Prolog Im Himmel Faust
Habt ihr euch jemals gefragt, was die da oben so treiben, bevor der ganze Faust-Wahnsinn überhaupt losgeht? Ich meine, klar, wir kennen Faust, den unglücklichen Gelehrten, Mephisto, den listigen Teufel, und natürlich Gretchen, das unschuldige Mädchen. Aber was passiert eigentlich im Himmel, bevor diese drei Schicksale sich verweben?
Ein himmlisches Kaffeekränzchen?
Der "Prolog im Himmel", das Vorspiel zu Goethes Faust, ist im Grunde eine Art himmlische Talkshow, nur dass die Teilnehmer Götter, Engel und eben der Teufel sind. Und ratet mal, wer die Show eröffnet? Kein geringerer als Gott selbst, oder wie er hier genannt wird: der Herr. Er ist ein bisschen wie ein weiser, aber auch etwas gelangweilter Chef, der sich fragt, was seine Mitarbeiter so treiben.
Die Engel singen und preisen
Zuerst dürfen natürlich die Engel ans Mikrofon. Sie singen Loblieder über die Schöpfung, preisen die Schönheit der Welt und die Ordnung des Universums. Stellt euch das vor wie einen himmlischen Chor, der versucht, den Chef bei Laune zu halten. Alles ist harmonisch und friedlich, fast schon ein bisschen schnarchig.
Mephisto mischt die Karten
Aber dann kommt Mephisto ins Spiel! Er ist so etwas wie der Störenfried auf der Party, der immer für schlechte Witze und Chaos sorgt. Anstatt die Schöpfung zu loben, beschwert er sich über die Menschheit. Er findet, dass die Menschen dumm, faul und im Grunde genommen eine Fehlkonstruktion sind. Er vergleicht sie sogar mit "Langusten", die ständig herumhampeln und sich doch nicht weiterentwickeln. Ein echter Spaßvogel, dieser Mephisto!
"Von Sonn' und Welten weiß ich nichts zu sagen, Ich sehe nur, wie sich die Menschen plagen."
Man könnte meinen, Gott wäre sauer über so viel Negativität, aber nein! Er scheint eher amüsiert. Er kennt Mephisto ja schon lange und weiß, dass er im Grunde genommen gar nicht so böse ist, wie er sich gibt. Er ist eher so ein nörgelnder Onkel, den man trotzdem irgendwie lieb hat.
Die Wette
Und dann kommt es zum Knackpunkt: Gott und Mephisto schließen eine Wette ab. Mephisto behauptet, er könne Faust, den gelehrten, aber unzufriedenen Menschen, vom rechten Weg abbringen. Er will ihm zeigen, dass Glück und Erfüllung nicht im Streben nach Wissen und Wahrheit liegen, sondern im Genuss und in der Befriedigung der eigenen Triebe.
Gott ist sich sicher, dass Faust trotz aller Zweifel und Schwächen letztendlich doch ein guter Mensch ist und sich nicht von Mephistos Versuchungen verführen lassen wird. Er gibt Mephisto sozusagen eine Chance, sich zu beweisen, aber er weiß, dass er im Grunde genommen schon gewonnen hat. Es ist wie bei einer sportlichen Herausforderung: Man weiß, dass man besser ist, aber man lässt den Gegner trotzdem spielen, um zu sehen, was er drauf hat.
Warum das Ganze?
Warum aber dieser ganze Aufwand? Warum inszeniert Gott diesen "Prolog im Himmel"? Nun, man könnte sagen, dass er uns damit einen Einblick in die großen Fragen des Lebens geben will. Es geht um Gut und Böse, um Versuchung und Erlösung, um den Sinn des Lebens und die Natur des Menschen. Aber es geht auch um die Freiheit des Willens. Gott zwingt Faust nicht, sich für eine bestimmte Seite zu entscheiden. Er lässt ihm die Wahl, und das ist es, was das Ganze so spannend macht.
Der "Prolog im Himmel" ist also mehr als nur eine Einleitung zu Faust. Er ist eine philosophische Diskussion, eine humorvolle Auseinandersetzung mit den großen Fragen der Menschheit und eine spannende Einführung in ein Drama, das uns bis zum Schluss fesseln wird. Und wer weiß, vielleicht ist es ja auch eine kleine himmlische Reality-Show, die uns zeigen soll, dass selbst die Götter manchmal ein bisschen Unterhaltung brauchen.
Beim nächsten Mal, wenn ihr Faust lest oder seht, denkt mal an dieses himmlische Vorspiel. Stellt euch die Engel vor, die singen, Mephisto, der Witze reißt, und Gott, der alles mit einem Augenzwinkern betrachtet. Vielleicht entdeckt ihr ja dann eine ganz neue Seite an diesem alten Klassiker.
