Religion In Der Werbung
Mal ehrlich, Leute. Religion und Werbung? Ist doch eigentlich ein bisschen wie Öl und Wasser, oder? Manchmal zumindest.
Ich mein ja nur: Jesus in 'ner Jeans-Werbung? Mohammed, der für 'nen neuen Energy-Drink wirbt? Buddha, der 'nen Staubsauger anpreist? Bildlich gesprochen, versteht sich. Wäre schon... sagen wir mal... gewagt.
Und bevor jetzt alle "Blasphemie!" schreien: Ich will hier niemanden auf die Füße treten. Wirklich nicht. Aber mir fallen da so ein paar Sachen auf, wenn ich mir Werbung so ansehe. Und ich hab da so 'ne kleine, vielleicht unpopuläre Meinung dazu...
Die subtile Botschaft
Klar, die großen Weltreligionen werden jetzt nicht direkt für irgendwelche Produkte missbraucht (zumindest nicht offensichtlich). Aber wie oft sehen wir nicht Bilder, die stark an religiöse Ikonen oder Rituale erinnern? Denkt mal drüber nach.
Da ist die Supermodel-Familie im perfekt ausgeleuchteten Sonnenuntergang. Die Mutter, fast schon madonnenhaft, hält ihr strahlendes Baby im Arm. Klingt nach 'ner Windelwerbung, oder? Und schon haben wir's: *Die Familie* wird zum Heiligtum, das Baby zum kleinen Messias, und die Windel zur Erlösung für Eltern mit schlaflosen Nächten.
Oder diese epischen Auto-Werbespots. Das Auto fährt durch eine atemberaubende Landschaft, begleitet von erhabener Musik. Fast schon eine Pilgerreise zu... ja, wohin eigentlich? Zur ultimativen Freiheit? Zum Statussymbol? Zum Gefühl, etwas Besseres zu sein? Klingt irgendwie auch nach 'ner (sehr teuren) Ersatzreligion.
Und was ist mit den ganzen "Heilsversprechen"? "Diese Creme lässt dich 10 Jahre jünger aussehen!" "Dieser Kurs macht dich zum Millionär!" "Diese App löst all deine Probleme!" Klingt für mich verdächtig nach dem, was uns früher in der Sonntagsschule versprochen wurde, nur eben ohne den Umweg über ein sündhaftes Leben.
Wenn Marken zu Göttern werden
Wir leben in 'ner Konsumgesellschaft, ist ja klar. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass wir unsere Marken fast schon anbeten. Apple-Jünger, Harley-Davidson-Fans, Adidas-Ultras... klingt das nicht fast schon nach Kult? Die Produkte werden nicht nur gekauft, sondern geliebt, verteidigt und leidenschaftlich anderen empfohlen.
Steve Jobs war doch fast wie 'n Prophet, oder? Und seine Keynotes waren wie Predigten, die die Massen begeisterten. Und wenn ein neues iPhone auf den Markt kommt, dann ist das doch fast wie ein heiliger Feiertag, an dem sich die Gläubigen in langen Schlangen versammeln, um das neue Relikt in Empfang zu nehmen.
Und was lernen wir daraus?
Ich will jetzt hier keine Verschwörungstheorien verbreiten. Wahrscheinlich ist das alles nur Zufall (oder eben cleveres Marketing). Aber ich finde, es ist schon interessant, wie sich religiöse Bilder, Rituale und Versprechen in unserer modernen Werbewelt wiederfinden.
Vielleicht, weil wir Menschen eben doch irgendwie nach etwas Höherem streben. Nach Sinn, nach Erlösung, nach dem ultimativen Glück. Und wenn uns die Religion das nicht mehr bieten kann (oder will), dann suchen wir eben woanders danach. In der nächsten Handtasche, im neuen Auto, oder im perfekten Instagram-Filter.
Also, das nächste Mal, wenn ihr 'ne Werbung seht, die euch irgendwie... seltsam vertraut vorkommt, dann denkt mal kurz darüber nach. Vielleicht entdeckt ihr ja auch ein kleines religiöses Detail, das euch vorher gar nicht aufgefallen ist.
Und vielleicht solltet ihr dann doch lieber mal wieder in die Kirche (oder Moschee, Synagoge, den buddhistischen Tempel...). Oder einfach nur 'nen Spaziergang im Wald machen. Hauptsache, ihr lasst euch nicht von der nächsten Werbekampagne zum Kaufglück bekehren.
Denn, mal ehrlich: Das wahre Glück findet man selten im Warenkorb.
Oder etwa doch?
