Risiko Wahl Modell Atkinson
Stellt euch vor, ihr seid auf einer Schatzsuche. Vor euch liegen zwei Truhen. Die eine ist winzig, fast schon mickrig, aber ihr wisst, dass sie garantiert 5 Goldstücke enthält. Die andere Truhe ist riesig, sie könnte voller Juwelen sein, aber genauso gut komplett leer. Welche nehmt ihr?
Diese simple Frage, die jeder schon mal im Leben hatte (wenn auch vielleicht nicht wortwörtlich mit Schatzkisten), ist der Kern des Risiko-Wahl-Modells von John Atkinson. Klingt kompliziert? Keine Sorge, wir machen’s locker!
Atkinson, der Motivations-Guru (eigentlich...)
Atkinson war nämlich kein Schatzsucher, sondern ein Psychologe. Und er war fasziniert davon, warum manche Leute sich immer wieder in neue Abenteuer stürzen, während andere lieber auf Nummer sicher gehen. Warum klettert der eine auf den Mount Everest, während der andere lieber im heimischen Garten grillt?
Seine Theorie besagt, dass jeder Mensch zwei konkurrierende Tendenzen in sich trägt: die Hoffnung auf Erfolg und die Furcht vor Misserfolg. Klingt logisch, oder? Aber das Spannende ist, dass diese Tendenzen unterschiedlich stark ausgeprägt sind.
Die Erfolgsjäger
Diejenigen, bei denen die Hoffnung auf Erfolg überwiegt, sind die geborenen Optimisten. Sie sehen eine Herausforderung und denken: "Das schaffe ich!". Sie sind risikobereiter und lassen sich auch von Rückschlägen nicht so schnell entmutigen. Stell dir vor, du hast zwei Bäckerfreunde. Der eine, nennen wir ihn "Kühn", eröffnet gleich nach der Ausbildung eine eigene Bäckerei, obwohl er noch kaum Erfahrung hat. Er ist überzeugt, dass er das beste Brot der Stadt backen wird. Das ist Atkinsons Erfolgsjäger im Lehrbuch!
Die Sicherheitsfanatiker
Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, bei denen die Furcht vor Misserfolg stärker ist. Sie sind vorsichtiger, planen lieber alles doppelt und dreifach ab und gehen Risiken aus dem Weg. Der andere Bäckerfreund, nennen wir ihn "Sicher", arbeitet lieber jahrelang als Angestellter, sammelt Erfahrung und spart Geld, bevor er auch nur daran denkt, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Für Sicher zählt Sicherheit und Kontrolle – ein Paradebeispiel für Atkinsons Sicherheitsfanatiker.
Die Krux mit der Aufgabenwahl
Atkinson glaubte, dass diese beiden Tendenzen unsere Entscheidungen beeinflussen, vor allem wenn es um schwierige Aufgaben geht. Erfolgsjäger wie Kühn suchen sich gerne Aufgaben, die mittelschwer sind. Warum? Weil sie da die größte Chance sehen, etwas zu lernen und sich zu beweisen. Eine einfache Aufgabe ist langweilig, eine zu schwierige Aufgabe frustrierend. Eine Aufgabe mit mittlerem Schwierigkeitsgrad ist genau richtig, um sich zu entfalten und seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.
Sicherheitsfanatiker wie Sicher hingegen tendieren eher zu sehr leichten oder sehr schweren Aufgaben. Die leichten Aufgaben garantieren Erfolg und geben ein gutes Gefühl. Die sehr schweren Aufgaben haben den Vorteil, dass man sich bei einem Misserfolg nicht so schlecht fühlt, weil ja von vornherein klar war, dass es schwierig wird. "Ich habe es wenigstens versucht!" ist dann die Devise.
Und was hat das mit Risiko zu tun?
Das Risiko-Wahl-Modell zeigt uns, dass Risiko nicht gleich Risiko ist. Es kommt darauf an, wer das Risiko eingeht und warum. Der eine sieht eine Chance, der andere eine Bedrohung. Und diese Sichtweise prägt unsere Entscheidungen.
Denkt noch mal an die Schatzkisten. Der Erfolgsjäger würde wahrscheinlich die große Truhe nehmen, in der Hoffnung auf den großen Gewinn. Der Sicherheitsfanatiker würde sich eher für die kleine, garantierte Truhe entscheiden, um auf Nummer sicher zu gehen. Beide Entscheidungen sind rational, aber sie basieren auf unterschiedlichen Motivationen und Ängsten.
Und das ist das Schöne an Atkinsons Modell: Es erklärt, warum Menschen so unterschiedlich sind. Es zeigt uns, dass es kein "richtig" oder "falsch" gibt, sondern nur unterschiedliche Strategien, um mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen.
Mehr als nur eine Theorie
Das Risiko-Wahl-Modell ist natürlich nur eine Theorie, und die Realität ist oft komplexer. Aber es ist ein nützliches Werkzeug, um uns selbst und andere besser zu verstehen. Wenn ihr das nächste Mal vor einer schwierigen Entscheidung steht, fragt euch doch mal: Bin ich gerade eher der Erfolgsjäger oder der Sicherheitsfanatiker? Und welche Truhe würde ich wirklich wählen?
Vielleicht ist die Antwort ja gar nicht so offensichtlich, wie ihr denkt. Und vielleicht bringt euch diese kleine gedankliche Übung ja auch auf die Spur zu eurem ganz persönlichen Schatz.
