Schulz Von Thun Vier Ohren Modell
Hallo ihr Lieben! Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr euch in einem fremden Land befindet, versucht, euch zu verständigen, und trotzdem das Gefühl habt, aneinander vorbeizureden? Mir ist das schon so oft passiert, vor allem am Anfang meiner Reisen. Egal, ob es beim Feilschen auf einem marokkanischen Markt war oder beim Versuch, in Rom nach dem Weg zum Pantheon zu fragen – Missverständnisse sind vorprogrammiert. Und oft liegt das nicht nur an der Sprachbarriere, sondern an etwas viel Tiefergehendem: der Art und Weise, wie wir kommunizieren. Und genau da kommt ein Modell ins Spiel, das mir geholfen hat, meine Kommunikation auf Reisen (und auch zu Hause!) deutlich zu verbessern: Das Vier-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun.
Stellt euch vor, ihr sitzt in einem kleinen Café in Paris, bestellt einen Café au Lait und sagt zum Kellner: "Ist der Kaffee stark?". Eine simple Frage, oder? Aber was, wenn der Kellner sich angegriffen fühlt? Was, wenn er denkt, ihr wollt seine Fähigkeiten als Barista in Frage stellen? Oder was, wenn er annimmt, ihr wollt eigentlich wissen, ob der Kaffee gut für euren Kreislauf ist? All das, meine Lieben, passiert gleichzeitig und unbewusst in der Kommunikation. Und das Vier-Ohren-Modell erklärt uns, wie das funktioniert.
Die vier Seiten einer Nachricht
Schulz von Thun sagt, jede Nachricht, die wir senden oder empfangen, hat vier Seiten – vier "Ohren", mit denen wir sie hören und interpretieren. Das ist wie ein Schweizer Taschenmesser der Kommunikation – vielseitig und unglaublich nützlich, wenn man weiß, wie man es einsetzt. Diese vier Seiten sind:
1. Die Sachebene (Das blaue Ohr)
Das ist die rein sachliche Information. Was wird konkret gesagt? Fakten, Daten, Informationen. In unserem Beispiel mit dem Kaffee wäre die Sachebene einfach: "Der Kaffee soll bezüglich seiner Stärke beschrieben werden." Es geht um die objektive Eigenschaft des Kaffees.
2. Die Selbstoffenbarungsebene (Das grüne Ohr)
Hier geht es darum, was ich über mich selbst preisgebe. Unabsichtlich oder absichtlich. Indem ich sage "Ist der Kaffee stark?", offenbare ich vielleicht, dass ich empfindlich auf Koffein reagiere, oder dass ich generell starken Kaffee bevorzuge. Es könnte auch sein, dass ich unsicher bin und die Meinung des Kellners einholen möchte. Ich zeige etwas von meinem Innenleben, meinen Bedürfnissen und Befürchtungen.
3. Die Beziehungsebene (Das gelbe Ohr)
Diese Ebene zeigt, wie ich zu meinem Gesprächspartner stehe. Was halte ich von ihm? Wie behandle ich ihn? In meiner Frage kann eine gewisse Wertschätzung mitschwingen ("Ich schätze Ihre Expertise") oder auch eine subtile Kritik ("Ich traue Ihren Fähigkeiten nicht so ganz"). Der Tonfall, die Wortwahl, die Körpersprache – all das spielt hier eine große Rolle. Besonders auf Reisen, wo kulturelle Unterschiede oft groß sind, kann diese Ebene zu Missverständnissen führen. Eine Geste, die in Deutschland freundlich gemeint ist, kann in einem anderen Land als unhöflich wahrgenommen werden.
4. Die Appellebene (Das rote Ohr)
Hier geht es darum, was ich beim anderen bewirken möchte. Was will ich erreichen? Was soll der andere tun oder lassen? In meinem Beispiel könnte der Appell lauten: "Bitte sag mir, ob ich noch Milch hinzufügen soll" oder "Bitte bring mir einen anderen Kaffee, wenn dieser zu stark ist". Der Appell kann offen ausgesprochen werden, aber oft ist er versteckt und subtil. Und genau das kann zu Problemen führen.
Anwendung auf Reisen: Wie das Vier-Ohren-Modell meine Reiseerlebnisse verändert hat
Nachdem ich mich mit dem Vier-Ohren-Modell beschäftigt hatte, wurde mir klar, warum ich so oft in Fettnäpfchen getreten bin. Ich hatte immer nur auf die Sachebene geachtet und die anderen drei Ebenen komplett ignoriert. Das war wie Autofahren mit verbundenen Augen! Hier ein paar Beispiele, wie das Modell meine Reisen verändert hat:
- Feilschen auf dem Markt: Früher habe ich beim Feilschen in Marrakesch immer nur auf den Preis geachtet (Sachebene). Aber ich habe nicht berücksichtigt, dass das Feilschen dort auch ein soziales Spiel ist (Beziehungsebene). Indem ich freundlicher, respektvoller und humorvoller wurde, habe ich nicht nur bessere Preise erzielt, sondern auch viel authentischere und angenehmere Begegnungen gehabt. Ich habe verstanden, dass es nicht nur darum geht, das beste Angebot zu bekommen, sondern auch darum, eine positive Beziehung zum Verkäufer aufzubauen.
- Nach dem Weg fragen: In Rom habe ich mich früher immer geärgert, wenn mir jemand eine unklare Wegbeschreibung gegeben hat. Aber jetzt verstehe ich, dass die Person vielleicht unsicher war (Selbstoffenbarung) oder mir einfach helfen wollte, ohne genau zu wissen, wie (Appell). Anstatt mich zu beschweren, versuche ich jetzt, freundlich nachzufragen und die Situation zu verstehen. Oft stellt sich heraus, dass die Person eigentlich sehr hilfsbereit ist, aber einfach nicht über die nötigen Informationen verfügt.
- Missverständnisse im Restaurant: In Frankreich habe ich einmal fast einen Streit mit einem Kellner angefangen, weil ich mich über die lange Wartezeit beschwert habe. Erst später wurde mir klar, dass meine Beschwerde (Beziehungsebene) den Kellner persönlich angegriffen hat und er sich unfair behandelt fühlte (Selbstoffenbarung). Jetzt versuche ich, meine Kritik konstruktiver zu formulieren und die Situation aus der Perspektive des Kellners zu betrachten. Vielleicht hat er einfach einen stressigen Tag oder es gibt Personalmangel in der Küche.
Indem ich mir bewusst mache, dass jede Nachricht vier Seiten hat, kann ich meine Kommunikation bewusster gestalten und Missverständnisse vermeiden. Ich kann versuchen, die Intentionen meines Gesprächspartners besser zu verstehen und meine eigenen Botschaften klarer und respektvoller zu formulieren. Das ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich!
Praktische Tipps für die Anwendung auf Reisen
Hier sind ein paar praktische Tipps, wie ihr das Vier-Ohren-Modell auf euren Reisen anwenden könnt:
- Achte auf deine Körpersprache: Nonverbale Kommunikation ist oft wichtiger als das gesprochene Wort. Ein Lächeln, ein freundlicher Blick, eine offene Haltung – all das kann Wunder wirken.
- Höre aktiv zu: Versuche, nicht nur die Worte deines Gesprächspartners zu hören, sondern auch die Botschaften zwischen den Zeilen. Was sagt er dir über sich selbst? Wie steht er zu dir? Was möchte er erreichen?
- Formuliere deine Botschaften klar und präzise: Vermeide vage Aussagen und Mehrdeutigkeiten. Sage deutlich, was du möchtest und warum.
- Sei empathisch: Versetze dich in die Lage deines Gesprächspartners. Was sind seine Bedürfnisse, Ängste und Erwartungen?
- Sei geduldig und tolerant: Nicht jeder kommuniziert gleich. Akzeptiere, dass es kulturelle Unterschiede gibt und dass Missverständnisse passieren können.
- Hinterfrage deine eigenen Interpretationen: Bin ich gerade voreingenommen? Interpretiere ich die Situation richtig? Manchmal hilft es, einfach nachzufragen, um Klarheit zu schaffen.
Das Vier-Ohren-Modell ist kein Allheilmittel, aber es ist ein unglaublich wertvolles Werkzeug, um die Kommunikation zu verbessern und Missverständnisse zu vermeiden. Es hat mir geholfen, meine Reisen bewusster und erfüllender zu gestalten. Ich hoffe, es hilft auch euch!
Probiert es doch mal aus! Beobachtet eure Kommunikation im Alltag und auf euren Reisen. Achtet auf die vier Seiten einer Nachricht und versucht, die Perspektive eures Gesprächspartners einzunehmen. Ihr werdet überrascht sein, wie viel ihr dabei lernen könnt.
Also, packt eure Koffer, schnappt euch eure Reisepässe und geht auf Entdeckungsreise – nicht nur in die Welt, sondern auch in die Welt der Kommunikation! Ich wünsche euch viele spannende Begegnungen und unvergessliche Erlebnisse!
Bis zum nächsten Mal, ihr Lieben!
