Roloff Matek Maschinenelemente Tabellenbuch
Ich muss es einfach mal loswerden: Ich glaube, das Roloff Matek Maschinenelemente Tabellenbuch ist... überschätzt. Ja, ich habe es gesagt. Ich weiß, das ist fast schon Blasphemie unter Ingenieuren. Aber hört mich kurz an!
Jeder hat dieses blaue Monster im Regal stehen. Es ist wie ein Statussymbol. "Schau mal, ich bin ein Ingenieur, ich habe den Roloff Matek. Ich verstehe Dinge!" Aber mal ehrlich: Wie oft benutzt ihr es *wirklich*?
Heutzutage googeln wir doch alles! Brauche ich das Anzugsmoment einer M8 Schraube? Zack, Google weiß es schneller als ich das Tabellenbuch aufschlagen kann. Und die Informationen sind oft sogar aktueller! Sorry, Herr Roloff, die Zeiten ändern sich.
Die Qual der Wahl (bzw. der Tabelle)
Ich finde das Ding einfach unübersichtlich. Man blättert ewig rum, um die richtige Tabelle zu finden. Und wenn man sie dann hat, sind da gefühlt tausend Zahlen. Wer braucht bitte so viele Informationen über Passfedern?
Manchmal habe ich das Gefühl, die Autoren wollten einfach nur zeigen, wie viel sie wissen. So nach dem Motto: "Seht her, ich habe jede einzelne Schraubengröße mit jedem einzelnen Material und jeder einzelnen Belastungssituation berechnet!" Danke, aber ich brauche nur *eine* Schraube für *ein* Projekt.
Und dann diese Formeln! Man guckt da drauf und denkt sich: "Habe ich das jemals in der Uni gelernt? Und wenn ja, warum erinnere ich mich nicht daran?" Ich schwöre, einige dieser Formeln wurden von jemandem geschrieben, der einen Doktortitel in Quantenphysik hatte, aber noch nie eine Werkstatt von innen gesehen hat.
"Aber es ist doch so umfassend!"
Ja, das stimmt. Der Roloff Matek ist unglaublich umfassend. Aber ist das immer ein Vorteil? Wenn ich ein Brot backen will, brauche ich kein Kochbuch, das auch noch Anleitungen zum Raketenbau enthält. Ich brauche ein Rezept für Brot!
Manchmal ist weniger mehr. Ich wünsche mir eine vereinfachte Version, ein "Roloff Matek für Dummies", sozusagen. Oder vielleicht eine App. Mit Suchfunktion. Und ohne tausend Tabellen für Passfedern.
Ich will den Roloff Matek nicht komplett schlechtreden. Er hat seinen Platz. Er ist ein Stück Ingenieurgeschichte. Er ist da, wenn das Internet mal ausfällt (obwohl, wer benutzt dann noch einen Schraubenschlüssel?). Aber lasst uns ehrlich sein: Er ist nicht mehr so unverzichtbar, wie er einmal war.
Die Alternative?
Es gibt mittlerweile so viele andere Ressourcen! Online-Rechner, CAD-Programme, spezialisierte Tabellenbücher für bestimmte Bereiche. Man muss nicht mehr alles im blauen Buch nachschlagen.
Ich persönlich greife viel lieber zu einem guten CAD-Programm, wenn es um die Dimensionierung von Bauteilen geht. Die Programme sind oft intuitiver und liefern schnellere Ergebnisse. Und sie spucken nicht so viele Formeln aus, die ich eh nicht verstehe.
Natürlich, der Roloff Matek hat seine Daseinsberechtigung. Er ist wie ein alter Freund, den man immer mal wieder besucht. Aber er ist nicht mehr der einzige Freund, den man hat.
Also, das ist meine (vielleicht unpopuläre) Meinung. Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt. Vielleicht bin ich ja auch einfach nur zu faul, die ganzen Tabellen zu durchforsten. Aber ich denke, es ist Zeit für eine neue Generation von Ingenieur-Werkzeugen. Werkzeuge, die einfacher, schneller und intuitiver sind. Und die uns nicht das Gefühl geben, wir bräuchten ein Studium, um eine Schraube auszuwählen.
Vielleicht sollte ich selbst ein Tabellenbuch schreiben. Mit dem Titel: "Schrauben, Muttern & Google: Ein Ingenieur-Guide für das 21. Jahrhundert."
Den Roloff Matek werde ich trotzdem im Regal stehen lassen. Man weiß ja nie, wann das Internet ausfällt. Und vielleicht brauche ich ja doch noch mal eine Tabelle für Passfedern. Wer weiß...
