Schülerpraktikum Lebenslauf
Ach, der Schülerpraktikum Lebenslauf. Allein der Gedanke daran ruft Erinnerungen wach. An diesen Moment, als man als Teenie davor saß, mit feuchten Händen, und versuchte, das eigene, doch eher unspektakuläre Leben auf eine DIN-A4-Seite zu quetschen, die den potenziellen Arbeitgeber in Begeisterung versetzen sollte. Begeisterung! Als ob man die Welt schon erobert hätte. Meistens hatte man eher die Hausaufgaben vergessen.
Das Schönste daran war ja, dass man Dinge erfinden musste. Nicht direkt Lügen, aber... sagen wir mal, kreativ interpretieren. "Teamfähigkeit" wurde zur Kernkompetenz, nachdem man einmal im Sportunterricht widerwillig den Ball weitergespielt hatte. "Engagiert" hieß, dass man einmal freiwillig die Tafel gewischt hatte, weil man mit dem Schwarm in der ersten Reihe flirten wollte. Und "Interesse an neuen Technologien"? Tja, das bezog sich natürlich auf das neue Computerspiel, das man gerade durchgesuchtet hatte.
Die Kunst der Übertreibung
Die größte Herausforderung bestand darin, die eigenen Hobbys aufzupolieren. "Lesen"? Klar, man war ein Bücherwurm! Auch wenn man heimlich eher Groschenromane unter der Bettdecke las. "Sport"? Absolut! Man lief schließlich jeden Tag zum Bus (okay, meistens sprintete man, um ihn nicht zu verpassen). Und "Freunde treffen"? Das war natürlich Networking pur. Man baute sein soziales Kapital aus, um später die Welt zu beherrschen! (Oder zumindest, um jemanden zu finden, der einem bei den Mathehausaufgaben hilft.)
Ich erinnere mich noch an den Lebenslauf meines besten Freundes, Markus. Er hatte behauptet, fließend Englisch zu sprechen. Fließend! Dabei konnte er gerade mal "My name is Markus" fehlerfrei aufsagen. Das Vorstellungsgespräch beim Bäcker endete dann auch entsprechend... sagen wir mal, unterhaltsam. Der Bäckermeister fragte ihn nach seinem Lieblingsgebäck auf Englisch, und Markus antwortete mit einem breiten Grinsen: "Cake! Very good cake!". Er bekam den Praktikumsplatz trotzdem. Wahrscheinlich, weil er so sympathisch war (und weil der Bäcker dringend jemanden brauchte, der Brötchen einpackt).
Die Suche nach dem perfekten Foto
Das Foto! Oh, das Foto war ein Kapitel für sich. Man wollte ja nicht zu jung aussehen, aber auch nicht wie der ausgebrannte Vorstandsvorsitzende einer Bank. Man posierte vor der weißen Wand, zwang sich zu einem Lächeln (das eher nach Grimasse aussah) und hoffte, dass die unvorteilhafte Beleuchtung gnädig sein würde. Am Ende entschied man sich meistens für das Foto, auf dem man am wenigsten peinlich aussah – was nicht unbedingt viel heißen musste.
Einmal habe ich versucht, mein Foto professionell bearbeiten zu lassen. Ich ging zu einem kleinen Fotoladen um die Ecke und bat den Fotografen, mich "ein bisschen jünger und dynamischer" aussehen zu lassen. Er musterte mich skeptisch und meinte dann: "Junger Mann, da müsste ich ja ein Wunder vollbringen!". Am Ende sah ich aus wie eine Wachsfigur mit Photoshop-Filter. Ich habe das Foto dann doch nicht verwendet.
Und dann kam der Moment der Wahrheit: Der Lebenslauf war fertig. Man hatte ihn zigmal Korrektur gelesen (und trotzdem noch Fehler gefunden, nachdem man ihn abgeschickt hatte). Man hatte ihn ausgedruckt, in eine schicke Bewerbungsmappe gesteckt und hoffte, dass er nicht im Papierkorb landen würde.
Aber das Wichtigste am Schülerpraktikum Lebenslauf war ja nicht das Ergebnis, sondern der Prozess. Man hat gelernt, sich selbst zu präsentieren (auch wenn man dabei ein bisschen flunkern musste). Man hat gelernt, was es bedeutet, sich für etwas zu bewerben. Und man hat gelernt, dass das Leben nicht immer nach Plan verläuft – und dass das auch gut so ist.
Denn auch wenn der Lebenslauf vielleicht nicht perfekt war (und wer ist das schon?), er war ein Spiegelbild der eigenen Träume und Hoffnungen. Und das ist doch eigentlich das, was zählt, oder? Und wer weiß, vielleicht erinnert sich der Bäckermeister heute noch an den jungen Mann, der ihm mit leuchtenden Augen "Cake! Very good cake!" entgegenrief. Vielleicht hat er ja sogar eine Bäckerei aufgemacht, die sich auf amerikanisches Gebäck spezialisiert hat. Man weiß es nicht. Aber die Geschichte des Schülerpraktikum Lebenslaufs ist auf jeden Fall eine, die man gerne erzählt.
Inzwischen schreibe ich professionelle Lebensläufe für andere Leute. Und raten Sie mal, was ich meinen Kunden immer sage: "Seien Sie ehrlich, aber vergessen Sie nicht, die Geschichte ein bisschen aufzupolieren!". Denn am Ende geht es ja darum, einen guten Eindruck zu hinterlassen – und wer würde das nicht wollen?
Und ganz ehrlich: Wer hat im Schülerpraktikum Lebenslauf nicht ein bisschen geschummelt? Also, Hand aufs Herz!
