Self Reliance Ralph Emerson
Okay, Leute, mal ehrlich: Haben wir Ralph Waldo Emerson und seine Selbstverantwortung nicht alle ein bisschen überschätzt? Ich meine, ich liebe es, "Sei du selbst!" zu schreien, aber manchmal… manchmal ist es einfach leichter, so zu sein wie alle anderen, oder?
Ich weiß, ich weiß, das ist Ketzerei. Emerson ist schließlich ein Heiliger der amerikanischen Literatur. Der Typ, der uns sagte, wir sollen unseren eigenen Weg gehen, uns nicht von der Gesellschaft unterkriegen lassen und so weiter. Großartig! Aber zwischen "Sei du selbst!" und "Zieh dir wenigstens passende Socken an!" gibt es doch einen Unterschied, oder?
Das Problem mit der Originalität
Emerson predigte Originalität. Sei ein Original! Sei einzigartig! Finde deine eigene Stimme! Super… aber was, wenn meine eigene Stimme sagt: "Netflix und Pizza"? Ist das dann auch okay? Erwarte ich jetzt von mir, dass ich ein Gedicht darüber schreibe?
Es ist doch so: Wir leben in einer Welt, in der jeder versucht, originell zu sein. Das Ergebnis? Jeder ist gleich originell. Ist das nicht ironisch? Wir geben alle Unsummen für handgefertigte, individuelle, ökologisch-nachhaltige Kaffeetassen aus, nur um am Ende mit derselben Tasse in der Hand dazustehen wie alle anderen Hipster im Café.
Die Last des Nonkonformismus
Emerson sagte auch, wir sollen Nonkonformisten sein. Aber Nonkonformismus ist anstrengend! Es bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen, ständig zu erklären, warum man anders ist, sich rechtfertigen zu müssen. Manchmal will man doch einfach nur mit dem Strom schwimmen und sich nicht erklären müssen!
Stell dir vor, du bist auf einer Party und alle tanzen Macarena. Du hasst Macarena! Aber alle anderen haben Spaß. Was machst du? Tanzt du widerwillig mit, um dazuzugehören? Oder stehst du da wie ein trotziger Emerson und erklärst, warum die Macarena kulturelle Aneignung ist und ein Beispiel für die Oberflächlichkeit der modernen Popmusik?
Ich weiß ja nicht, aber ich persönlich würde wahrscheinlich mitsingen. Weniger Stress, mehr Tequila.
Die Sache mit dem Vertrauen
Ein weiterer Pfeiler von Emersons Philosophie ist das Vertrauen in das eigene Innere. Vertraue deiner Intuition! Höre auf deine innere Stimme! Aber was, wenn meine innere Stimme mir sagt, ich soll den Job kündigen und ein Lama züchten? Ist das dann auch eine gute Idee? Wahrscheinlich nicht.
Manchmal ist es doch klüger, auf Experten zu hören. Oder zumindest auf Menschen, die mehr Ahnung haben als ich. Wenn mein Auto komische Geräusche macht, vertraue ich doch lieber einem Mechaniker als meiner "inneren Stimme", die mir sagt, ich solle einfach lauter Musik aufdrehen.
"To be great is to be misunderstood." - Ralph Waldo Emerson
Klar, Emerson. Aber manchmal ist es auch einfach so, dass man falsch liegt. Und das ist auch okay. Wir müssen nicht alle Genies sein. Wir dürfen auch mal Fehler machen.
Soziale Medien und die "Selbstverantwortung"
Und dann gibt es noch die sozialen Medien. Emerson hat das natürlich nicht vorhersehen können, aber ich bin mir sicher, er hätte seine Meinung dazu gehabt. Heute predigt jeder seine eigene Version von "Selbstverantwortung" auf Instagram. Filter drauf, Hashtag #authentisch, fertig.
Aber wie authentisch ist das wirklich? Zeigen wir wirklich unser wahres Ich, oder präsentieren wir eine idealisierte Version von uns selbst, die uns gefällt (oder von der wir glauben, dass sie anderen gefällt)?
Vielleicht sollten wir uns alle ein bisschen weniger um unsere "Selbstverantwortung" kümmern und stattdessen einfach versuchen, nette Menschen zu sein. Einfach mal die Socken passend aussuchen, die Macarena mittanzen und nicht gleich ein Lama kaufen, wenn es uns in den Sinn kommt.
Ich meine, Emerson war toll. Wirklich. Aber vielleicht ist es an der Zeit, seine Ideen ein bisschen zu entstauben und an unsere moderne Welt anzupassen. Ein bisschen mehr Kompromissbereitschaft, ein bisschen mehr Humor und ein bisschen weniger dogmatische Selbstverantwortung. Was meint ihr?
