen Banden und der allgemeinen Bevölkerung abhob. Der "peak" der Mütze, der tief ins Gesicht gezogen wurde, könnte den Eindruck erweckt haben, jemanden "zu blenden". "Blinder" könnte in diesem Zusammenhang einfach ein Slangausdruck für jemanden mit einem scharfen, durchdringenden Blick gewesen sein.
Die geografische und zeitliche Einordnung
Die Peaky Blinders operierten hauptsächlich in den Stadtteilen Small Heath, Bordesley, und Sparkhill in Birmingham. Ihre Hochphase war in den 1890er Jahren und den frühen 1900er Jahren. Im Gegensatz zur Serie, die in den 1920er Jahren spielt, verloren die Peaky Blinders in den 1910er Jahren an Bedeutung. Sie wurden von anderen Banden, wie den Birmingham Boys, verdrängt, die besser organisiert und gewalttätiger waren. Der Aufstieg der Birmingham Boys wird in der Serie angedeutet, aber nicht in dem Maße thematisiert, wie er historisch korrekt wäre.
Die Mitglieder: Keine historischen Figuren, sondern ein Mythos
Die Shelby-Familie, die im Zentrum der Serie steht, ist fiktiv. Es gab keine historisch belegte Familie mit diesem Namen, die die Peaky Blinders anführte. Auch die Charaktere Arthur Shelby, Thomas Shelby, Polly Gray usw. sind Produkte der Fantasie der Drehbuchautoren.
Einige Namen, die in der Serie vorkommen, basieren jedoch auf realen Personen, die mit der kriminellen Szene in Birmingham in Verbindung standen. Billy Kimber, der in der ersten Staffel als Anführer der Birmingham Boys auftritt, war eine tatsächliche Person, die eine bedeutende Rolle im Bandenkrieg in Birmingham spielte. Seine Darstellung in der Serie weicht aber in einigen Details von der historischen Realität ab.
Gewalt und Kriminalität: Überhöhung für die Dramatik
Die Darstellung von Gewalt und Kriminalität in der Serie ist stark stilisiert und überhöht. Die historischen Peaky Blinders waren zweifellos an kriminellen Aktivitäten beteiligt, aber ihre Gewaltbereitschaft und ihre Verbrechen waren wahrscheinlich nicht so ausgeprägt, wie sie in der Serie gezeigt werden. Die Serie fokussiert auf Bandenkriege, Mord und groß angelegte kriminelle Operationen. Die Realität sah eher nach kleineren Diebstählen, Glücksspiel und gelegentlichen Schlägereien aus.
Die Serie blendet auch die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen aus, die zur Entstehung der Banden beitrugen. Armut, Arbeitslosigkeit und mangelnde Bildungsmöglichkeiten waren wichtige Faktoren, die junge Männer in die Kriminalität trieben. Die Serie konzentriert sich primär auf die Glamourisierung der Gangster und vernachlässigt die tieferliegenden Ursachen der Kriminalität.
Der Einfluss des Ersten Weltkriegs
Der Erste Weltkrieg spielte eine wichtige Rolle im Leben vieler junger Männer in Birmingham, auch in dem der Peaky Blinders. Viele von ihnen dienten im Krieg und kehrten traumatisiert und desillusioniert nach Hause zurück. Die Serie thematisiert die Auswirkungen des Krieges auf die Charaktere und ihre Psyche.
Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass der Krieg nicht die einzige Ursache für die Kriminalität in Birmingham war. Die sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die bereits vor dem Krieg bestanden, verschärften sich durch den Krieg noch weiter und trugen zur Entstehung und zum Fortbestehen der Banden bei.
Fazit: Fiktion mit historischen Wurzeln
Peaky Blinders ist eine spannende und unterhaltsame Fernsehserie, die auf historischen Ereignissen und Figuren basiert. Es ist jedoch wichtig, sich bewusst zu sein, dass die Serie eine dramatisierte und stilisierte Version der Realität ist. Die Shelby-Familie ist fiktiv, die Gewalt ist überhöht und die historischen Fakten wurden für erzählerische Zwecke angepasst.
Wer sich für die tatsächliche Geschichte der Peaky Blinders interessiert, sollte sich nicht allein auf die Fernsehserie verlassen. Es gibt zahlreiche Bücher, Artikel und Dokumentationen, die ein genaueres Bild von den historischen Ereignissen und Personen vermitteln. Die Serie kann jedoch als Ausgangspunkt dienen, um sich näher mit der Geschichte Birminghams und der sozialen Bedingungen im frühen 20. Jahrhundert auseinanderzusetzen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Peaky Blinders *gab* es wirklich, aber die Serie ist eine *fiktive* Erzählung, die sich nur lose an die historischen Fakten hält. Genießen Sie die Serie für ihre Unterhaltungswert, aber verwechseln Sie sie nicht mit einer Geschichtsdokumentation.
