Schulen In Der Ns Zeit
Hallo liebe Reisefreunde! Heute entführe ich euch auf eine etwas andere Reise, eine, die uns mitten ins Herz der deutschen Geschichte führt: in die Zeit des Nationalsozialismus. Genauer gesagt, schauen wir uns an, wie das Schulleben damals aussah. Vielleicht denkt ihr jetzt: "Schule? Das klingt ja nicht gerade nach Urlaub!" Aber ich verspreche euch, ein Verständnis dieser Zeit ist essenziell, um Deutschland wirklich zu verstehen und mit anderen Augen zu sehen. Und ich bin hier, um euch die Informationen so aufzubereiten, dass sie nicht nur informativ, sondern auch zugänglich und interessant sind.
Die "Gleichschaltung" des Bildungssystems
Stellt euch vor: Ihr kommt in eine Schule, in der plötzlich alles anders ist. Die Lehrer tragen Uniformen, die Lehrbücher sind voller Propaganda, und die Kinder lernen, ihren "Führer" zu verehren. Genau das passierte in den deutschen Schulen ab 1933. Die Nationalsozialisten begannen sofort nach ihrer Machtübernahme, das gesamte Bildungssystem auf ihre Ideologie auszurichten. Man nannte das "Gleichschaltung" – die Anpassung aller gesellschaftlichen Bereiche an die nationalsozialistische Weltanschauung.
Das bedeutete konkret: Jüdische Lehrer wurden entlassen, kritische Lehrer versetzt oder aus dem Schuldienst entfernt. Lehrpläne wurden umgeschrieben, um die "arische Rasse" zu verherrlichen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und andere Minderheiten zu diffamieren. Geschichte wurde zur Legende, Biologie zur Rassenkunde und Deutsch zur Propaganda. Selbst im Mathematikunterricht wurden Aufgabenstellungen eingebaut, die den Krieg verherrlichten. Ein trauriges Beispiel: Rechenaufgaben, bei denen es darum ging, die Kosten für die "Versorgung" von Behinderten zu berechnen, um zu zeigen, wie viel Geld "unnötig" ausgegeben wurde.
Was bedeutete das für die Kinder?
Für die Kinder bedeutete das einen radikalen Wandel in ihrem Alltag. Sie wurden von klein auf indoktriniert, lernten blind zu gehorchen und kritische Fragen zu unterdrücken. Der Unterricht war geprägt von Drill, Propaganda und dem Ziel, "tüchtige Volksgenossen" heranzuziehen – loyale Anhänger des Regimes. Sport spielte eine immer größere Rolle, denn die Kinder sollten körperlich fit für den Krieg gemacht werden. Die Jungen wurden in paramilitärischen Organisationen wie dem Deutschen Jungvolk und der Hitlerjugend auf ihre zukünftige Rolle als Soldaten vorbereitet. Die Mädchen wurden im Bund Deutscher Mädel (BDM) auf ihre Rolle als Mütter und Hausfrauen vorbereitet.
Erinnert ihr euch an eure Schulzeit? An die Freundschaften, die ihr geschlossen habt, die Lehrer, die euch inspiriert haben? All das wurde in der NS-Zeit überschattet von Angst, Misstrauen und Propaganda. Kinder wurden dazu angehalten, ihre Eltern und Nachbarn zu denunzieren, wenn diese sich kritisch über das Regime äußerten. Das Schulklima war vergiftet von Angst und Argwohn.
Die Rolle der Lehrbücher
Die Lehrbücher waren ein zentrales Instrument der Indoktrination. Sie waren voll von rassistischen Stereotypen, Kriegspropaganda und der Verherrlichung Adolf Hitlers. Ein Beispiel ist das berüchtigte Lesebuch "Der Stürmer", das von Julius Streicher herausgegeben wurde. Es enthielt antisemitische Karikaturen und hetzerische Texte, die Juden als minderwertig und gefährlich darstellten. Solche Bücher vergifteten die Köpfe der Kinder und trugen dazu bei, den Boden für den Holocaust zu bereiten.
Stellt euch vor, ihr haltet so ein Buch in den Händen. Ihr blättert darin und lest Sätze, die voller Hass und Vorurteile sind. Ihr seht Bilder, die Menschen entmenschlichen und verhöhnen. Es ist ein beklemmendes Gefühl, das einem bewusst macht, wie perfide die Nationalsozialisten vorgingen, um ihre Ideologie zu verbreiten.
Orte der Erinnerung
Wenn ihr heute in Deutschland unterwegs seid, gibt es viele Orte, an denen ihr euch mit der Geschichte der NS-Zeit auseinandersetzen könnt. Viele ehemalige Schulen sind heute Gedenkstätten oder Museen, die über die Verbrechen der Nationalsozialisten aufklären. Besucht zum Beispiel die Topographie des Terrors in Berlin, die sich auf dem Gelände der ehemaligen Gestapo- und SS-Zentrale befindet. Oder besucht eine der zahlreichen Gedenkstätten in ehemaligen Konzentrationslagern wie Dachau oder Buchenwald. Diese Orte sind erschütternd, aber wichtig, um die Gräueltaten der Vergangenheit nicht zu vergessen.
Auch in vielen Städten gibt es Stolpersteine, kleine Messingplatten, die in den Bürgersteig eingelassen sind und an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Oftmals sind die Namen der Opfer von Schülern recherchiert und die Stolpersteine vor ihren ehemaligen Wohnhäusern verlegt worden. Es ist eine berührende Art, die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten und ihnen ihren Namen und ihre Würde zurückzugeben.
Ein persönlicher Tipp
Ich persönlich finde es sehr bewegend, mit Einheimischen über ihre Familiengeschichte zu sprechen. Oftmals haben sie selbst Vorfahren, die Opfer oder Täter des Nationalsozialismus waren. Diese persönlichen Geschichten geben einem einen ganz anderen Einblick in die Zeit und helfen, die komplexen Zusammenhänge besser zu verstehen. Scheut euch nicht, Fragen zu stellen, aber seid dabei immer respektvoll und einfühlsam.
Warum ist das wichtig für Reisende?
Warum erzähle ich euch das alles als Reiseblogger? Weil ich glaube, dass Reisen mehr sein sollte als nur Sightseeing und Entspannung. Reisen sollte auch dazu dienen, die Welt besser zu verstehen und aus der Geschichte zu lernen. Die NS-Zeit ist ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, aber es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, um zu verhindern, dass sich solche Gräueltaten jemals wiederholen. Wenn ihr Deutschland besucht, nehmt euch die Zeit, die Gedenkstätten zu besuchen, mit den Menschen zu sprechen und euch mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Es wird eure Reise bereichern und euch mit neuen Augen auf die Welt blicken lassen. Vergesst niemals: Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Zukunft nicht gestalten.
Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist nicht immer einfach, aber sie ist notwendig. Sie hilft uns, die Gegenwart besser zu verstehen und eine bessere Zukunft zu gestalten. Und vielleicht ist das ja auch ein Grund, warum wir reisen: Um die Welt und uns selbst besser zu verstehen.
Ich hoffe, dieser kleine Einblick in das Schulleben in der NS-Zeit hat euch inspiriert, eure nächste Reise nach Deutschland mit neuen Augen anzugehen. Bis zum nächsten Mal und bleibt neugierig!
