Rire Au Passé Composé
Ich gebe es zu. Ich bin da etwas... eigen. Es geht um das Passé Composé und das Verb rire – lachen. Ich habe da eine, sagen wir mal, spezielle Beziehung zu.
"J'ai ri" – Oder auch nicht?
Klar, grammatikalisch ist alles korrekt. "Ich habe gelacht". Klingt einfach, oder? Ist es aber nicht. Für mich zumindest. Irgendwie klingt es... komisch. Steif. Fast schon unnatürlich. Findet ihr nicht auch?
Denkt mal drüber nach. Wann sagt man das wirklich? "Ich habe gelacht!" In einem Gerichtssaal? "Ich schwöre, ich habe gelacht, als der Papagei dem Richter auf den Kopf gekackt hat!" Vielleicht. Aber doch eher selten, oder?
Also, ich sage ja nicht, dass es falsch ist. Aber es fühlt sich an, wie ein perfekt gefaltetes Origami-Tier aus Beton. Ja, es ist Origami. Ja, es ist ein Tier. Aber irgendwie... unbefriedigend.
Die ungeschriebenen Gesetze des Lachens
Ich vermute, es gibt da ungeschriebene Gesetze des Lachens. Man lacht im Moment. Man erzählt *danach*, was passiert ist, so dass man lachen *konnte*. Aber die Aussage selbst...? Da bin ich kritisch.
Versteht mich nicht falsch. Ich liebe es zu lachen! Ich lache viel! Über Witze, über Missgeschicke, über das Leben an sich. Aber wenn ich jemandem davon erzähle, dann sage ich eher: "Es war so witzig!" oder "Ich habe mich totgelacht!". Oder einfach nur: "Mann, war das lustig!".
Die Aussage "J'ai ri" klingt, als ob man das Lachen archiviert hätte. Abgeheftet in der Schublade "Vergangene Emotionen". So nach dem Motto: "Lachen, Check! Erledigt für heute!". Und das finde ich schade.
Wisst ihr, was ich meine? Es ist, als würde man sagen: "Ich habe geatmet!". Ja, natürlich hast du geatmet! Du bist am Leben! Ist ja nicht so, dass du extra erwähnen musstest, dass du das gerade getan hast! (Okay, außer vielleicht, wenn du gerade aus einem Pool getaucht bist.)
Vielleicht bin ich auch einfach nur ein Sprach-Hypochonder. Ich spüre feinste Nuancen, wo andere nur ein simples Verb sehen. Aber ich kann es nicht ändern! "J'ai ri" klingt für mich nach einer verpassten Chance. Eine Chance, die Geschichte lebendiger, lustiger, greifbarer zu erzählen.
Vielleicht sollte ich einen Verein gründen. "Anonyme 'J'ai ri'-Hasser". Wir treffen uns wöchentlich, trinken Tee (natürlich ungesüßt) und beschweren uns darüber, wie doof diese Formulierung doch ist.
"Der Zweck des Lebens ist es zu leben, zu schmecken, zu erfahren, bis zum Äußersten zu gehen und sich nach neuen und reicheren Erfahrungen zu sehnen." – Eleanor Roosevelt.
Ich würde argumentieren, dass "sich nach neuen und reicheren Erfahrungen sehnen" auch beinhaltet, sich nach besseren Formulierungen zu sehnen, um über vergangenes Lachen zu sprechen! Oder so ähnlich.
Also, das nächste Mal, wenn ihr versucht, zu sagen, dass ihr gelacht habt... denkt an mich. Denkt an meinen inneren Sprach-Hypochonder. Und vielleicht, nur vielleicht, findet ihr eine kreativere, lebendigere Art, es auszudrücken. Esst ein Croissant. Trinkt einen Café au Lait. Und sagt dann einfach: "Oh là là, das war zum Schreien!".
Oder, noch besser: Erzählt die Geschichte so witzig, dass die anderen *auch* lachen! Das ist doch viel besser, als einfach nur zu sagen, dass ihr es getan habt, oder?
"J'ai ri." Ich werde es wohl nie verstehen. Aber vielleicht ist das auch gut so. Ein bisschen Sprach-Anarchie hat noch niemandem geschadet. Oder?
Und jetzt entschuldigt mich. Ich muss los. Ich habe gerade einen wirklich witzigen Witz gelesen. Ich werde aber nicht sagen: "J'ai ri!". Ich werde ihn einfach *erleben*.
