Reflexive Verben Im Italienischen
Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon mal vor einem italienischen Satz mit reflexiven Verben kapituliert? Ich meine, dieses ganze "mi", "ti", "si", "ci", "vi" – es tanzt einem doch der Bär! Und dann dieses verdammte "ne" noch obendrauf! (Ja, ich weiß, ist nicht immer reflexiv, aber trotzdem!)
Italienisch lernen: Eine never ending Story?
Man lernt fleißig "Io sono", "Tu sei", "Lui/Lei è" und fühlt sich schon fast wie ein kleiner Michelangelo. Und dann BAMM! Die reflexiven Verben schlagen zu. Plötzlich muss man sich entscheiden: "Mi chiamo", "Ti lavi", "Si sveglia"... Was zum Teufel bedeutet das alles überhaupt?
Ich gebe zu, ich habe mich lange Zeit erfolgreich gedrückt. Lieber "Ciao, come stai?" sagen und dann schnell das Thema wechseln, bevor es kompliziert wird. Aber irgendwann kommt man um die Wahrheit nicht herum: Wer Italienisch wirklich verstehen will, muss sich mit diesen kleinen Monstern auseinandersetzen.
Meine (leicht unpopuläre) Meinung
Und hier kommt meine mutige Behauptung: Ich finde, reflexive Verben sind total überbewertet! Versteht mich nicht falsch, sie sind wichtig, ja, ja. Aber tun wir nicht alle so, als wären sie die absolute Königsklasse der italienischen Grammatik? Dabei sind sie eigentlich nur...naja, ein bisschen komisch.
Ich meine, warum muss man sich auf Italienisch "sich anziehen"? Reicht es nicht, einfach zu sagen "Ich ziehe an"? Ist es wirklich so wichtig, dass ich betone, dass ich MICH anziehe und nicht etwa meinen Hund? (Wobei, das wäre auch eine interessante Geschichte...).
Und dann "lavarsi"... Sich waschen. Ja, danke für die Information, dass ich meinen eigenen Körper wasche. Als ob ich jemand anderen unter die Dusche schicken würde!
"Mama, ich geh mal eben Papa waschen!"
Nein, Spaß beiseite. Natürlich gibt es Fälle, in denen die Reflexivität Sinn macht. Zum Beispiel, wenn man betonen will, dass man etwas selbst gemacht hat. Oder wenn es sich um eine reziproke Handlung handelt, also etwas, das man gemeinsam tut ("Ci vediamo domani" - Wir sehen uns morgen).
Aber trotzdem! Ich finde, man könnte im Alltag gut und gerne auf die Hälfte der reflexiven Verben verzichten. Wer würde es wirklich merken?
Ein paar Beispiele zur Erheiterung
Hier ein paar meiner Lieblings-Reflexiv-Verben (oder eher, die, die mich am meisten verwirren):
- Pentirsi: Bereuen. Klingt dramatisch, oder? "Ich bereue mich!" Fast schon philosophisch.
- Accorgersi: Bemerken. Warum nicht einfach "notare"? Ist doch viel einfacher!
- Divertirsi: Sich amüsieren. Okay, der ist eigentlich ganz nett. Aber trotzdem...
Ich stelle mir gerade vor, wie ich versuche, einem Touristen zu erklären, warum man auf Italienisch "sich verlieben" muss ("innamorarsi"). Viel Spaß dabei!
Die Lösung? Ignorieren?
Nein, natürlich nicht. Aber vielleicht sollten wir uns nicht so verrückt machen lassen. Wenn man mal ein reflexives Verb vergisst, bricht ja nicht gleich die Welt zusammen. Die Italiener verstehen uns trotzdem (meistens jedenfalls).
Konzentrieren wir uns lieber auf die schönen Dinge der italienischen Sprache: Das Rollen des "R", die melodische Aussprache und die Tatsache, dass man mit Händen und Füßen alles noch viel besser erklären kann!
Und wenn man dann doch mal unsicher ist, hilft immer noch der gute alte Trick: Einfach das reflexive Pronomen weglassen. Funktioniert nicht immer, aber oft genug, um sich aus der Affäre zu ziehen. *zwinker*
Also, liebe Italienischlerner, lasst euch nicht entmutigen! Die reflexiven Verben sind nur ein kleiner Stolperstein auf dem Weg zum Dolce Vita. Und wer weiß, vielleicht verliebt ihr euch ja irgendwann doch noch in sie. (Inamorarvi!)
A presto!
