Posttraumatische Belastungsstörung Nach Beziehung Mit Narzissten
Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) ist eine komplexe psychische Erkrankung, die durch ein übersteigertes Gefühl der Selbstbedeutung, ein tiefes Bedürfnis nach übermäßiger Bewunderung und einen Mangel an Empathie gekennzeichnet ist. Beziehungen mit Menschen mit NPS können äußerst belastend und schädlich sein, und viele Betroffene entwickeln als Folge davon eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Dieser Artikel soll Ihnen ein besseres Verständnis der PTBS nach einer Beziehung mit einem Narzissten vermitteln, die Symptome aufzeigen, mögliche Ursachen beleuchten und praktische Schritte zur Bewältigung und Heilung aufzeigen.
Was ist Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)?
PTBS ist eine psychische Erkrankung, die nach dem Erleben oder Miterleben eines traumatischen Ereignisses auftreten kann. Typische Auslöser sind Kriegserlebnisse, Naturkatastrophen, schwere Unfälle, sexuelle Übergriffe oder eben auch anhaltender psychischer Missbrauch in einer Beziehung. PTBS äußert sich in einer Vielzahl von Symptomen, die das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen können.
Symptome von PTBS
Die Symptome von PTBS lassen sich in vier Hauptkategorien einteilen:
- Wiedererleben: Hierzu gehören Flashbacks (lebhafte Erinnerungen an das traumatische Ereignis, die sich anfühlen, als ob sie gerade passieren), Albträume und aufdringliche Gedanken. Betroffene erleben das Trauma immer wieder, oft ohne es zu wollen oder kontrollieren zu können.
- Vermeidung: Betroffene vermeiden Orte, Personen, Gedanken, Gefühle oder Gespräche, die sie an das traumatische Ereignis erinnern. Dieses Vermeidungsverhalten dient dem Zweck, die Belastung zu reduzieren, kann aber langfristig zu sozialer Isolation und emotionaler Abstumpfung führen.
- Negative Kognitionen und Stimmung: Diese Kategorie umfasst negative Gedanken über sich selbst, andere und die Welt im Allgemeinen. Betroffene können Gefühle von Schuld, Scham, Hoffnungslosigkeit, Misstrauen oder Entfremdung erleben. Oft ist auch die Fähigkeit, positive Emotionen zu empfinden, eingeschränkt.
- Hyperarousal (Übererregung): Dies beinhaltet erhöhte Reizbarkeit, Wutausbrüche, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, übermäßige Wachsamkeit (ständige Angst vor Gefahren) und eine erhöhte Schreckhaftigkeit. Betroffene sind in einem ständigen Zustand der Anspannung und reagieren überempfindlich auf äußere Reize.
PTBS nach einer Beziehung mit einem Narzissten
Eine Beziehung mit einem Narzissten kann als traumatische Erfahrung gelten, da sie oft von psychischem Missbrauch, Manipulation und emotionaler Ausbeutung geprägt ist. Narzissten neigen dazu, ihre Partner zu idealisieren, um sie dann im Laufe der Beziehung abzuwerten und zu verwerfen. Dieser Zyklus der Idealisierung, Abwertung und Verwerfung, auch bekannt als "Love Bombing", "Devaluation" und "Discard", kann erhebliche psychische Schäden verursachen. Die ständige Kritik, die Manipulation (Gaslighting), die Kontrolle und der Mangel an Empathie können zu einem Gefühl der Hilflosigkeit, Wertlosigkeit und Verwirrung führen, was letztendlich die Entwicklung einer PTBS begünstigt.
Besondere Merkmale von PTBS nach narzisstischem Missbrauch
PTBS nach einer Beziehung mit einem Narzissten kann einige besondere Merkmale aufweisen, die sie von PTBS aufgrund anderer traumatischer Ereignisse unterscheiden:
- Komplexe PTBS (K-PTBS): Narzisstischer Missbrauch ist oft chronisch und wiederholt sich über einen längeren Zeitraum. Dies kann zur Entwicklung einer komplexen PTBS führen, die zusätzlich zu den oben genannten PTBS-Symptomen auch Schwierigkeiten in der Selbstregulation, in Beziehungen und in der Selbstwahrnehmung beinhaltet.
- Scham und Schuldgefühle: Betroffene fühlen sich oft schuldig oder schämen sich für die Beziehung, dafür, dass sie sich haben manipulieren lassen oder für die Art und Weise, wie sie während der Beziehung reagiert haben. Diese Gefühle können die Verarbeitung des Traumas erschweren.
- Identitätsverlust: Narzissten versuchen oft, ihre Partner zu kontrollieren und ihre Identität zu unterdrücken. Nach der Beziehung können Betroffene Schwierigkeiten haben, sich selbst wiederzufinden und ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen.
- Misstrauen: Die Erfahrung des Verrats und der Manipulation kann zu tiefem Misstrauen gegenüber anderen Menschen führen, insbesondere in intimen Beziehungen.
Ursachen von PTBS nach narzisstischem Missbrauch
Die Entwicklung einer PTBS nach einer Beziehung mit einem Narzissten ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird:
- Art und Dauer des Missbrauchs: Je intensiver und länger der Missbrauch andauert, desto höher ist das Risiko, eine PTBS zu entwickeln.
- Persönliche Vulnerabilität: Frühere traumatische Erfahrungen, eine Prädisposition für psychische Erkrankungen oder ein geringes Selbstwertgefühl können die Anfälligkeit für PTBS erhöhen.
- Soziale Unterstützung: Das Vorhandensein von unterstützenden Beziehungen und einem stabilen sozialen Netzwerk kann die Resilienz stärken und das Risiko für PTBS verringern.
- Bewältigungsstrategien: Die Art und Weise, wie Betroffene mit dem Missbrauch umgehen, kann ebenfalls eine Rolle spielen. Vermeidung und Verleugnung können beispielsweise die Verarbeitung des Traumas erschweren.
Bewältigung und Heilung
Die Bewältigung von PTBS nach einer Beziehung mit einem Narzissten ist ein Prozess, der Zeit, Geduld und Engagement erfordert. Es gibt jedoch viele Schritte, die Sie unternehmen können, um sich selbst zu helfen und den Weg zur Heilung zu beschreiten:
Professionelle Hilfe suchen
Der erste und wichtigste Schritt ist die Suche nach professioneller Hilfe. Ein qualifizierter Therapeut, der Erfahrung in der Behandlung von Traumata und narzisstischem Missbrauch hat, kann Ihnen helfen, die Symptome zu verstehen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und das Trauma zu verarbeiten. Es ist wichtig, einen Therapeuten zu finden, dem Sie vertrauen und bei dem Sie sich wohlfühlen.
Therapieansätze
Es gibt verschiedene Therapieansätze, die bei der Behandlung von PTBS nach narzisstischem Missbrauch wirksam sein können:
- Traumafokussierte Therapie: Hierzu gehören Techniken wie EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) und kognitive Verhaltenstherapie (KVT), die darauf abzielen, das traumatische Ereignis zu verarbeiten und die negativen Gedanken und Gefühle, die damit verbunden sind, zu verändern.
- Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): DBT kann helfen, die Emotionsregulation, die zwischenmenschlichen Fähigkeiten und die Stresstoleranz zu verbessern.
- Schematherapie: Diese Therapieform konzentriert sich auf die Identifizierung und Veränderung dysfunktionaler Denkmuster und Verhaltensweisen, die in der Kindheit entstanden sind. Sie kann besonders hilfreich sein, wenn frühe traumatische Erfahrungen eine Rolle spielen.
- Gruppentherapie: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein, um sich verstanden zu fühlen, Isolation zu überwinden und neue Perspektiven zu gewinnen.
Selbsthilfestrategien
Zusätzlich zur professionellen Therapie gibt es viele Selbsthilfestrategien, die Sie in Ihren Alltag integrieren können:
- Selbstfürsorge: Achten Sie auf Ihre körperlichen und emotionalen Bedürfnisse. Ernähren Sie sich gesund, treiben Sie regelmäßig Sport, schlafen Sie ausreichend und nehmen Sie sich Zeit für Entspannung und Hobbys.
- Grenzen setzen: Lernen Sie, klare Grenzen zu setzen und "Nein" zu sagen. Schützen Sie sich vor Menschen und Situationen, die Ihnen nicht guttun. Dies ist besonders wichtig, um zukünftige toxische Beziehungen zu vermeiden.
- Achtsamkeit: Praktizieren Sie Achtsamkeit, um im gegenwärtigen Moment präsent zu sein und Ihre Gedanken und Gefühle ohne Wertung zu beobachten. Dies kann Ihnen helfen, Flashbacks und Angstsymptome zu reduzieren.
- Soziale Unterstützung: Bauen Sie ein starkes soziales Netzwerk auf und pflegen Sie unterstützende Beziehungen. Sprechen Sie mit Freunden, Familie oder einer Selbsthilfegruppe über Ihre Erfahrungen.
- Kreativer Ausdruck: Nutzen Sie kreative Aktivitäten wie Schreiben, Malen, Musik oder Tanzen, um Ihre Gefühle auszudrücken und zu verarbeiten.
- Information und Aufklärung: Informieren Sie sich über narzisstischen Missbrauch und PTBS. Je mehr Sie verstehen, desto besser können Sie Ihre Erfahrungen einordnen und bewältigen.
- Gesundheitliche Unterstützung: Regelmäßige Arztbesuche und ggf. die Einnahme von Medikamenten nach ärztlicher Anweisung können helfen, die Symptome zu lindern.
Wichtiger Hinweis: Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Heilung ein Prozess ist, der Zeit braucht. Seien Sie geduldig mit sich selbst und feiern Sie jeden kleinen Fortschritt. Es ist möglich, nach einer Beziehung mit einem Narzissten wieder ein erfülltes und glückliches Leben zu führen. Geben Sie die Hoffnung nicht auf!
Zusätzliche Ressourcen
Es gibt zahlreiche Bücher, Artikel, Websites und Selbsthilfegruppen, die Ihnen bei der Bewältigung von PTBS nach narzisstischem Missbrauch helfen können. Suchen Sie nach Ressourcen, die Ihnen Informationen, Unterstützung und praktische Tipps bieten.
Die hier gegebenen Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine professionelle Beratung durch einen Arzt oder Psychotherapeuten. Bei Bedarf sollten Sie sich unbedingt an qualifizierte Fachleute wenden.
