Populärer Pantomimen Darsteller Im Antiken Rom
Der Pantomimus im antiken Rom: Mehr als nur Stille
Der antike Pantomimus war weit mehr als nur ein stummer Darsteller. Er war eine der populärsten und einflussreichsten Bühnenkünste im römischen Reich, dessen Einfluss sich über Jahrhunderte erstreckte. Für viele Expatriates und Neuankömmlinge in Rom oder für diejenigen, die sich für die römische Geschichte interessieren, ist es wichtig zu verstehen, welche Bedeutung diese Kunstform hatte und wie sie sich von modernen Vorstellungen von Pantomime unterschied.
Was war der Pantomimus?
Der Pantomimus, abgeleitet vom griechischen Wort "Pantómimos" (Allmimiker), war eine Soloperformance, bei der ein einzelner Tänzer mithilfe von ausdrucksstarken Bewegungen, Gesten und Mimik verschiedene Charaktere und Geschichten darstellte. Im Gegensatz zur modernen Pantomime, die oft auf Humor und Interaktion mit dem Publikum setzt, war der römische Pantomimus eine hochartifizielle und dramatische Form des Geschichtenerzählens. Die Stummheit des Darstellers war ein zentrales Element, das die Notwendigkeit der körperlichen Ausdruckskraft noch verstärkte.
Begleitet wurde der Pantomimus von einem Orchester, das aus Instrumenten wie Flöten, Zithern, Trommeln und Becken bestand. Ein Chor sang die Geschichte oder lieferte Kommentare, die das Verständnis für die Handlung erleichterten. Der Darsteller selbst trug aufwendige Kostüme und Masken, die halfen, die verschiedenen Rollen zu kennzeichnen. Die Masken waren jedoch nicht immer üblich, besonders in späteren Perioden, in denen die Schauspieler Wert darauf legten, ihre eigenen Gesichtsausdrücke zu nutzen.
Ursprung und Entwicklung
Der Pantomimus entstand im 1. Jahrhundert v. Chr. in der Zeit des Augustus, vermutlich als Weiterentwicklung griechischer Tanztraditionen und römischer Schauspielkunst. Es wird vermutet, dass Pylades und Bathyllus, zwei Tänzer am Hofe des Augustus, als die Begründer des römischen Pantomimus gelten. Sie entwickelten unterschiedliche Stile: Pylades bevorzugte tragische Themen, während Bathyllus für komische und erotische Darbietungen bekannt war.
Schnell erfreute sich der Pantomimus großer Beliebtheit in Rom und verbreitete sich im gesamten römischen Reich. Er wurde zu einem festen Bestandteil von öffentlichen Spielen, privaten Festen und religiösen Zeremonien. Die Aufführungen fanden in Theatern, Arenen und sogar in den Häusern wohlhabender Bürger statt.
Themen und Geschichten
Die Geschichten, die im Pantomimus erzählt wurden, stammten hauptsächlich aus der griechischen Mythologie und der römischen Geschichte. Beliebte Themen waren die Liebesgeschichten von Venus und Mars, die Abenteuer von Herkules, die Tragödien des Trojanischen Krieges und die Heldentaten römischer Kaiser. Auch komische Szenen und satirische Darstellungen gehörten zum Repertoire des Pantomimus. Die Bandbreite der Themen trug massgeblich zur Popularität dieser Kunstform bei.
Ein Pantomimus konnte in einer einzigen Vorstellung mehrere Rollen übernehmen, indem er Kostüme, Masken und seine Körperhaltung veränderte. Er musste in der Lage sein, eine Vielzahl von Emotionen und Charakteren darzustellen, von der tiefsten Trauer bis zur überschwänglichen Freude. Dies erforderte ein hohes Maß an körperlicher und schauspielerischer Beherrschung.
Bedeutende Pantomimen
Obwohl viele Namen von Pantomimen im Laufe der Geschichte verloren gegangen sind, gibt es einige, die aufgrund ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten und ihres Einflusses auf die Entwicklung der Kunstform bekannt sind.
- Pylades: Wie bereits erwähnt, gilt er als einer der Begründer des römischen Pantomimus. Er war bekannt für seinen tragischen Stil und seine Fähigkeit, tiefe Emotionen auszudrücken.
- Bathyllus: Ebenfalls ein Gründer des Pantomimus, berühmt für seine komischen und erotischen Darbietungen. Er soll ein besonders virtuoser Tänzer gewesen sein.
- Paris: Ein Pantomimus des 1. Jahrhunderts n. Chr., der für seine Schönheit und sein Talent berühmt war. Er war ein Günstling des Kaisers Domitian, was ihm aber letztendlich zum Verhängnis wurde.
Die Popularität dieser Darsteller führte oft zu einer Art Star-Kult, ähnlich wie bei modernen Prominenten. Ihre Fans waren leidenschaftlich und unterstützten ihre Lieblingsdarsteller oft mit großem Eifer.
Kritik und Kontroversen
Trotz seiner Popularität war der Pantomimus nicht ohne Kritiker. Einige moralische Autoritäten und konservative Römer sahen in den oft erotischen und gewalttätigen Darstellungen eine Gefahr für die öffentliche Moral. Sie bemängelten die Übertriebenheit und den Mangel an Würde in den Aufführungen. Auch der hohe Status, den Pantomimen in der Gesellschaft genossen, stieß manchen sauer auf.
Dennoch konnte die Kritik die Popularität des Pantomimus nicht nachhaltig schmälern. Er blieb eine beliebte Form der Unterhaltung bis zum Ende des römischen Reiches und darüber hinaus. Selbst christliche Autoren erkannten die künstlerischen Qualitäten des Pantomimus an, obwohl sie die moralischen Aspekte weiterhin kritisierten.
Einfluss und Vermächtnis
Der römische Pantomimus hatte einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des Theaters und des Tanzes in Europa. Seine Techniken und Konventionen wurden von späteren Künstlern und Bühnenformen übernommen und weiterentwickelt. Elemente des Pantomimus lassen sich in der Commedia dell'arte, im Ballett und in der modernen Pantomime wiederfinden. Das Erbe des Pantomimus ist also vielfältig und reicht bis in die heutige Zeit.
Die Betonung der körperlichen Ausdruckskraft, die Verwendung von Musik und Gesang zur Untermalung der Handlung und die Fähigkeit, komplexe Geschichten ohne Worte zu erzählen, sind allesamt Merkmale, die den Pantomimus zu einer einzigartigen und einflussreichen Kunstform machen. Für diejenigen, die die römische Kultur verstehen wollen, ist das Wissen um den Pantomimus unerlässlich.
Wo man mehr erfahren kann
Für weitere Informationen über den römischen Pantomimus empfiehlt es sich, Fachbücher über die römische Theatergeschichte zu konsultieren. Auch Museen mit römischen Sammlungen, wie beispielsweise das Museo Nazionale Romano in Rom, bieten oft Einblicke in die Welt des Pantomimus. Archäologische Stätten, wie das Theater in Pompeji, können ebenfalls helfen, sich ein Bild von den Aufführungsorten des Pantomimus zu machen.
Der Pantomimus mag auf den ersten Blick eine ferne und obskure Kunstform sein, aber er ist ein lebendiger Teil des römischen Erbes, das uns viel über die Kultur, die Werte und die Unterhaltungsvorlieben der Menschen im antiken Rom verraten kann. Das Verständnis des Pantomimus bereichert unser Verständnis der römischen Welt und zeigt uns, wie tiefgreifend der Einfluss dieser scheinbar stummen Kunstform auf unsere heutige Kultur ist.
