Pflegeplanung Nach Fiechter Und Meier
Die Pflegeplanung nach Fiechter und Meier ist ein in der deutschsprachigen Pflege weit verbreitetes und anerkanntes Modell zur systematischen Planung und Durchführung von Pflegeprozessen. Es dient dazu, die Pflege individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abzustimmen und eine hohe Qualität der Pflege sicherzustellen. Insbesondere für Expats und Neuankömmlinge im deutschen Gesundheitssystem kann es hilfreich sein, dieses Modell zu verstehen, um die Struktur und den Fokus der hier angebotenen Pflege besser nachvollziehen zu können.
Grundlagen der Pflegeplanung nach Fiechter und Meier
Das Modell von Fiechter und Meier basiert auf einem systemischen Ansatz und gliedert den Pflegeprozess in sechs aufeinander aufbauende Schritte. Diese Schritte gewährleisten eine strukturierte Vorgehensweise und ermöglichen es den Pflegekräften, die Bedürfnisse des Patienten umfassend zu erfassen und geeignete Maßnahmen zu planen, durchzuführen und zu evaluieren. Die sechs Schritte sind:
- Informationssammlung: Hierbei werden alle relevanten Informationen über den Patienten gesammelt.
- Erkennen von Problemen und Ressourcen: Die gesammelten Informationen werden analysiert, um Probleme und Ressourcen zu identifizieren.
- Festlegen von Pflegezielen: Auf Basis der Probleme und Ressourcen werden individuelle Pflegeziele formuliert.
- Planung der Pflegemaßnahmen: Es werden konkrete Maßnahmen geplant, um die Pflegeziele zu erreichen.
- Durchführung der Pflege: Die geplanten Maßnahmen werden in die Praxis umgesetzt.
- Evaluation: Der Erfolg der Pflegemaßnahmen wird überprüft und gegebenenfalls angepasst.
1. Informationssammlung
Die Informationssammlung ist der erste und grundlegende Schritt im Pflegeprozess. Ziel ist es, ein umfassendes Bild des Patienten zu erhalten. Dazu gehören sowohl objektive Daten (z.B. Vitalzeichen, Laborwerte) als auch subjektive Informationen (z.B. Angaben des Patienten zu seinen Beschwerden, Bedürfnissen und Wünschen). Die Informationssammlung kann auf verschiedene Arten erfolgen:
- Anamnesegespräch: Ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten, in dem die Krankheitsgeschichte, aktuelle Beschwerden, soziale Situation und persönliche Bedürfnisse erfragt werden.
- Beobachtung: Die Beobachtung des Patienten in seinem Umfeld, um sein Verhalten, seine Fähigkeiten und Einschränkungen zu erkennen.
- Körperliche Untersuchung: Eine systematische Untersuchung des Patienten, um objektive Daten zu erheben.
- Aktenstudium: Die Einsichtnahme in die Krankenakte, um Vorerkrankungen, Diagnosen und bisherige Behandlungen zu dokumentieren.
- Gespräche mit Angehörigen und anderen Fachpersonen: Der Austausch mit Angehörigen und anderen Fachpersonen (z.B. Ärzte, Therapeuten), um zusätzliche Informationen zu erhalten.
2. Erkennen von Problemen und Ressourcen
Nach der Informationssammlung werden die gesammelten Daten analysiert, um die individuellen Probleme und Ressourcen des Patienten zu identifizieren. Probleme sind alle Beeinträchtigungen des Wohlbefindens, der Selbstständigkeit oder der Gesundheit des Patienten. Ressourcen sind alle Fähigkeiten, Kräfte und Unterstützungsmöglichkeiten, die der Patient zur Bewältigung seiner Probleme zur Verfügung hat. Beispiele für Probleme können sein:
- Schmerzen
- Atemnot
- Einschränkungen der Mobilität
- Angst
- Soziale Isolation
Beispiele für Ressourcen können sein:
- Körperliche Kraft
- Kognitive Fähigkeiten
- Soziale Unterstützung durch Familie und Freunde
- Interesse an Aktivitäten
3. Festlegen von Pflegezielen
Auf Basis der identifizierten Probleme und Ressourcen werden individuelle Pflegeziele formuliert. Diese Ziele sollen realistisch, messbar, erreichbar, relevant und terminiert (SMART) sein. Sie geben die Richtung für die Pflege vor und dienen als Grundlage für die Planung der Pflegemaßnahmen. Pflegeziele können sich auf verschiedene Bereiche beziehen:
- Gesundheitliche Ziele: z.B. Schmerzlinderung, Verbesserung der Atmung, Wundheilung.
- Funktionelle Ziele: z.B. Verbesserung der Mobilität, Erhaltung der Selbstständigkeit bei der Körperpflege.
- Psychische Ziele: z.B. Reduktion von Angst, Verbesserung des Wohlbefindens.
- Soziale Ziele: z.B. Förderung der sozialen Kontakte, Teilnahme an Aktivitäten.
Ein Beispiel für ein SMART-formuliertes Pflegeziel könnte sein: "Der Patient kann innerhalb von zwei Wochen mit Unterstützung des Therapeuten 100 Meter am Rollator gehen."
4. Planung der Pflegemaßnahmen
In diesem Schritt werden konkrete Pflegemaßnahmen geplant, die dazu beitragen sollen, die formulierten Pflegeziele zu erreichen. Die Maßnahmen sollten wissenschaftlich fundiert und an die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen des Patienten angepasst sein. Die Planung umfasst:
- Die Auswahl geeigneter Pflegetechniken und -methoden.
- Die Festlegung der Häufigkeit, Dauer und Intensität der Maßnahmen.
- Die Berücksichtigung der individuellen Vorlieben und Bedürfnisse des Patienten.
- Die Einbeziehung von Angehörigen und anderen Fachpersonen.
- Die Dokumentation der geplanten Maßnahmen.
Beispiele für Pflegemaßnahmen sind:
- Medikamentengabe
- Wundversorgung
- Mobilisation
- Atemtherapie
- Ernährungsberatung
- Psychosoziale Betreuung
5. Durchführung der Pflege
Die geplanten Pflegemaßnahmen werden nun in die Praxis umgesetzt. Wichtig ist, dass die Pflege fachgerecht und patientenorientiert durchgeführt wird. Die Pflegekräfte müssen über die notwendigen Kompetenzen verfügen und die individuellen Bedürfnisse und Wünsche des Patienten berücksichtigen. Während der Durchführung der Pflege ist es wichtig, den Patienten zu beobachten und auf Veränderungen zu reagieren. Die Durchführung der Pflege wird dokumentiert, um den Pflegeprozess nachvollziehbar zu machen.
6. Evaluation
Die Evaluation ist der letzte Schritt im Pflegeprozess und dient dazu, den Erfolg der Pflegemaßnahmen zu überprüfen. Es wird festgestellt, ob die formulierten Pflegeziele erreicht wurden oder ob Anpassungen erforderlich sind. Die Evaluation kann auf verschiedene Arten erfolgen:
- Beobachtung des Patienten
- Gespräche mit dem Patienten und seinen Angehörigen
- Messung von relevanten Parametern (z.B. Vitalzeichen, Schmerzintensität)
- Analyse der Pflegedokumentation
Wenn die Pflegeziele nicht erreicht wurden, werden die Gründe dafür analysiert und die Pflegemaßnahmen entsprechend angepasst. Der gesamte Pflegeprozess ist ein kontinuierlicher Kreislauf, der sich immer wieder wiederholt, um die bestmögliche Versorgung des Patienten zu gewährleisten.
Bedeutung für Expats und Neuankömmlinge
Für Expats und Neuankömmlinge im deutschen Gesundheitssystem kann die Pflegeplanung nach Fiechter und Meier eine wichtige Orientierungshilfe sein. Sie ermöglicht es, die Struktur und den Fokus der angebotenen Pflege besser zu verstehen. Durch die systematische Vorgehensweise und die individuelle Ausrichtung auf die Bedürfnisse des Patienten wird eine hohe Qualität der Pflege sichergestellt. Es ist ratsam, sich aktiv in den Pflegeprozess einzubringen und seine Bedürfnisse und Wünsche zu äußern. Die Pflegekräfte sind in der Regel offen für Anregungen und arbeiten gerne mit den Patienten zusammen, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.
Die Dokumentation des Pflegeprozesses ist ein wichtiger Bestandteil der Pflegeplanung nach Fiechter und Meier. Sie dient dazu, den Pflegeverlauf nachvollziehbar zu machen und eine kontinuierliche Versorgung sicherzustellen. Patienten und ihre Angehörigen haben in der Regel das Recht, Einsicht in die Pflegedokumentation zu nehmen. Dies kann hilfreich sein, um den Pflegeprozess besser zu verstehen und sich aktiv daran zu beteiligen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Pflegeplanung nach Fiechter und Meier ein bewährtes und etabliertes Modell ist, das eine strukturierte und individuelle Pflege gewährleistet. Für Expats und Neuankömmlinge bietet es eine wichtige Orientierungshilfe im deutschen Gesundheitssystem.
