San Salvador Peter Bichsel
Habt ihr schon mal von San Salvador gehört? Nein, nicht das in El Salvador, sondern das San Salvador, das in einer Schweizer Wohnung entstanden ist, erschaffen von niemand geringerem als Peter Bichsel. Ja, genau, der Peter Bichsel, der Autor.
Die Geschichte von San Salvador ist eigentlich ganz einfach, aber eben auch total verrückt. Stellt euch vor: Ein älterer Mann, pensioniert, einsam. So beginnt Bichsels Kurzgeschichte "San Salvador". Dieser Mann, Paul, eigentlich zufrieden mit seinem Leben, wird plötzlich von einer ungeheuren Langeweile übermannt. Was tun? Fernsehen? Zeitung lesen? Zu öde!
Und dann kommt Paul auf die Idee. Eine Idee, die so simpel wie genial ist: Er erfindet ein Land. Jawohl, ein ganzes Land! Er nennt es San Salvador – vielleicht, weil der Name exotisch klingt und nach Abenteuer schmeckt. Aber dieses San Salvador ist keine pompöse Utopie mit prunkvollen Palästen und strahlenden Helden. Im Gegenteil.
Was macht Paul? Er fängt an, Briefe zu schreiben. Briefe an sich selbst, adressiert an fiktive Bewohner von San Salvador. Er schreibt über das Wetter, über die Ernte, über kleine Streitereien zwischen den Nachbarn. Er erfindet Namen, Berufe, sogar kleine Dramen. Er ist Postminister, Bürgermeister, Dorfbewohner – alles in einer Person!
Man könnte meinen, Paul sei verrückt geworden. Aber ist er das wirklich? Oder hat er einfach nur einen Weg gefunden, der Einsamkeit zu entfliehen, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen? Vielleicht ist San Salvador ja gar nicht so fiktiv, wie wir denken. Vielleicht ist es ein Spiegelbild von Pauls Innenleben, seiner Sehnsüchte, seiner kleinen Freuden und Sorgen.
Die Magie des Alltäglichen
Was Peter Bichsel so besonders macht, ist seine Fähigkeit, das Außergewöhnliche im Alltäglichen zu entdecken. Er erzählt Geschichten von ganz normalen Menschen, von ihren Ängsten, ihren Träumen, ihren kleinen Verrücktheiten. Und genau das macht seine Geschichten so berührend und so lebensnah.
San Salvador ist dafür ein wunderbares Beispiel. Es ist keine epische Saga, keine heroische Heldentat. Es ist einfach nur die Geschichte eines Mannes, der sich selbst Gesellschaft leistet, indem er eine Welt erschafft. Und genau das ist es, was uns zum Nachdenken anregt. Wie oft sehnen wir uns nach etwas Besonderem, nach Abenteuer, nach einer Flucht aus dem Alltag? Und wie oft übersehen wir dabei, dass das Besondere direkt vor unserer Nase liegt, in unserer Fantasie, in unseren kleinen Verrücktheiten?
Eine kleine Welt in einer großen Welt
Die Geschichte von San Salvador ist natürlich auch eine Metapher. Sie zeigt, wie wir uns alle unsere eigenen kleinen Welten erschaffen, um in der großen, oft überwältigenden Welt zu bestehen. Unsere Freunde, unsere Familie, unsere Hobbys – all das sind kleine Inseln, auf denen wir uns wohlfühlen, auf denen wir uns selbst sein können.
Bichsel zeigt uns mit einem Augenzwinkern, dass das völlig in Ordnung ist. Es ist sogar notwendig. Denn ohne diese kleinen Welten würden wir uns in der großen Welt verirren. Wir bräuchten ein San Salvador, um unsere innere Balance zu finden.
Was lernen wir von Paul?
Paul ist kein Held, kein Genie, kein Heiliger. Er ist einfach nur ein Mensch. Aber er ist ein Mensch, der uns etwas Wichtiges lehrt: Dass es nie zu spät ist, die Fantasie spielen zu lassen, dass es nie zu spät ist, sich selbst neu zu erfinden, dass es nie zu spät ist, ein Land zu gründen – zumindest in Gedanken.
Also, liebe Leser, lasst euch von Paul inspirieren! Malt euch eure eigenen San Salvadors aus, schreibt Briefe an euch selbst, erfindet Geschichten. Und vergesst nicht: Das Wichtigste ist, dass ihr Spaß dabei habt!
Vielleicht entdeckt ihr ja auch in eurem eigenen Alltag ein kleines San Salvador, eine kleine Insel der Freude und Fantasie. Und wenn nicht, dann erschafft euch eben selbst eine!
Und wer weiß, vielleicht treffen wir uns ja eines Tages in San Salvador, bei einem Kaffee und einem Stück Kuchen, und tauschen uns über die neuesten Nachrichten aus dem Land aus. Bis dahin: Bleibt neugierig und lasst euch von Peter Bichsel verzaubern!
P.S.: Vergesst nicht, eure Reisepässe für San Salvador mitzubringen. Sonst gibt's Ärger mit dem Postminister (der ja auch der Bürgermeister ist und gleichzeitig der Dorfbewohner...).
