Phoenix See Früher Und Heute
Der Phoenix See in Dortmund ist ein beeindruckendes Beispiel für gelungene Stadtentwicklung und Strukturwandel. Wo einst Stahl gekocht wurde, erstreckt sich heute eine attraktive Wasserlandschaft, die Wohnen, Arbeiten und Freizeit miteinander verbindet. Um die gegenwärtige Bedeutung des Sees vollständig zu erfassen, ist es unerlässlich, seine Vergangenheit und die Entwicklungsschritte, die zu seinem heutigen Erscheinungsbild geführt haben, zu verstehen.
Vom Stahlwerk zum See: Die Vorgeschichte
Die Geschichte des Areals, auf dem sich heute der Phoenix See befindet, ist eng mit der Industrialisierung des Ruhrgebiets verbunden. Hier befand sich die Hermannshütte, ein bedeutendes Stahlwerk, das über Jahrzehnte das wirtschaftliche Leben in Dortmund-Hörde prägte. Ab 1841 wurden hier Roheisen und Stahl produziert. Die Hochkonjunktur der Stahlindustrie im 19. und 20. Jahrhundert führte zu einem stetigen Ausbau des Werksgeländes. Der Betrieb lief unter verschiedenen Namen, darunter Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb, bevor er schließlich Teil des Thyssen-Konzerns wurde.
Die Stahlproduktion hinterließ deutliche Spuren. Das Gelände war durch die industrielle Nutzung stark belastet. Riesige Halden, verschmutztes Grundwasser und die Immissionen der Stahlproduktion beeinträchtigten die Lebensqualität der Anwohner. Mit dem Strukturwandel und dem Niedergang der Stahlindustrie im Ruhrgebiet in den 1990er Jahren stellte sich die Frage nach der zukünftigen Nutzung des Areals.
Die Idee und die Planung des Phoenix Sees
Die Stilllegung des Stahlwerks im Jahr 2001 eröffnete die Chance für eine umfassende Neugestaltung des Geländes. Die Stadt Dortmund entwickelte die Vision eines künstlichen Sees, der als zentrales Element eines neuen Stadtquartiers dienen sollte. Ziel war es, ein attraktives Wohn- und Arbeitsumfeld zu schaffen, die Lebensqualität zu verbessern und das Image des Stadtteils Hörde aufzuwerten. Der Phoenix See sollte nicht nur ein ästhetischer Gewinn sein, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur ökologischen und wirtschaftlichen Entwicklung leisten.
Die Planung des Sees war ein komplexer Prozess, der die Berücksichtigung verschiedener Aspekte erforderte. Dazu gehörten die Sanierung des belasteten Geländes, die Schaffung eines ausgeglichenen ökologischen Systems und die Integration des Sees in die städtebauliche Umgebung. Es wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um die Beschaffenheit des Bodens und des Grundwassers zu analysieren und geeignete Sanierungsmaßnahmen zu entwickeln.
Ein zentraler Aspekt der Planung war die Wasserversorgung des Sees. Da es sich um einen künstlichen See handelt, musste eine zuverlässige Quelle für die Speisung des Sees gefunden werden. Die Entscheidung fiel auf die Emscher, die durch ein ausgeklügeltes System aufbereitet und in den See geleitet wird. Dieses System gewährleistet eine hohe Wasserqualität und trägt zur ökologischen Stabilität des Sees bei.
Der Bau des Phoenix Sees: Eine technische Meisterleistung
Der Bau des Phoenix Sees war ein ambitioniertes Projekt, das sowohl technische als auch logistische Herausforderungen mit sich brachte. Die Arbeiten begannen im Jahr 2006 mit der Sanierung des Geländes. Kontaminierter Boden wurde abgetragen und fachgerecht entsorgt. Parallel dazu wurde das Becken für den See ausgehoben. Dabei wurden riesige Mengen an Erdreich bewegt.
Die Dimensionen des Projekts waren beeindruckend: Der See hat eine Fläche von rund 24 Hektar und ein Volumen von etwa 580.000 Kubikmetern.
Eine besondere Herausforderung war die Abdichtung des Seebeckens. Um zu verhindern, dass Wasser in den Untergrund versickert, wurde eine spezielle Dichtungsschicht aus Ton und Folie eingebracht. Diese Schicht gewährleistet, dass das Wasser im See verbleibt und die ökologische Funktion des Sees erhalten bleibt.
Die Ufergestaltung des Sees erfolgte unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte. Es wurden naturnahe Uferbereiche geschaffen, die Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten. Schilfzonen, Flachwasserbereiche und Steinpackungen tragen zur Artenvielfalt bei und verbessern die Wasserqualität.
Die offizielle Eröffnung des Phoenix Sees fand im April 2011 statt. Seitdem hat sich der See zu einem beliebten Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen entwickelt.
Der Phoenix See heute: Wohnen, Arbeiten und Freizeit
Der Phoenix See ist heute weit mehr als nur ein See. Er ist das Herzstück eines neuen Stadtquartiers, das Wohnen, Arbeiten und Freizeit miteinander verbindet. Rund um den See sind moderne Wohngebäude, Büros und Gewerbeflächen entstanden. Die attraktive Lage am Wasser und die gute Infrastruktur machen den Phoenix See zu einem begehrten Standort.
Die Uferpromenade des Sees lädt zum Flanieren und Verweilen ein. Zahlreiche Cafés, Restaurants und Bars bieten eine vielfältige Gastronomie. Der See ist auch ein beliebtes Ziel für Wassersportler. Segeln, Rudern und Stand-Up-Paddling sind auf dem See möglich. Für Badegäste gibt es einen separaten Strandbereich. Der Phoenix See bietet auch zahlreiche Möglichkeiten zur aktiven Freizeitgestaltung. Rund um den See verlaufen Rad- und Wanderwege, die zu ausgedehnten Touren einladen.
Auch kulturell hat der Phoenix See einiges zu bieten. Am Ufer des Sees befindet sich das Phoenix West Gelände, ein ehemaliges Hochofenwerk, das zu einem Kultur- und Veranstaltungsort umgebaut wurde. Hier finden regelmäßig Konzerte, Ausstellungen und andere Events statt.
Die ökologische Bedeutung des Phoenix Sees
Der Phoenix See ist nicht nur ein ästhetischer Gewinn, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur ökologischen Aufwertung des Stadtteils Hörde. Der See dient als Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Die naturnahen Uferbereiche bieten Vögeln, Fischen und Insekten einen geeigneten Lebensraum. Das Wasser des Sees trägt zur Kühlung der Umgebung bei und verbessert das Mikroklima. Die Bepflanzung rund um den See filtert Schadstoffe aus der Luft und trägt zur Luftreinhaltung bei.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Obwohl der Phoenix See ein Erfolgsmodell ist, gibt es auch Herausforderungen zu bewältigen. Eine Herausforderung ist die Aufrechterhaltung der Wasserqualität. Die Emscher, die den See speist, ist zwar aufbereitet, aber immer noch ein Fluss mit einer hohen Belastung. Die Stadt Dortmund investiert daher kontinuierlich in die Verbesserung der Wasseraufbereitungstechnik.
Eine weitere Herausforderung ist die Bewältigung des Verkehrs. Der Phoenix See ist ein beliebtes Ausflugsziel, was zu einem hohen Verkehrsaufkommen führen kann. Die Stadt Dortmund arbeitet an der Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und fördert die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs.
Die Zukunftsperspektiven für den Phoenix See sind positiv. Die Stadt Dortmund plant, das Gebiet rund um den See weiterzuentwickeln und neue Wohn- und Gewerbeflächen zu schaffen. Der Phoenix See soll auch weiterhin als Veranstaltungsort und als Ort der Begegnung dienen.
Fazit
Der Phoenix See ist ein beeindruckendes Beispiel für gelungene Stadtentwicklung und Strukturwandel. Aus einem ehemaligen Stahlwerksgelände ist eine attraktive Wasserlandschaft entstanden, die Wohnen, Arbeiten und Freizeit miteinander verbindet. Der Phoenix See hat das Image des Stadtteils Hörde aufgewertet und zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität beigetragen. Der See ist nicht nur ein ästhetischer Gewinn, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur ökologischen Aufwertung des Gebiets. Der Phoenix See ist ein Vorzeigeprojekt, das zeigt, wie man Brachflächen sinnvoll nutzen und neue Perspektiven für die Zukunft schaffen kann. Die Transformation vom Stahlwerk zum See ist ein Symbol für den Wandel des Ruhrgebiets und ein Zeichen für die Innovationskraft der Region.
