Romulus Und Remus Geschichte Klasse 6
Die Geschichte von Romulus und Remus ist weit mehr als nur eine Gründungslegende. Sie ist ein Spiegel der römischen Werte, ein Fenster in die komplexe Welt der frühen italischen Kultur und ein faszinierendes narratives Konstrukt, das bis heute Künstler und Intellektuelle inspiriert. Eine Ausstellung, die diese Geschichte speziell für die 6. Klasse aufbereitet, muss daher nicht nur informativ, sondern vor allem auch ansprechend und erfahrungsbasiert sein.
Ausstellungskonzeption: Ein immersives Erlebnis
Der didaktische Ansatz sollte auf einem interaktiven und erlebnisorientierten Konzept basieren. Statt einer bloßen Aneinanderreihung von Fakten wird die Geschichte von Romulus und Remus durch verschiedene Medien lebendig: szenische Darstellungen, auditive Elemente und haptische Erfahrungen.
Die Themenbereiche
Die Ausstellung gliedert sich idealerweise in folgende Themenbereiche:
- Die Vorgeschichte: Alba Longa und die Abstammung von Aeneas. Hier wird der mythologische Hintergrund der Zwillinge beleuchtet. Modelle der Stadt Alba Longa und Stammbäume, die die Verbindung zu Aeneas und Troja verdeutlichen, schaffen ein Verständnis für die Bedeutung der Abstammung im römischen Denken.
- Die Geburt und Aussetzung der Zwillinge. Dieser Bereich thematisiert die Umstände der Geburt, die Verfolgung durch Amulius und die Aussetzung am Tiber. Eine Rekonstruktion des Tiberufers und die Darstellung des Korbes mit den Zwillingen – möglicherweise sogar mit einer (natürlich ungefährlichen) Soundkulisse von Tiergeräuschen – versetzt die Schüler in die Situation hinein.
- Die Aufzucht durch die Wölfin: Symbolik und Interpretation. Ein zentrales Element ist die Darstellung der Wölfin, die Romulus und Remus säugt. Hier sollte besonders auf die symbolische Bedeutung des Tieres eingegangen werden: die Wildheit, die Mutterliebe, die Verbindung zur Natur. Eine interaktive Station könnte die Schüler dazu anregen, eigene Interpretationen des Mythos zu entwickeln.
Die Lupa Romana ist mehr als nur eine tierische Mutter. Sie verkörpert die ungezähmte Kraft, die das römische Reich später auszeichnen sollte.
- Die Auseinandersetzung mit Amulius und die Befreiung des Numitor. Der Rachefeldzug der Zwillinge wird durch nachgestellte Szenen und vielleicht sogar kurze, inszenierte Videosequenzen illustriert. Hier wird die Bedeutung von Gerechtigkeit und Loyalität thematisiert.
- Die Gründung Roms: Konflikt und Brudermord. Der Kern der Legende: die Entscheidung für den Gründungsort, der Streit um die Deutung der Vorzeichen und der tragische Brudermord. Eine große Karte der sieben Hügel Roms, auf der die ursprünglichen Siedlungen markiert sind, veranschaulicht die geografischen Gegebenheiten. Der Brudermord wird sensibel dargestellt, ohne die Brutalität zu verharmlosen. Hier ist Raum für Diskussionen über die Ursachen von Konflikten und die Bedeutung von Kompromissbereitschaft.
Der Brudermord ist eine zentrale und tragische Zäsur in der römischen Gründungsgeschichte.
- Romulus als erster König: Die Etablierung des römischen Staates. Abschließend wird die Herrschaft des Romulus beleuchtet: die Organisation des Staates, die Einführung von Gesetzen und die Entführung der Sabinerinnen. Ein Modell des frühen Roms und Darstellungen des politischen Lebens geben einen Einblick in die Anfänge der römischen Zivilisation.
Pädagogischer Mehrwert: Kompetenzen erwerben
Die Ausstellung zielt darauf ab, den Schülern folgende Kompetenzen zu vermitteln:
- Historisches Verständnis: Die Schüler lernen die Grundlagen der römischen Gründungsgeschichte kennen und verstehen deren Bedeutung für die Identität der römischen Kultur.
- Mythos und Realität: Sie setzen sich kritisch mit der Vermischung von Mythos und historischer Realität auseinander und lernen, Quellen zu hinterfragen und zu interpretieren.
- Symbolische Kompetenz: Sie erkennen die symbolische Bedeutung von Figuren und Ereignissen und entwickeln ein Verständnis für die kulturellen Werte, die in der Legende vermittelt werden.
- Soziale Kompetenz: Sie diskutieren über Konflikte, Gerechtigkeit und Moral und lernen, eigene Standpunkte zu formulieren und zu vertreten.
Methodische Ansätze
Um diese Kompetenzen zu fördern, werden verschiedene methodische Ansätze eingesetzt:
- Interaktive Stationen: Quizspiele, Puzzles und Zuordnungsübungen regen die Schüler zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Stoff an.
- Gruppenarbeiten: Die Schüler arbeiten in kleinen Gruppen an Aufgaben, die sie zur Diskussion und Zusammenarbeit anregen.
- Rollenspiele: Durch das Schlüpfen in verschiedene Rollen (z.B. Romulus, Remus, Amulius) können die Schüler die Perspektiven der Figuren besser verstehen.
- Kreatives Schreiben: Die Schüler verfassen eigene Texte (z.B. Tagebucheinträge, Gedichte, kurze Theaterstücke) zur Geschichte von Romulus und Remus.
Besuchererlebnis: Begeisterung wecken
Das Besuchererlebnis steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Die Gestaltung soll die Schüler emotional ansprechen und ihr Interesse an der römischen Geschichte wecken.
Gestaltungselemente
- Atmosphäre: Die Ausstellung wird durch Licht, Farben und Musik in eine stimmungsvolle Atmosphäre getaucht, die die Schüler in die Welt des antiken Roms entführt.
- Originalgetreue Repliken: Repliken von römischen Waffen, Werkzeugen und Alltagsgegenständen vermitteln ein authentisches Bild der römischen Kultur.
- Audiovisuelle Medien: Kurze Filme, Animationen und Hörspiele veranschaulichen die Geschichte von Romulus und Remus auf unterhaltsame Weise.
- Barrierefreiheit: Die Ausstellung ist barrierefrei zugänglich und berücksichtigt die Bedürfnisse von Schülern mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen.
Begleitmaterialien
Ergänzend zur Ausstellung werden Begleitmaterialien angeboten, die den Schülern die Möglichkeit geben, ihr Wissen zu vertiefen und die Geschichte von Romulus und Remus auch nach dem Besuch weiter zu verfolgen:
- Arbeitsblätter: Arbeitsblätter mit Aufgaben und Fragen zur Ausstellung dienen der Vor- und Nachbereitung.
- Audioguide: Ein Audioguide führt die Schüler durch die Ausstellung und bietet zusätzliche Informationen und Hintergrundwissen.
- Broschüre: Eine Broschüre mit den wichtigsten Informationen zur Ausstellung dient als Erinnerungsstück und bietet Anregungen für weiterführende Recherchen.
Eine solche Ausstellung über Romulus und Remus für die 6. Klasse ist mehr als nur eine Präsentation historischer Fakten. Sie ist eine Einladung, in die Welt der römischen Mythologie einzutauchen, sich mit ihren Werten und Konflikten auseinanderzusetzen und die Bedeutung der Gründungslegende für die europäische Kultur zu verstehen. Durch die Kombination von interaktiven Elementen, pädagogischem Mehrwert und einem ansprechenden Besuchererlebnis wird die Ausstellung zu einem unvergesslichen Lernerlebnis für die Schüler.
Die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Romulus und Remus kann den Schülern auch helfen, eigene Werte und Überzeugungen zu reflektieren. Die Fragen nach Recht und Unrecht, Loyalität und Verrat, Gewalt und Frieden sind zeitlos und regen zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt an. Insofern leistet die Ausstellung einen wichtigen Beitrag zur politischen und ethischen Bildung der Schüler.
