Personen Die Du Kennen Könntest
Die Ausstellung „Personen, Die Du Kennen Könntest“ (PDKK) ist mehr als nur eine Ansammlung von Porträts und Biografien. Sie ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Konstruktion von sozialer Nähe, der algorithmischen Vermittlung von Bekanntschaften und der Frage, was es bedeutet, in einer zunehmend vernetzten Welt authentische Verbindungen zu knüpfen. Durch die Kombination von visuellen, textuellen und interaktiven Elementen bietet PDKK dem Besucher eine vielschichtige Erfahrung, die zum Nachdenken anregt und zu einer kritischen Reflexion über die eigene Rolle in sozialen Netzwerken einlädt.
Die Exponate: Ein Kaleidoskop potenzieller Beziehungen
Der Kern der Ausstellung besteht aus einer vielfältigen Sammlung von Exponaten, die auf unterschiedliche Weise das Thema potenzieller Bekanntschaften beleuchten. Fotografien spielen dabei eine zentrale Rolle. Es sind nicht nur glatte, professionelle Porträts, sondern oft auch Momentaufnahmen, Schnappschüsse, die den vermeintlichen Bekannten in einem alltäglichen Kontext zeigen. Diese Unvollkommenheit ist bewusst gewählt, um die Künstlichkeit der Inszenierung in den sozialen Medien zu untergraben und die Frage nach Authentizität aufzuwerfen.
Neben den Fotografien finden sich auch Textfragmente, Zitate, kurze Biografien oder algorithmische Profile der dargestellten Personen. Diese Texte geben Einblicke in die Lebenswelten, Interessen und Werte der Porträtierten und dienen als Ausgangspunkt für eine potenzielle Kontaktaufnahme. Sie sind jedoch auch manipulierbar und interpretationsbedürftig, was die Besucher dazu anregt, sich kritisch mit den präsentierten Informationen auseinanderzusetzen.
Besonders hervorzuheben sind die interaktiven Installationen. Eine Installation ermöglicht es beispielsweise, anhand von Fragebögen und Präferenzen ein eigenes „Bekanntschaftsprofil“ zu erstellen und es mit den Profilen anderer Besucher zu vergleichen. Eine andere Installation visualisiert die komplexen Netzwerkstrukturen sozialer Medien und verdeutlicht, wie Algorithmen unser soziales Umfeld formen und beeinflussen. Diese interaktiven Elemente machen die Ausstellung zu einem aktiven Erlebnis und laden zur Partizipation ein.
Die Rolle des Zufalls und der Algorithmen
Ein wiederkehrendes Thema der Ausstellung ist die Rolle des Zufalls und der Algorithmen bei der Entstehung von Bekanntschaften. Während frühere Generationen ihre Freunde und Bekannten vor allem im realen Leben, in der Schule, im Verein oder am Arbeitsplatz kennenlernten, spielen heute soziale Medien und Online-Plattformen eine immer größere Rolle. Die Algorithmen dieser Plattformen analysieren unser Verhalten, unsere Interessen und unsere Kontakte, um uns passende „Freunde“ oder „Bekannte“ vorzuschlagen. Diese Vorschläge basieren jedoch oft auf kommerziellen Interessen und können zu einer Filterblase führen, in der wir nur noch mit Menschen in Kontakt treten, die unsere Meinungen und Überzeugungen teilen.
Die Ausstellung fordert die Besucher dazu auf, sich dieser algorithmischen Einflussnahme bewusst zu werden und sich zu fragen, ob die vorgeschlagenen Bekanntschaften wirklich unseren Bedürfnissen und Wünschen entsprechen. Sie regt dazu an, die Vielfalt des sozialen Lebens zu suchen und sich auch mit Menschen auseinanderzusetzen, die andere Perspektiven und Erfahrungen haben.
Der pädagogische Wert: Reflexion und kritisches Denken
Der pädagogische Wert von PDKK liegt nicht nur in der Vermittlung von Fakten und Informationen, sondern vor allem in der Förderung von Reflexion und kritischem Denken. Die Ausstellung will die Besucher dazu anregen, ihre eigenen Gewohnheiten und Verhaltensweisen in sozialen Netzwerken zu hinterfragen und sich bewusst zu machen, wie diese Plattformen unser soziales Leben beeinflussen.
Ein wichtiger Aspekt ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz. Die Ausstellung verdeutlicht, wie unsere Daten von den Betreibern sozialer Medien gesammelt, analysiert und genutzt werden, um uns personalisierte Werbung und Inhalte anzuzeigen. Sie regt dazu an, sich kritisch mit den Datenschutzbestimmungen auseinanderzusetzen und die eigenen Privatsphäre-Einstellungen zu optimieren.
Darüber hinaus fördert die Ausstellung die Medienkompetenz der Besucher. Sie vermittelt Wissen über die Funktionsweise von Algorithmen, die Mechanismen der Manipulation und die Bedeutung von Fake News. Sie regt dazu an, Informationen kritisch zu hinterfragen und sich nicht von emotionalen Appellen oder Verschwörungstheorien beeinflussen zu lassen.
Workshops und Begleitprogramme
Um den pädagogischen Wert der Ausstellung zu vertiefen, werden regelmäßig Workshops und Begleitprogramme angeboten. Diese Angebote richten sich an unterschiedliche Zielgruppen, von Schulklassen bis hin zu Erwachsenengruppen. In den Workshops werden die Themen der Ausstellung vertieft und anhand von praktischen Übungen und Diskussionen erarbeitet.
Besonders beliebt sind die Workshops zum Thema Cybermobbing. In diesen Workshops lernen die Teilnehmer, wie sie sich vor Cybermobbing schützen können und wie sie anderen Betroffenen helfen können. Sie lernen auch, wie sie Mobbing-Vorfälle dokumentieren und melden können.
Die Besuchererfahrung: Einladung zur Interaktion und Auseinandersetzung
Die Besuchererfahrung von PDKK ist geprägt von Interaktion, Auseinandersetzung und Selbstreflexion. Die Ausstellung ist nicht als passive Konsumveranstaltung konzipiert, sondern als eine Einladung zur aktiven Teilnahme. Die Besucher werden ermutigt, ihre eigenen Erfahrungen und Meinungen einzubringen und sich mit den Themen der Ausstellung auseinanderzusetzen.
Die Gestaltung der Ausstellung ist bewusst offen und einladend gehalten. Die Exponate sind nicht nur hinter Glaswänden versteckt, sondern können oft angefasst und ausprobiert werden. Die Texte sind in einer verständlichen Sprache verfasst und verzichten auf akademische Fachterminologie. Die Atmosphäre ist entspannt und informell, so dass sich die Besucher wohlfühlen und sich unbefangen mit den Themen der Ausstellung auseinandersetzen können.
Die Ausstellung bietet eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für Gespräche und Diskussionen. Besucher werden oft dabei beobachtet, wie sie sich gegenseitig ihre Eindrücke schildern, ihre Meinungen austauschen und gemeinsam über die Themen der Ausstellung nachdenken. Diese soziale Interaktion trägt dazu bei, dass die Ausstellung zu einem nachhaltigen Erlebnis wird.
Ein Ort der Begegnung und des Austauschs
Letztendlich ist PDKK mehr als nur eine Ausstellung. Sie ist ein Ort der Begegnung und des Austauschs, ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um über die Herausforderungen und Chancen der digitalen Welt zu diskutieren. Sie ist ein Ort, der zum Nachdenken anregt und zu einer kritischen Reflexion über unsere Beziehungen, unsere Identität und unsere Rolle in der Gesellschaft einlädt. Sie ist ein wichtiger Beitrag zur Debatte über die Zukunft der sozialen Medien und die Gestaltung einer gerechteren und menschenwürdigeren digitalen Welt.
