Seit Wann Gibt Es Die Gitarre
Die Gitarre, wie wir sie heute kennen, hat eine lange und faszinierende Geschichte. Es ist nicht möglich, ein exaktes Datum für ihre Erfindung zu nennen, da sie sich über Jahrhunderte aus verschiedenen Saiteninstrumenten entwickelt hat. Um die Frage "Seit wann gibt es die Gitarre?" zu beantworten, müssen wir uns die Entwicklung ihrer Vorläufer und die allmähliche Formgebung bis zum modernen Instrument ansehen.
Die frühen Vorläufer
Die Ursprünge der Gitarre lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen. Es gab verschiedene Saiteninstrumente, die als Vorläufer der Gitarre angesehen werden können. Einige der wichtigsten sind:
Die Laute
Die Laute, mit ihrem birnenförmigen Korpus und einem Hals mit Bünden, gilt als einer der wichtigsten Vorläufer der Gitarre. Sie verbreitete sich im Mittelalter über die arabische Welt nach Europa. Die arabische Oud, ein bundloses Saiteninstrument, war ein direkter Einfluss auf die europäische Laute. Die Laute erlebte ihre Blütezeit in der Renaissance und im Barock und war ein beliebtes Instrument für Solomusik und zur Begleitung von Gesang. Sie hatte typischerweise 6 bis 13 Chöre (Doppelsaiten) und wurde mit den Fingern gespielt.
Die Cister
Die Cister war ein weiteres Saiteninstrument, das im Mittelalter und der Renaissance populär war. Sie hatte einen flachen oder leicht gewölbten Korpus und Drahtsaiten. Die Cister wurde oft von wandernden Musikern und Minnesängern gespielt und war ein relativ einfaches und tragbares Instrument.
Die Guitarra Latina und Guitarra Morisca
Auf der Iberischen Halbinsel entwickelten sich im Mittelalter zwei verschiedene Arten von Gitarren: die Guitarra Latina und die Guitarra Morisca. Die Guitarra Latina, beeinflusst von der Laute, hatte einen runden Korpus und wurde hauptsächlich in christlichen Gebieten gespielt. Die Guitarra Morisca, beeinflusst von der arabischen Oud, hatte einen ovalen Korpus und wurde in den von Muslimen beherrschten Gebieten gespielt. Diese beiden Instrumente trugen zur weiteren Entwicklung der Gitarre in Spanien bei.
Die Renaissance-Gitarre
Im 15. und 16. Jahrhundert entstand die Renaissance-Gitarre, die als direkter Vorläufer der Barockgitarre und der modernen Gitarre gilt. Sie hatte in der Regel vier Doppelsaiten (Chöre), die in Quarten gestimmt waren, mit einer Terz zwischen dem zweiten und dritten Chor. Die Renaissance-Gitarre war kleiner als die heutige Gitarre und wurde hauptsächlich zur Begleitung von Gesang und Tänzen verwendet. Komponisten wie Luis de Milán und Alonso Mudarra schrieben zahlreiche Stücke für dieses Instrument.
Die Barockgitarre
Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich die Barockgitarre, die fünf Doppelsaiten (Chöre) hatte. Sie war größer und klangvoller als die Renaissance-Gitarre und wurde zu einem beliebten Instrument in den höfischen Kreisen Europas. Die Barockgitarre war reich verziert und mit Intarsien und Elfenbein geschmückt. Komponisten wie Gaspar Sanz, Robert de Visée und Francesco Corbetta schrieben anspruchsvolle Stücke für dieses Instrument, die bis heute gespielt werden.
Die Klassische Gitarre des 19. Jahrhunderts
Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert erfuhr die Gitarre bedeutende Veränderungen, die zur Entwicklung der klassischen Gitarre führten, wie wir sie heute kennen. Der spanische Gitarrenbauer Antonio Torres Jurado (1817-1892) gilt als der "Vater der modernen Gitarre". Er vergrößerte den Korpus der Gitarre, verbesserte die Deckenkonstruktion und führte die Fächerbeleistung ein, die für einen kräftigeren und ausgewogeneren Klang sorgt. Er ersetzte auch die Doppelsaiten durch Einzelsaiten, was die Spielbarkeit verbesserte. Seine Innovationen legten den Grundstein für die moderne klassische Gitarre und ihre Verwendung in der klassischen Musik.
Die Moderne Gitarre
Im 20. Jahrhundert erfuhr die Gitarre weitere Entwicklungen und Diversifizierungen. Die Einführung der Stahlsaitengitarre ermöglichte einen lauteren und brillanteren Klang, der sich gut für Folk, Blues und Country eignete. Christian Frederick Martin Sr., ein deutscher Gitarrenbauer, der in die USA auswanderte, spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Stahlsaitengitarre. Die Gründung des Unternehmens C.F. Martin & Company trug maßgeblich zur Popularisierung dieser Gitarren bei. Darüber hinaus wurde die elektrische Gitarre erfunden, die den Klang der Gitarre verstärken und verändern konnte. George Beauchamp und Adolph Rickenbacker entwickelten in den 1930er Jahren die erste kommerziell erfolgreiche elektrische Gitarre, die "Frying Pan". Die Entwicklung der elektrischen Gitarre revolutionierte die Musik und führte zur Entstehung neuer Genres wie Rock'n'Roll, Rock und Metal.
Zusammenfassung
Die Geschichte der Gitarre ist ein komplexer und faszinierender Prozess, der sich über Jahrhunderte erstreckt. Von den antiken Saiteninstrumenten über die Laute, Cister, Renaissance- und Barockgitarre bis hin zur klassischen Gitarre und den modernen Varianten hat sich die Gitarre stetig weiterentwickelt und angepasst. Es ist daher schwierig, ein genaues Datum für die Erfindung der Gitarre zu nennen. Stattdessen ist es wichtig zu verstehen, dass die Gitarre das Ergebnis einer langen Evolution ist, die von verschiedenen Kulturen und Instrumenten beeinflusst wurde. Die Gitarre, wie wir sie heute kennen, entstand im 19. Jahrhundert durch die Innovationen von Antonio Torres Jurado. Aber ihre Wurzeln reichen viel weiter zurück in die Geschichte der Musik.
Wenn man also fragt: "Seit wann gibt es die Gitarre?", kann man antworten: Die Vorläufer der Gitarre existieren seit der Antike, aber die moderne Gitarre, die wir heute spielen, hat sich im 19. Jahrhundert entwickelt.
Die Gitarre ist heute eines der beliebtesten und vielseitigsten Instrumente der Welt und wird in unzähligen Musikrichtungen eingesetzt, von Klassik über Jazz, Blues, Rock, Pop bis hin zu Folk und vielen anderen Genres. Ihre Fähigkeit, sowohl Melodien als auch Akkorde zu spielen, macht sie zu einem idealen Instrument für Solisten und zur Begleitung von Gesang und anderen Instrumenten.
